Genug ungenügend

Ein weit verbreitetes Phänomen ist der Gedanken des „nicht genug“.

Ich kenne keinen Menschen, der nicht irgendwann, in irgendeiner Form zum Ausdruck gebracht hat, das etwas, jemand oder man selbst nicht „genug“ ist.

Häufig sind Menschen schon kritisch genug mit ihrer Umwelt, was die Ungenügsamkeit angeht.

Der Job ist nicht gut genug bezahlt, der Chef nicht nett genug, die Kollegen nicht hilfsbereit genug, der Partner nicht liebevoll und aufmerksam genug, die Nachbarn nicht leise genug usw. doch je kritischer Menschen schon mit anderen sind, desto härter gehen viele noch mit sich selbst ins Gericht. Nicht gut genug, nicht schlau genug, nicht gesund genug, nicht fit genug, schlank genug, liebenswürdig genug … die Mängellisten, die viele über sich erstellen scheinen endlos zu sein.

Mit was vergleichen wir eigentlich die ganze Zeit?

Um zu bemerken, dass man nicht „GENUG“ hat, ist, weiß oder kann, muss man einen Vergleich ziehen, denn sonst gäbe es ja nur den Status Quo und der wäre dann schwer zu bewerten. Bewertungen funktionieren nur mit Vergleichen.

Man vergleicht also: sich mit anderen, die Partner mit den Partnern der Freunde, die eigene Beziehung mit der des befreundeten Paares oder gar mit einem Vorabendserienpaar. Autos vor der Tür werden verglichen, Möbel, Kleider, Häuser, Wohnungen, Jobs, Karrieren …. eigentlich alles!

Aber Wozu?

Vergleichen an sich sind noch nicht unser Problem.
Etwas zu bewerten ist sinnvoll und zum Zwecke des Selbstschutzes, des Lernens, Einordnens und zur Motivation durchaus dienlich. Doch das Gefühl nicht zu genügen, nicht genug zu haben usw. kennt manchmal keine Grenzen. Häufig auch noch in Situation, in denen es wichtig wäre, es einfach mal bei etwas zu belassen, um einen weiteren Schritt machen zu können oder eine förderliche Veränderung zu erfahren.

Das heißt GENUG und nicht MEHR ALS …

Häufig verwechseln wir „genug“, „ausreichend“ und ok mit „über das Maß“.
Doch was ist eigentlich das Ziel?

Was bedeutet dieses „genug“?

Der Duden definiert es als „in zufriedenstellendem Maß; ausreichend; genügend“.

Na? Und wo steht da jetzt was von perfekt? Richtig, es heißt zufriedenstellend, doch was stellt uns zufrieden? Wie viel ist ausreichend und genügend? Genug ist immer eine subjektive Einschätzung von etwas und genau da liegt der Hund begraben. Denn wir bewerten Dinge, Situationen und Ergebnisse immer aus der „momentanen“ Perspektive. Einer Perspektive also, in der wir häufig schon den nächsten Schritt, das nächste Ziel, die nächsten Projekte unseres Lebens kennen und diese als „erstrebenswert“ und „zufriedenstellend“ definieren. Das macht das bisher Erreichte „ungenügend“.

Genüge dir – Tipps und Tricks wie das in Zukunft besser läuft:

Trick 1: Anerkenne

Eine leichte und doch häufig vernachlässigte Methode also zufrieden zu sein, sich zu genügen, stolz auf sich zu sein oder etwas Erreichtes zu genießen ist es sich vor Augen zu führen, dass dies nicht selbstverständlich ist. Als Allein-Mensch wollte man nur einen Partner, jetzt ist der Partner nicht gut genug? Man wollte die Prüfung nur bestehen und plötzlich wäre man gern der oder die beste?

Trick 2: Die 80/20 Regel – das Pareto Prinzip

Das Prinzip des Ökonomen und Soziologen besagt, dass man mit 20% des Aufwands schon 80% des Ergebnisses erreichen kann. Für die restlichen 20% des Ergebnisses muss man allerdings 80% seiner Energie aufwenden. Die Frage ist, lohnt es sich tatsächlich immer, noch diese letzten 20% zum 100% Ergebnis, mit diesem enormen Aufwand zu erarbeiten.
Diese Regel ist wohl eine der bekanntesten Methoden es einfach mal bei etwas zu belassen und sich zufrieden zu geben, auch wenn es nicht „perfekt“ ist. Das spart Zeit und Nerven, denn selbst ein „perfektes“ Ergebnis nicht immer perfekt bleibt. Also ist durchaus überdenkenswert ob man immer „perfekt“ anstreben sollte. Bei Projekten bei denen es um die Gestaltung von etwas geht, habe ich beispielsweise schon oft erlebt, dass es viel wichtiger ist etwas zu beginnen und „unvollkommen“ mit anderen zu besprechen, statt erst 100% alleine zu erreichen, bevor eine andere Person einen Blick darauf wirft und völlig neue Impulse einfließen.

Trick 3 : Eigene Maßstäbe setzen

Manchmal setzen wir uns Ziele und arbeiten auf etwas hin und freuen uns wenn wir es erreicht haben… aber nur solange dann niemand kommt und Fragen stellt wie: Warum ist da ein Fehler? Ging das nicht besser? Es gab bessere Ergebnisse etc. Plötzlich ist nicht mehr wichtig, dass das eigene Ziel erreicht wurde, sonder dass die Ansprüche die andere an dieses Ziel stellen nicht erreicht ist. Erinnere Dich daran was DEIN Ziel ist/war. Viele Menschen lassen sich beirren durch die Meinung anderer, die nicht einmal wissen, was es bedeutet das Ziel überhaupt zu erreichen. Ab und zu einfach weghören!

Trick 4: Die „was wäre besser“ Frage?

Wenn man schon anfängt sich im (meist inneren) Dialog zu verdeutlichen, dass etwas für die eigenen Ansprüche ungenügend ist, sollte man sich aber verdeutlichen wie es besser sein könnte. Dazu gibt es zwei Fälle:
Fall 1: Fällt einem dazu nichts konkretes ein, zählt das Gemaule nicht! Aufhören und genießen was ist lautet dann der Auftrag.
Fall 2: Fällt einem Konkretes ein, dann sollte man es aufschreiben, neue Ziele setzen, anerkennen wo man gerade ist und dann daran arbeiten das gewünschte Ergebnis/ die gewünschte Situation zu erreichen. Aufschreiben deshalb um hinterher zu sehen, dass man tatsächlich etwas erreicht hat was man irgendwann als „perfekt“ oder zumindest „genug“ definiert hat. Sonst vergisst man das beim Erreichen des Zustands gleich wieder und man kommt nie in den Zustand der „Zufriedenheit“

Trick 5: Was am Ende wirklich zählt!

Manchmal macht man sich verrückt und vergisst darüber was wirklich zählt. Genieße das Leben, Du hast erstmal nur das eine!

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