Gagaland

Dieses Wochenende war für mich wieder voller Entdeckungen und endetet wieder einmal mit der Idee einen Raum zu schaffen für Spiel, Spaß, Zusammenkunft und „sich ausprobieren“. Da ich vor einigen Tagen meinen eigenen Kindergarten von „damals“ besucht habe und völlig fasziniert von all den Spielsachen, Räumen, Möglichkeiten und Farben war, schoss mir in diesem Zusammenhang der Gedanke in den Kopf, dass ein „Kindergarten für Erwachsene“ doch etwas sehr Bereicherndes sein könnte.Nachdem das Wochenende mit vielen Ideen, Experimenten und Lernen im Seminarkontext (Psychophysiologie Seminar mit Jim Peal) angereichert war, brachte ich auch hier mal meine Idee an. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man mir das als ernsthafte Überlegung abkaufte (ich bin mir nicht einmal sicher ob ich das selbst tue), so hatte ich doch das Gefühl dass solch ein Ort eine große Erleichterung für die Seele sein könnte.

GAGALAND

Nach Ausspruch meiner Idee war ein Name schnell gefunden – Gagaland. Es hätte auch DADA BABA LALA HAHA oder Ähnliches sein können, aber mit „GAGA“ verbinde ich eben noch diesen Funken „guter Verrücktheit“/liebevolles Daneben-Sein. (witzig: mir fällt soeben auf dass all diese „Worte“ trotz ihrer Sinnlosigkeit und Nicht-Existenz im Duden für mich klare Bedeutungen haben: DADA ist „Tschüss“, BABA ist ein Elefantenname oder Vater auf Pfälzisch, LALA ist Musik/Radio und HAHA Lachen – blieb also wirklich nur Gaga)

Ok – aber weiter im Text:

Wenn mich eine Idee packt gehe ich meist gleich zu „Tante Google“. So auch mit den Begriffen „Kindergarten für Erwachsene“ und „Gagaland“.

„Gagaland“ war am häufigsten im Zusammenhang mit „Lady Gaga“ (Musikerin/ Sängerin/ Entertainerin) zu finden.

„Kindergarte für Erwachsene“ fand ich, wider Erwarten, relativ häufig und freute mich schon auf die Ergebnisse. Doch schon das Durchstöbern der ersten gefundenen Seiten zeigte, dass es sich hier nicht um Orte der Freude und des Spiels handelte sondern um die Beschreibung von Situationen in denen Erwachsene nicht „normal“ und „zivilisiert“ miteinander umgehen könne/wollen.

Die Beschreibung lies mich vermuten, dass viele Menschen es für total lächerlich halten sich wie im Kindergarten zu verhalten.

Interessant! Viele Menschen schicken Ihre Kinder in den Kindergarten um „Sozialverhalten“ zu lernen, doch was lernen Kinder tatsächlich im Kindergarten? Oder was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn wir Kinder in den Kindergarten schicken um etwas zu lernen, was viele Menschen später als unbrauchbar, nicht dienlich, nicht sozial verträglich/ sozial kompatibel und hinderlich bewerten? Das war zumindest meine Interpretation, wenn für solche Konfliktsituationen das Wort „Kindergarten“ als Beschreibung verwendet wird.

Wir erschaffen uns Gagaland ganz automatisch

Kinder handeln impulsiv und intuitiv. „Den mag ich, die nicht, jetzt bin ich gerade unzufrieden, jetzt wieder nicht, lachen, weinen, fit, müde, wach, schlafen, Freund, Feind, …“ all das liegt für Kinder häufig sehr nah beieinander. Kinder probieren sich aus. Ein größeres Feld dafür erhalten sie in Kontakt mit anderen Kindern.

Irgendwann „geht das nicht mehr“ – die Impulse sind zwar noch da, doch wir haben gelernt sie an die Erwartungen unserer Umwelt anzupassen. Ist das die „Sozialkompatibilität“ die wir unseren Kindern beibringen wollen?

Ab und zu kommt aber das Kind in uns durch und wir driften ganz automatisch ins „Gagaland“. Möglich, dass mich das bei mir und anderen in der „Erwachsenenwelt“ stört doch im Grunde finde ich das völlig verständlich. Wer nicht in gewisser Regelmäßigkeit ins Gagaland abdriftet knallt wohl auf Dauer auf die ein oder andere Weise durch. Burnout, Phobien, Verfolgungswahn, Herzkasper, usw.

Vielleicht ist ein Erwachsenenkindergarten wirklich die Lösung?

Einfach mal rumspinnen und diese auftauchenden Gedanken, Emotionen und Gefühle mal durchspielen oder sogar nur frei äußern dürfen … was wäre dann? Verliert GAGA-Sein dann nicht seinen Reiz und wir könnten im Leben „da draußen“ wieder etwas „normaler“ miteinander umgehen?

Vorsicht!

Damit sind nicht krankhafte Züge gemeint, die ausgelebt werden sollten, die mit körperlichem Quälen von anderen Menschen oder Brutalität und Gewalt einhergehen. Aber vielleicht ist unsere Welt an mancher Stelle schon so durchgeknallt, dass diese Grenze schwer zu ziehen ist, festzustellen wann „gaga“ krank ist und wann „gaga“ einfach nur ein kindlicher Impuls ist, der nur wahrgenommen werden will um sich dann schnell wieder zu verflüchtigen.

Zukunft für den „Erwachsenen Kindergarten“ – Mal wieder Kind sein!

Ich denke noch ein wenig auf meinem Gagaland herum – wer weiß vielleicht wird es ihn ja eines Tages geben den Kindergarten für Erwachsene – ganz offiziell und ohne Unterton. Mit der Intension die ich unter „Kindergarten“ verstehe: gemeinsam spielen, lernen und wachsen – und das finde ich durchaus kompatibel für die Erwachsenenwelt.

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