Hilfe ich habe einen Job der mir Spaß macht …

Stell dir vor ein Kollege/ eine Kollegin kommt morgens ins Büro, hat immer gute Laune, liebt seinen/ihren Job, kommt gut voran, ist beim Chef beliebt. Er/Sie setzt Ideen durch und bringt neue Ideen ein, über die du auch schon lange nachgedacht hast, aber von denen du nicht wusstest wie du sie umsetzten oder einführen kannst. Diese Person scheint nichts zu stressen und zu stören und zu allem Überfluss ist er oder sie auch noch objektiv betrachtet nett.

Wie fühlt sich das an?

Einige Menschen sagen jetzt „TOLL, so eine Kollegin/einen Kollegen hätte ich gerne“ … wirklich? Einige andere wünschen sich solche Personen nur um sich, solange sie nicht da sind. Andere kennen solche Kollegen und fühlen sich entweder bedroht, genervt oder entwickeln eine stets wachsende Abneigung gegen diese Person.

„Dieses „Getue“ ist doch gerade ein Grund sie/ihn NICHT zu mögen.“ „Oh Gott was ein Schleimer, das kann er nicht ernst meinen“  „die hat doch sicher was mit dem Chef oder bekommt mehr Geld als ich, sonst würde sie nicht dieses Dauergrinsen aufsetzen“ „Warte bis er/sie mal so lange dabei ist wie ich – dem/der wird das Lachen schon noch vergehen“ „der/die ist krank, tickt nicht richtig, spinnt, hat keine Freunde, kein Leben, definiert sich über seine/ihre Arbeit – wie gut dass ich ein Leben außerhalb der Arbeit habe und nicht in meiner Arbeit aufgehen muss“ „ich mag meine Arbeit auch, aber ich würde das nie zugeben- wie sieht das denn aus? Am Ende glaubt noch jemand ich würde mich nicht genug anstrengen und meine Arbeit wäre so leicht dass sie jeder machen kann“ etc. etc.  ….

Schon mal einen solchen Gedanken in der eigenen Gehirnwindung erwischt?

Jetzt stelle dir vor DU bist diese Person (vielleicht bist du das ja auch!!!) Du stehst morgens auf, freust dich auf deinen Arbeitstag, die Herausforderungen, die Leute, die Kunden (falls du Kundenkontakt hast) und darauf wieder ein volles Potential aus dem Tag herauszuholen. Dein Tages-Bestes zu geben?! Wieder eine neue Idee, wie du dem Muffel-Chef ein Lächeln ins Gesicht zaubern kannst und für alle den Tag versüßt.

Na wie fühlt sich DAS an?

Viele von uns haben dieses Gefühl wenn sie eine Stelle neu beginnen. Alles ist auf „null“ gestellt. Wir kennen unsere Stellung im Team nicht, die Kunden sind unbeschriebene Blätter, der Chef erst einmal nett, schließlich hat er einen ja eingestellt, die Kollegen distanziert, aber höflich – alles ganz normal und wie eine reine, weiße Leinwand eines Malers oder das leere Notizbuch eines Schreibers.

Hier gibt es auch mehrere Varianten, das kommt auf den Job und die Anstellung an. Manche Unternehmen stellen sog. „high potentials“ ein und die will man natürlich nicht gleich vergraulen, also ist man die ersten Tage ganz besonders bemüht ihnen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Die Kollegen wurden vorher darauf getrimmt Komplimente zu machen, man bekommt einen besonders schönen Platz im Großraumbüro oder ein besonders gut gelegenes Einzelbüro, Blumen stehen zur Begrüßung bereit, wahlweise eine Flasche Wein, der Kaffee kommt noch aus dem exklusiven Kundenkaffeeautomaten und hat ein herrliches Aroma, der Chef nimmt sich Zeit, alle sind hilfsbereit und daran interessiert die Einarbeitung so angenehm wie möglich zu gestalten. Oder: das Team geht, zum Einstand, Abends gemeinsam Essen, auf Firmenkosten Cocktails schlürfen … es gibt tausende Möglichkeiten es einem Neuling gemütlich zu machen.

Auch wenn das alles nicht der Falls ist, man einfach kurz begrüßt wird, die Aufgabe erklärt wird und man loslegt mit seiner neuen Tätigkeit ist es dennoch ein super Gefühl … „ich habe einen Job, ich kann produktiv sein“ „endlich, super, das wird toll,….“ usw.

Dann beginnen wir auf die weiße Leinwand zu malen oder in das leere Heft zu schreiben.

Hier ein Hinweis von Kollegen/Kolleginnen „der Chef strengt sich heute aber mächtig an nett zu sein“  Schwupps ist auf meiner Leinwand ein Chef und ein Fragezeichen ob er sich heute nur verstellt. „haben Sie den Kaffee schon probiert? Ist der nicht furchtbar?“ – ääääm … eigentlich fand ich ihn ganz gut, aber stimmt, auf die Leinwand kommt: „Kaffee könnte für meinen Geschmack etwas stärker sein.“„So ruhig geht es hier sonst nie zu, wir sind normalerweise immer völlig im Stress, sie werden das noch sehen“ – Leinwand: „ok ab morgen ist Stress angesagt.“Am Ende des ersten Abends habe ich ein Bild das dann ziemlich dunkel wirkt oder Notizen über die zukünftigen Tage, die mich an meinem neuen Arbeitsplatz erwarten. Wie sieht da wohl Tag 2 aus? Geschweige denn der nächste Monat?

Love it, Change it or leave it!

Ist ein häufig gebrauchter Spruch und passt gut auf die Arbeitswelt … ich bin der Meinung, dass fast Jeder ALLE Stufen durchläuft. Beginnen wir einen Job lieben wir diesen erst einmal. Früher oder später finden wir Dinge die wir verändern könnten, wollten oder sollten und entweder wir tun dies dann und stärken unsere Liebe zu der von uns bekleideten Position oder wir verlassen früher oder später das Unternehmen/die Position.

Es ist wie mit einer Beziehung – ohne Liebe wird es schwer!

Wer nichts an seinem Beruf /Job mag, sollte sich und allen anderen einen Gefallen tun: GEHEN! Das ist bei einem Beruf noch etwas leichter als bei einer Beziehung, denn meist sind alle glücklicher, wenn ein Unglücklicher das Team verlässt. Bei einer Partnerschaft können die Gefühle des Partners konträr zu den eigenen empfunden werden – aber das ist ein Thema für sich.

Plötzlich sind nur Menschen im Team die Ihren Job lieben oder zumindest mögen und auf der Leinwand steht dann vielleicht doch: „Guter Kaffee, nette Kollegen, gute Laune, auch in stressigen Zeiten geht der Spaß nicht verloren, Chef auch mal mies gelaunt, aber normalerweise nett“… usw.

Das wäre der Idealfall.

Die Beobachtungen liegen irgendwo dazwischen.

Komischer Weise finden Menschen häufig viel schneller zueinander indem sie einen „gemeinsamen Feind“ haben. Den Chef, einen Kollegen, Stress, Langeweile, Überforderung, wenig Urlaub, viel Arbeit, harte Arbeit – etwas das quält. Selten habe ich Gespräche miterlebt, die sich darum drehten, wie schön alles am Arbeitsplatz ist, was gut läuft, gutes Kantinenessen, genug Urlaub oder Ähnliches. Liegt das tatsächlich an den fast schon unzumutbaren Arbeitsbedingungen?

Viele Menschen scheinen sich damit aufzuwerten etwas zu ertragen das schwer zu ertragen ist.

„Der hält das aus“ wird als Kompliment verstanden! „Die langweilt sich, weil sie unterfordert ist“ „Der ist belastbar und macht kaum Urlaub“ „Die setzt sich auch gegen ihren Chef durch, der ein Tyrann ist“ „der kommt mit den schwierigen Kunden klar“  ….

negative StaffeleiDAS ist ein Mitarbeiter den man sich wünscht oder?

Wie sieht das denn aus wenn man sagt:

Der mag seinen Chef, der kommt gerne zur Arbeit, der versteht sich gut mit seinen Kunden, hat immer genau richtig zu tun, langweilt sich nicht, hat genug Urlaub, …. Wo bleibt da die Herausforderung? Der Biss, der Erfolg? Ist das nicht „einfach“ Mittelmaß? Und wer will das schon? Zumindest nach außen?

Entweder wir quälen uns extrem oder etwas geht uns extrem gut und locker von der Hand – das macht uns oft außergewöhnlich und zu „Helden des Alltags“.

Ich glaube beides ist auf Dauer unrealistisch und ungesund. Ja, auch das extrem Gute und Lockere. Wer nämlich alles kann und wem alles gelingt was er tut, der ist eher gefangen in seiner Komfortzone, als dass er/sie tatsächlich ALLES kann. Er oder sie bleibt also einfach bei einer Sache ohne sich großartig weiterzuentwickeln. Der „Dauerleider“  wird auch nur in einem einer Sache besser: Im Leiden! Und darin, andere mitleiden zu lassen.

Vor einigen Tagen:

Ich war mit einem guten Freund unterwegs als wir auf einige Bekannte trafen. Wir begrüßten uns mit der üblichen Floskel „Und? Wie geht’s?“

Antwort A: „Stress auf der Arbeit… genervt…  du weißt ja …das Übliche eben“

B und C stimmen ein: „Ach so, ja, kenn ich, ja ist echt hart“ und ich stand da, hatte einen wunderschönen Tag verlebt, den ich mit netten Menschen verbrachte hatte und dabei war mit einem leckeren Abendessen zu krönen und wusste nicht was ich sagen sollte.

„Nö, keine Ahnung wovon ihr redet“ blubberte es aus mir heraus. „Mein Tag war toll“ Zu meinem Erstaunen schauten sich meine Gesprächspartner um und begannen zu lachen. Es stelle sich heraus, dass wir alle einen schönen Tag verlebt hatte und bester Laune waren uns zufällig zu treffen, Sprüche zu machen, gemeinsam zu Essen und den Abend so wunderschön ausklingen zu lassen.

Es hätte anders kommen können!

Sicherlich hätte auch ich etwas finden könne, was an diesem Tag nicht optimal gelaufen ist, aber ich entschied mich dafür, die anderen arbeiten zu lassen und sich die Mühe zu machen, nach etwas SCHÖNEM in Ihrem Tag zu suchen.

Ich war stolz, dass mir das gelungen ist, denn mir fällt es häufig durchaus leichter etwas Negatives zu finden und in diesen Kanon einzustimmen. Ich umgebe mich daher gerne mit Menschen, die meine Negativspirale unterbrechen… hier durfte ich diese Rolle übernehmen und das fühlte sich toll an!

Es geht nicht darum immer gut gelaunt zu sein und immer nur das Positive im Leben zu sehen. Es geht nur darum zu erkennen dass DU dich entscheidest. Eine Erkenntnis, die eigentlich völlig unspektakulär ist, hat mich ereilt: „Ich muss nichts!“

Tatsächlich habe ich die Freiheit in meinem Leben mich zu entscheiden.

Einige werden jetzt sagen: Doch, ich muss arbeiten, ich muss Geld verdienen, ich muss höflich sein, ich muss aufräumen. Ich stimme dem zu, dass ich Nahrung in irgendeiner Form zu mir nehmen MUSS, um zu überleben, ebenso wie Flüssigkeit. Aber auch hier wähle ich. Die meisten Menschen in meinem Umfeld haben diesen Luxus der Wahl. Aber MUSS ich wirklich arbeiten? Muss ich Geld verdienen? Theoretisch ginge es doch auch ohne, nur mein Lebensstil müsste sich dann wandeln, aber auch das wäre (m)eine Wahl.

Positive Staffelei

Als mir für mich klar wurde, dass ich die meisten „Ich muss“ Aussagen, die aus meinem Mund kommen hinterfragen kann mit „Stimmt das?“, habe ich eine unglaubliche Freiheit gewonnen mich stets neu entscheiden zu dürfen – das gibt mir das Gefühl der Selbstverantwortung. Ich würde mich selbst sabotieren, wenn ich mich für etwas entscheide und mich dann dafür verurteilen würde. Das würde nämlich dem Satz gleichkommen „Ich habe mich so entschieden, aber ich hasse es“. Würde ich diesen Satz immer laut aussprechen, wenn ich mich in einer solchen Situation befinde würde spätestens nach dem dritten Mal einige Fragen: „Warum tust du es dann?“, oder? (dazu empfehle ich Katie Byron’s „THE WORK“ – hinterfrage ob deine Aussage wirklich „wahr“ ist und entdecke deine Möglichkeiten)

Montags beginnt die Arbeitswoche wieder…

….und viele von uns beginnen sie mit Aussagen wie: „Ich hasse Montage“, „Warum ist das Wochenende immer so kurz“, „Schon wieder Montag“ „wann ist endlich wieder Wochenende“ usw.

Seit doch heute mal DU der „Ich liebe Montage“ Mensch und schaue was passiert ….

Du hast die Wahl …

Was sagst Du?