Der Glaube an den Weihnachtsmann – Erinnerung Teil 3

Ich erinnere mich an meinen sechsten Geburtstag, im Kindergarten. Mein letztes Geburtstagsfest als „kleines Mädchen“, im Sommer sollte ich eingeschult werden, und ich fühlte mich jetzt schon ganz groß.

Ab heute reichte nicht mehr nur eine Hand aus, um den Menschen schweigend mein Alter mitzuteilen, ab heute ließ ich die Finger weg und antwortete stolz „sechs“, wenn mich jemand nach meinem Alter fragte.

Vielleicht ließ mich das auch etwas übermütig werden, mein gefühltes Erwachsenendasein. So dauerte es nicht lange, bis ich wieder auf die Erde zurückgeholt wurde.

Es war am Morgen des 6.12., Nikolaustag,  an dem ich sechs wurde, als ich den Deckel des Glasbehälters zerbrach, in dem meine Mutter Watte aufbewahrte. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, (das war auch schon als Kind meine Ausrede, die ich heute ehrlich glaube) aber ich kann mich an ein unheimlich schlechtes Gewissen erinnern. „Hoffentlich hat der Weihnachtsmann das nicht gesehen!“

Ich war schon fast soweit, nicht mehr an ihn zu glauben, denn über die Jahre waren mir Beweise wichtig geworden und die blieben immer mehr aus. Dennoch war ich mir nicht ganz sicher und solange ich mir nicht sicher war, war es besser mich zu benehmen.

Das hatte ich nun also gründlich vermasselt!

Ich beruhigte mich mit dem Wissen, dass ich ihn ja gleich im Kindergarten treffen würde und ein Nikolaus ist schließlich pünktlich. Er ist sicher jetzt schon im Kindergarten und wartet darauf, uns alle zu beschenken, da fehlt die Zeit noch einmal in jedes Haus, nach „bösen“ und „guten“ Taten  zu schauen. Die Bilanz war für dieses Jahr, für mich, abgeschlossen und ich hoffte, der Weihnachtsmann sah das genauso.

Mit klopfendem Herzen betrat ich den Raum der 4.Gruppe, ein Stuhlkreis, rote Kerzen in Mitten von drapierten Tannenzweigen, Nüssen und Äpfeln.
Ich setzte mich in einem schrägen Winkel zur Tür, sodass ich den Nikolaus gleich beim Betreten des Raumes beäugen konnte, er mich aber nicht gleich sehen würde.

Langsam füllte sich der Raum, die Tür schloss sich, als alle Kinder anwesend waren. Ich glaube, dann begann eine lange Phase des Gedichtaufsagens, dem „schnell-noch-einmal-üben“ was wir dem Nikolaus präsentieren, um ihn, im Falle „schlechter“ Taten, zu besänftigen und doch zur Herausgabe eines Geschenks zu bewegen, oder so etwas.

ICH war jedenfalls mit meinen Gedanken bei der Tür!

Als diese sich öffnete und der Weihnachtsmann, mit Kartoffelsack und Rute, den Raum betrat, pochte mein Herz ganz fürchterlich.

„Er weiß es bestimmt…. Oh nein! Nein, das kann nicht sein, aber was wenn doch?“ …

Mit schwerem Schritt, betrat er den Kreis und was dann kam, weiß ich nicht mehr, ich erinner mich nur noch, dass er irgendwann vor mir stand und sagte:
„und von Dir habe ich gehört,“ … kurze Atempause… „dass du ein braves Kind warst“ …
„Puuuuuuuuuuh“, dachte ich und atmete dabei endlich aus!
„ABER heute,…“ sprach er weiter „hast du etwas angestellt!“ …
Jetzt kreisten meine Gedanken wieder, in der Achterbahn meiner Gehirnwindungen.
„ER WEIß ES!,…. dazu muss er aber echt sein,…. Mama kann ihm UNMÖGLICH etwas verraten haben, das ist ja erst Minuten her!!!!… , ER ist ECHT! Was nun?!“

Ich steckte so in einer Verwirrung aus Angst und Freude fest, dass ich nicht hörte was er sagte, bis zu dem Punkt, als ich mein Geschenk in den Händen hielt und er mir das Versprechen abnahm, ich würde etwas vorsichtiger sein, das nächste Mal.

Der Nikolaus war ECHT, DA hatte ich den Beweis! Dazu war er auch noch nett und nicht auf Bestrafung aus, wie ich mir immer gedacht hatte.

Ein Jahr genoss ich diesen Glauben, dann wurde ich Sieben.

Meine Mutter hatte einen Arbeitskollegen damit beauftragt, den Weihnachtsmann auf meiner Geburtstagsfeier zu spielen. Der betrank sich vor seinem Auftritt bis zum Anschlag – damit hatte es sich dann, mit dem Glauben an den Weihnachtsmann!!!

Ich war endgültig erwachsen …

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