Geiz ist geil? !

Ich starte mit meiner Behauptung, dass Geiz generell als schlechte Eigenschaft gewertet wird. Stimmst’s?

Der Ausdruck Geiz (aus dem Mittelhochdeutschen gīt[e]: „Gier“, „Habgier“) bezeichnet eine zwanghafte oder übertriebene Sparsamkeit, damit verbunden auch den Unwillen, Güter zu teilen. (wiki) Definiert man Geiz so, dann mag das auch stimmen. Etwas zwanghaft zu betreiben ist, in jeglicher Hinsicht, ungesund und führt auch nicht zum gewünschten Resultat. (zumindest auf lange Sicht)

Wann bezeichnen wir aber häufig einen Menschen als „geizig“?

Wenn er/sie nur zum nächsthöheren Betrag aufrundet und keinen extra Euro Trinkgeld gibt?

Wenn jemand Preise vergleicht, statt einfach in das nächste Geschäft zu rennen und einfach zu kaufen, was es zu kaufen gilt?

Jemanden der bei Lidl und Aldi einkauft?

Wenn jemand keine Party mit „open bar“ schmeißt?

Wenn der Chef zur Geschäftsfeier zwar das Essen stellt, die Getränke aber jeder selbst zahlen muss?

Jeder Mensch hat eine andere Definition von Geiz

Das liegt in der Natur der Dinge, weil jeder eine andere Strategie hat mit Geld umzugehen und andere Bedürfnisse mit Geld, für sich, erfüllen möchte. Die Menschen, die häufig als die großzügigsten beschrieben werden, haben oft für eigene Wünsche nicht genügend Geld und müssen dann am eigenen Leben geizen … soll DAS auf Dauer das Rezept sein?

Worauf richten wir unseren Fokus?

Hier schmeißt man tausende Euro für Autos, Schmuck, Partys und dafür heraus, andere einzuladen um ihnen zu zeigen, dass man es sich leisten kann. Dickes Trinkgeld, Luxusurlaub und nicht selten ist das Konto dabei schon lange im Minus. Aber wem soll das bei dem Lebensstil auffallen?

Worauf möchte ich hinaus? Ja, Geiz nach Definition ist schädlich und sozial unverträglich und was noch wichtiger ist als Geld sind Freundschaften – so viel steht fest!

Doch ab wann ist etwas zwanghaft und übertrieben? In unserer Konsumgesellschaft scheint es mir häufig, dass die Schwelle etwas als Geiz zu betiteln sehr niedrig gesteckt ist. Das führt häufig dazu, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft über ihre finanziellen Möglichkeiten leben, weil nichts schlimmer ist als „Geiz“ und „spießige Sparer“, so scheint es.

Wortinterpretationen kreieren Glaubenssätze

Durch Bewertungen schaffen wir Glaubenssätze, die dem Geldfluss im Wege stehen! Wer sich selbst für geizig hält, gemessen an den Ausgaben der Mitmenschen (oder sich das einreden lässt), gerät in einen Teufelskreis. Auf der einen Seite hat man seinen Kontostand im Auge, der schon lange STOP schreit und auf der anderen Seite steht das Unwort GEIZ.

Für was entscheide ich mich?

In vielen Fällen wählt man das Minus auf dem Konto, denn das klappt schon irgendwie – ein Ruf ist schneller ruiniert als die finanzielle Existenz. (?) Doch was dann?

Wie oft hören wir jemanden ehrlich sagen: „Das kann ich mir nicht leisten?“  „das ist mir das Geld nicht wert“ oder „das ist mir zu teuer“ wenn es auch nur um kleinere Beträge geht? Dabei muss das nicht bedeuten dass die Person kein Geld hat, sonder einfach nur gemessen an eigenen Interessen, einfach für dieses oder jenes Konsumgut nicht bereit ist einen bestimmten Preis zu bezahlen. Spießer! Geizkragen! „Das wirst du dir doch mal gönnen können!“  Aber auch wollen?

Wer ist ehrlich zu sich, wenn es um die Ausgabe von Geld geht? Das ist heute gar nicht so einfach und stürzt den ein oder anderen in einen Zwiespalt, der sich früher oder später zu einem Problem entwickeln kann. Der Partner gibt das gemeinschaftliche Geld für etwas aus, das man selbst für unnötig hält, Freundschaften zerbrechen an „kannst du mir mal was leihen, sei doch nicht so geizig!“ usw. usw.

Nicht der Besitz oder nicht Besitz von Geld ist unser Problem, sondern unser Umgang mit dem was wir haben. In einer Welt in der es so viel zu konsumieren gibt und jeder immer partizipieren möchte habe wir (scheinbar) alle eines: NIE GENUG GELD!

Menschen die viel Geld haben sollen es gefälligst spenden oder teilen, sonst sind sie charakterlos. Außerdem sollten sie sowieso nicht so viel Geld besitzen, weil sie damit auch Macht haben, die sie sicher missbrauchen! Schämt euch Ihr Menschen von Google, die ihr immer weiter in euer Unternehmen investiert und es noch mächtiger macht! (und all ihr ebays, facebooks, amazones, microsoft, apples usw. natürlich auch!!!)

Schon haben wir Ihn den Glaubenssatz: „Geld verdirbt den Charakter!“ (und das ist nur einer von Vielen! – schau mal hier)

Wozu und vor allem WIE sollen wir da noch unserem Unterbewusstsein die Anweisung geben, dass es ok ist Geld zu haben und es dafür zu nutzen ein finanziell entspanntes Leben zu führen?

Dabei ist doch darin, meiner Meinung nach, der Wunsch enthalten, den jeder als erstes nennt, wenn man ihn/sie fragt:

„Was würdest du tun, wenn du so viel Geld hättest, dass du dich nicht mehr darum zu kümmern bräuchtest?“

Ich würde endlich tun, was mir Spaß macht !!!

Durch die Angst geizig zu wirken, warten wir vergebens auf den Lottogewinn und verbauen uns die Chance darauf, eine Summe anzuhäufen, die uns genau DAS ermöglichen könnte!!!

Was wäre so toll daran, wenn jeder genug Geld hätte und tun könnte was ihm/ihr Spaß macht?

Wir hätten Spaß miteinander!

Der Verkäufer würde uns tatsächlich beraten statt und einen Vertrag auf’s Auge zu drücken, denn er MUSS uns nichts verkaufen, er will uns etwas Gutes tun! Ärzte wären nicht im ersten Ausbildungsjahr schon desillusioniert, was ihren einstigen Traumberuf angeht, sondern hätten endlich wieder Zeit für Patienten, die wieder Menschen sein könnten und keine Pflegestufe oder Kennzahl im Rechnungswesen. Es gäbe mehr Lehrer die tatsächlich die Zeit zwischen den Ferien genießen und nicht, wie ihre Schüler, die Ferien und Pausen. Einzelhandelsketten müsste nicht mit Spionageschlagzeilen auf den Titelseiten von Tageszeitungen erscheinen, weil man darauf vertrauen könnte, dass die Mitarbeiter zuverlässig arbeiten und nicht hier und da einen Euro mitgehen lassen.

Ja, es ist utopisch so zu denken – ich gebe es zu. Es war ja auch nur als „was wäre wenn“ Gedanke gesponnen.

Was sagst Du?