Der Spiegel als Universalinstrument – Teil 2

Wie und wozu ein „Spiegeln“ oder das „Spiegeln“ in der Kommunikation dienlich ist habe ich in „Der Spiegel als Universalinstrument Teil 1“ geschildert, doch mit dem Spiegel kann man auch viel über sich selbst erfahren und lernen … man sollte nur wissen wann es genug ist mit dem „Narzissmus“ und mit dem „in-den-Spiegel-schauen“!

Spiegel und Lernen

Wie schon gesagt, kann das Spiegeln anderer Personen (des Gesprächspartners) dabei helfen, dass schneller Vertrauen aufgebaut werden kann und daher die Kommunikation verbessert wird. Ein noch spannenderer Effekt des Spiegelns ist der Lerneffekt.

Die Natur dient häufig als Ideengeber und Spiegel für beispielsweise neue Produkte, architektonische Formen oder Kunststoffe/ künstliche Stoffe.
Doch nicht nur für das Geschäfts- oder Schaffensumfeld können Ideen aus der Umwelt gespiegelt und in ein anderes Gebiet übertragen werden.

Schon als Kindern lernen wir indem wir andere Menschen „nachmachen“. Wir können uns also verändern, wachsen und lernen indem wir andere spiegeln.
Ich kann mich erinnern wie ich mir völlig nutzloser Weise als 3 oder 4-Jährige den Gang meines Opas antrainiert hatte, weil ich so sein wollte wie er.
Natürlich klappt das nicht immer, aber wenn man eine Person lange genug beobachtet, sich Taten, Gestik, Mimik und Kommunikation „abschaut/abhört, also „spiegelt“ , so kann man vieles von einer Person, deren Erfolg oder Misserfolg lernen und für das eigenen Leben nutzen.
Eine wirklich strukturierte Herangehensweise an dieses abschauen wird im NLP (neurolinguistischen Programmieren) als „Modelling“ bezeichnet.

Mein Spiegelbild in der Umwelt

Wir sind uns nicht laufend bewusst darüber, was wir gerade tun und ob es unseren Zielen und unserem erwünschten Ergebnis dienlich ist, doch eine wunderbare Methode sich dessen bewusst zu werden ist sich sein Spiegelbild anzuschauen. Das meine ich jetzt nicht wörtlich, sondern den Spiegel den einen andere vorhalten. Meist können uns nämlich unsere Reaktionen auf unsere Mitmenschen viel über uns selbst verraten.
Der beste Spruch hierzu, der sich in mein Gedächtnis gebrannt hat ist:

„Was mich triff, betrifft mich.“

Ich saß im Auto als ich dieses Zitat hörte und ertappte mich just in diesem Moment dabei, wie ich mich über einen Autofahrer vor mir aufregte, der für meine Bedürfnisse viel zu langsam fuhr.

„Sonntagsfahrer, Führerschein-im-Lotto-Gewinner“ und solche Ausdrücke huschten mir über die Lippen als ich plötzlich aufhörte und mich fragte, warum mich das alles eigentlich so fürchterlich aufregt?! Warum störten mich solche Verkehrsschnecken manchmal und ließen mich an anderen Tagen völlig kalt?

Ich war viel zu spät ins Auto gestiegen und war in Eile. Hätte ich mich 30 Minuten früher dazu bequemt loszufahren, hätte ich den „Sonntagsfahrer“ wahrscheinlich nicht einmal bemerkt. In diesem Fall war also ganz klar: Ich hatte mir selbst ein Bein gestellt und nun suchte ich Schuldige! Doch im Grunde ärgerte ich mich über mich selbst.

Andere Beispiele zeigten sich nach dem Hören dieses Zitats jedoch noch viel deutlicher. Wenn ich begann mich über Menschen und deren Umgang mit anderen zu ärgern begann ich zu hinterfragen: Was hat das mit mir zu tun? Was zeigt mir mein Spiegel?

Häufig bemerkte ich, dass ich mich an Dingen störe, die mir an meinem Verhalten missfallen und die ich gerne ändern würde oder gerade dabei bin zu verändern. Bei anderen Menschen wiederum störten sich beispielsweise meine Freunde enorm an Dingen, die mir überhaupt nicht aufgefallen wären.

Spiegel sind mit Vorsicht zu genießen

Ich begann also nun alles und jeden als Spiegel zu sehen und stürzte mich in ein Meer der Selbstreflexion. Zu Beginn machte das auch noch Spaß. Ich genoss es mich und meine Marotten besser kennen zu lernen und hatte den Eindruck so auf dem richtigen Weg zu dem Menschen zu sein, der ich glaubte am Ende sein zu wollen.
Doch auf Dauer strengte mich das ganz schön an.

Überall sah ich, was ich noch verbessern konnte und irgendwann fühlte es sich an, als sei ich gar nicht mehr in der Lage etwas „richtig“ und „gut“ zu machen.
Aus der Idee heraus meine Lebensqualität mit diesem „Spiel“ zu verbessern wurde plötzlich ein Werkzeug der Selbstgeißelung.

Ich hatte die Idee des Spiegels zu wörtlich genommen und dazu auch noch lediglich für alles Negative. Mein Spiegel war für Positive Dinge scheinbar blind.

Böse Spiegel

In dieser Phase traf ich auf einen Menschen, der meinem Wertesystem nicht fremder sein konnte und ich ärgerte mich, dass es Menschen mit einer solchen Denke und einer solchen Handlungsmethodik überhaupt gibt.

Ich ärgerte mich so sehr, dass ich nicht umhin kam, mir die Spiegelfrage „Was hat das mit mir zu tun“ stellen musste.

Leider stellte ich mir nicht die Frage: „Was hat das mit mir zu tun“ sondern: „Was habe ich mit diesem Menschen gemeinsam?“

So kam ich also in den Konflikt zu glauben, dass ich etwas mit diesem Menschen gemeinsam haben musste und bekam auf einmal Angst vor mir selbst. Wenn ich mit dieser Person etwas gemein haben sollte, dann war ich keinen Millimeter der Mensch, der ich sein wollte, das machte mir Angst und plötzlich hatte ich das Gefühl nicht mehr zu wissen, wer ich eigentlich wirklich bin.

Hilfe und meine Entdeckung

Ich war so verwirrt von dieser Entdeckung, dass ich eine Freundin zurate zog, mit der ich mich schon häufiger über die Spiegelidee ausgetauscht hatte. Sie gab mir 2 Gedanken mit auf den Weg, die ich seither stets in meinen Spiegelüberlegungen berücksichtigt habe.

  1. Manchmal stören wir uns auch an Dingen, die gegen unsere Werte verstoßen bzw. Personen. Nicht weil wir etwas nicht so machen, wie wir es gerne tun würden, sondern weil jemand einfach so überhaupt nicht in unser „Bild“ passt.
  2. Man sollte nie vergessen, auch die schönen und guten Dinge im Spiegel zu sehen. Warum also nicht auf mal auf sich beziehen, wenn einem etwas besonders positive auffällt? Vielleicht fällt einem das genau deshalb auf, weil man es auch so gut macht, kann, hat etc. ?!

Spiegel und Werte

Ein gedachter Spiegel zeigt uns also viel über unser Äußeres, unsere Gedanken, unser Handeln und unser Wertesystem. Nicht von ungefähr kommt der Ausspruch: „Ich möchte mich morgen noch im Spiegel ansehen können“

Wenn wir uns unserer Werte bewusst sind und danach leben, können wir uns mit gutem Gewissen auch noch an den folgenden Tagen im metaphorischen (oder richtigen) Spiegel betrachten.

Spieglein, Spieglein, … wer hätte das gedacht?

Was sagst Du?