Experiment LIEBE

Während des Studiums gab es Tage, da wollte einfach nichts so wirklich gelingen und ich hatte auch keinerlei Motivation mich in aus dem Haus zu begeben. Irgendwie schien da nicht wirklich etwas auf mich zu warten. Nicht ungewöhnlich, so etwas gibt es wahrscheinlich manchmal, aber ich wollte wissen, wie ich damit umgehen kann.

Eines Tages betrat ich unser Treppenhaus und ein gutaussehender und netter Mann (ok zumindest in meiner Phantasie, denn schließlich hatte ich ja noch kein Wort mit ihm gewechselt, um das beurteilen zu können) hielt mir die Haustüre auf, um mir den Weg mit dem Fahrrad auf die Straße zu erleichtern … WÄÄM … da war er, der Grund morgens vor die Türe zu treten! Aber es wurde noch besser!Der neue Nachbar wohnte noch nicht lange im Haus, sodass auch meine Mitbewohnerin bald die erste Begegnung mit dem „schönen Markus“ machte und mir freundestrahlend davon berichtete. Sie schwebte praktisch wie auf Wolken in die Küche und verkündete, mir mit säuselnder Stimme und verklärtem Blick: „Ich bin verlieeeeeeeeeeeebt“.

Ich konnte das total gut nachempfinden, schließlich hatte es mir ja auch „erwischt“.

Jetzt war es sogar noch lustiger, weil wir uns tatsächlich in unsere Gefühle hineinsteigern konnten. Wir erzählten uns gegenseitig, wann wir ihn gesehen hatte, was er gesagt oder getan hatte und wie wunderbar er sei. Die Post zu holen wurde zum Hobby … schließlich könnte uns ja Markus begegnen! Küchenutensilien ausleihen und sonstige „unzufälligen“ Begegnungen wurden schnell aufdringlich und peinlich, also wurden diese Aktionen schnell wieder eingestellt. Darum ging es auch gar nicht. Es ging um das Gefühl. Das Gefühl einer freudigen Überraschung, dieses Wohlgefühl in der Herzgegend und der Glaube an eine rosarote Welt.

Bald gingen uns jedoch die Möglichkeiten aus, uns unauffällig im Treppenhaus aufzuhalten, also überlegten wir, wie wir dieses Gefühl etwas konstanter in unser Leben bringen könnten. Schließlich fiel uns auf, dass wir dazu nicht einmal den schönen Markus brauchten.

Wir schlossen den packt uns jeden Tag auf’s Neue zu „verlieben“.

Das ging ungefähr so: Aufstehen und möglichst zügig für die Welt FEIN machen. Schließlich trifft man ja jeden Tag seine große Liebe da draußen, da sollte man schon was her machen. Dann heißt es Augen und Ohren auf … oder sogar SINNE AUF! Ich habe mich in dieser Zeit sogar einige Male in gut riechende Menschen verliebt ….

Aber jetzt noch mal langsam in kleinen Schritten:

  1. fein machen
  2. Sinne auf
  3. träumen, ausmalen, visualisieren, fantasieren

Öffentliche Verkehrsmittel, Einkäufe, Bäckereien, …. Überall wo Menschen sind, ist diese Methode anzuwenden.

Was passiert?

Stell Dir einfach vor Du siehst jemanden, der Dir auf den ersten Blick gefällt, dann findest Du an dieser Person (je nach Zeit, die Dir dabei zur Verfügung steht) alles, jedes Detail das toll ist … äußerlich. Dann stellst Du Dir die Stimme vor oder Du traust Dich sogar, etwas zu sagen und dann stellst Du Dir einfach vor was Spaß macht ….

Das geht übrigens auch bei Menschen in Beziehungen. Es geht nicht darum tatsächlich eine Partner zu finden, sondern einfach diese anfängliche Verliebtheit, die energiegeladen und motivierend ist, in dein Leben zu holen.

Dieses Experiment haben wir eine ganze Weile gemacht (über 6 Monate oder so). Wir haben in der dieser Zeit auch unsere Wohnung an besonders trüben Tagen in eine Insel umgeräumt und „Urlaub“ gespielt … (dazu ein andermal mehr) und ich war verblüfft, wie sehr sich das auf meine Gefühlslage auswirkt. Irgendwann haben wir damit aufgehört, doch vergessen habe ich das nicht und als vor kurzem ein Freund feststellte, er wäre gerne mal wieder verliebt, habe ich diese Idee wieder „ausgepackt“.

Wir haben dem ganzen jedoch noch einen „drauf gesetzt“ und haben uns mehrfach am Tag Liebesnachrichten geschrieben. Das müssen Paare natürlich für sich entscheiden, ob damit eine emotionale Grenze des anderen überschritten wird, auch wenn es hierbei ebenfalls nicht um die „reale“ (was ich schon „REAL“?) Liebe/Verliebtheit zu einer Person geht.

Was bringt das?

Probier’s aus und du wirst schnell merken, was das macht! Für Singles ist es auf jeden Fall zu empfehlen – die ersten Studien ergeben: neue, glückliche REALE Beziehungen. Für Paare ist es eine neugewonnen Qualität in der Beziehung. Die neue Verliebtheit auf den Partner zu übertragen, wirkt gerade in etwas eingeschlafenen oder festgefahrenen Beziehungen Wunder. Sogar Freunde profitieren davon. Mir fällt es jetzt generell leichter auch guten Freunden öfter zu sagen, dass ich sie gerne hab, gerne Zeit mit ihnen verbringe und sie sehr wertschätze. So wird die ganze Welt irgendwie in rosa Zuckerwatte gepackt und das fühlt sich sehr gut an.

Alles Kopfsache und das Schlaraffenland steht allen offen.

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