Nix erleben ist Erleben

Ich hab dir ja schon erzählt, dass ich dieses Jahr mit 3 kleinen Experimenten begonnen bzw. Vorsätzen. Täglich lesen, meditieren, yogieren und etwas schreiben.

All das funktioniert mal schlecht mal recht – in den letzten Wochen eher … nennen wir es mal „schleppend“. Nicht, weil ich es nicht tue, sondern weil ich es zeitweise nicht genieße oder mich dazu zwinge oder mich davon gestresst und unter Druck gesetzt fühle.
Lächerlich! Schließlich habe ich das doch gewählt und jetzt bemerke ich, ich bin die Gefangene meiner eigenen Auflagen.

Ich will ehrlich sein, das passiert mir nicht zum ersten mal! 

„Was man sagt, das hält man auch“.
„Was man sich vornimmt, das macht man gefälligst auch“ – scheinen Glaubenssätze zu sein, die ich schwer abschütteln kann.
Will ich (teilweise) auch gar nicht, denn ich möchte verlässlich sein, für mich und andere.
Ich möchte Wort halten. Stabilität für mich und andere schaffen, ebenso wie Vertrauen. Das ist doch eigentlich was Gutes?! Doch wie bei allem, geht es eben um Ziel und Maß und wenn ein Vorhaben, welches dazu gedacht war das Leben zu verschönern, zu entspannen und reicher zu machen, genau das Gegenteil erzielt, wird es Zeit zum Umdenken!

Achtung Floskelalarm: „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!“

Mag platt klingen, funktioniert aber tatsächlich. Statt mich über mich zu ärgern, bemerke ich, dass ich mich verrannt habe (oder noch verrenne) und dann mach ich erst einmal NIX!
NIX ist in dem Fall: Bemerken. Wundern. Staunen. Lachen (wie lustig wir doch manchmal sind in unseren Automatismen, dem selbstzerstörerischen Verhalten und unseren sauber geplanten Plänen und Zielen … haaaaaaaaahahaha! ). Vielleicht auch mal Heulen (mimimi … na und?).

und dann: „Let the Magic happen“/ „Lass den Zauber geschehen“

Nach einiger Zeit „nix-Tun“ passiert immer etwas. Ich habe entweder einfach wieder Lust, meinem Plan zu folgen oder ich verändere die Regeln. Es kommt eine Lösung daher oder eine Idee fliegt ein.

All das kann nur passieren, wenn Platz dafür da ist und dazu muss man eben loslassen. Das wiederum geht am Besten durch Zulassen, Bemerken, Feststellen und Bewundern.

Heute war das ein Buch von Roger Willemsen – „Wer wir waren“. Ich hatte meinen Plan schon fast aufgegeben diese Woche ein Buch zu beenden, denn ich wollte lieber Zeit mit meiner Familie verbringen über die Feiertage.

Dennoch war diese nagende Stimme in meine Kopf die mich drängte und schubste: „Los geh lesen, du musst das Buch der Woche noch zu Ende bekommen! Meditiert hast du heute auch noch nicht und das mit dem Yoga lassen wir wohl jetzt ganz oder?“ 

Also hatte ich beschlossen mein Wort mir gegenüber zu brechen. Eben all das nicht zu machen und dann fiel mir Roger in die Hände. Und diese Aussage auf dem Buchcover:

Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten. (Roger Willemsen)

Erwischt!

Eiskalt! Ich quille über vor Information und damit bin ich nicht alleine. Deshalb plane ich zu meditieren und terminiere achtsame Augenblicke, quetsche diese dann aber freudlos irgendwo in meine ToDo Liste. Ja, was sind wir optimiert. „Zweipunkt-Nuller“ unserer Selbst. Juhu!

Information ist Macht, Macht ist Erfolg und wer viel tut und beschäftigt ist, der wird angesehen. Und so vergesse ich in all dem manchmal, wozu ICH eigentlich tue was ich mache.

Ich lese jede Woche ein Buch und schaffe es nicht das zu tun, was ich eigentlich mit all diesem Lesen vor hatte – nämlich Reflektion und Entspannung! Ich wollte Ideen daraus aufschreiben, mich inspirieren lassen und  wieder mehr Zeit zum Träumen und Gedankenschweifen zulassen.

Ich hatte mich mich an das Gefühl erinnert, wie ich durch das Lesen für mich oft die Zeit anhalten konnte und DAS wollte ich gewinnen. Ich begann also des Gefühls wegen, im Alltag ein bisschen Urlaub zu haben. Jetzt 4 Monate später ist es Alltags- / Freizeitstress geworden und beinahe hätte ich es gar nicht bemerkt!

Statt all das zu genießen sitzt mir die nächste Woche und das nächste „gelesen“ Häkchen im Nacken. Und nachdem auf der ToDo Liste nicht „genießen und Tagträumen“ steht, sondern „ein Buch lesen“ halte ich mich an das vorgegebene Ziel und den „Rest“ mache ich dann eben – wie so Vieles – später!!! 

Alles alte Kamellen

Ja – auch das ist ein alter Hut, viel zitiert und oft in unterschiedliche Sprüche verpackt: JETZT ist die Zeit. Nutze den Moment und das ganze „Blabla“
Ich weiß das, du weißt das und dennoch ist jetzt eben oft ein Termin, den wir auf später legen, wenn es gerade passt. Am Ende sterben wir reich. An Geld an Informationen, an Wissen und mit einer wunderbar perfektionierten Hülle, denn wir haben gelernt uns zu optimieren und unsere Zeit maximal zu nutzen … für was nochmal?

In dieser Zone des Innehaltens oder Verweilens entsteht aber nicht das Staunen allein, auch das Urteil bildet sich hier, als eine Reflexion des Augenscheins, ein Begrifflich-Werden des Impulsiven. Denn ein Lust-Reiz ist noch kein Urteil, ein Unlust-Impuls keine Kritik. (Roger Willemsen)

Ich glaube so oft ich bin reflektiert und mein Urteil sei valide, dabei haue ich oft nur in die gleiche Kerbe, weil die Zeit für wirkliche Reflexion nicht da ist oder geschaffen wurde. Um mich heute selbst etwas „auszutricksen“ und meinem Wunsch nach „Selbstoptimierung“ mit Nichts-tun nachzukommen hier mein Braintweek/Hirnaustrickser: Ich mache mehr aus meiner Zeit, wenn ich NICHTS tue. Denn statt eine Schleife mehrmals kurz zu fahren, trainiere ich mich so auch mal im Loopingfahren, mit dem Risiko, so aus gewohnten Bahnen herauskatapultiert zu werden. Hiermit also die Lizenz (und Erlaubnis von mir an mich) für’s Nix-Tun!

In diesem Sinne – erlebe dir die Welt und erlebe das Nichts 🙂

Schöne Grüße aus der Grübelzone – die ich wirklich liebe und genieße und in der es viel bunter ist, als dieser Text jetzt scheinen mag.

Deine Katha

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