Wie du DIR so ich dir – Seelenhygiene ist wichtig!

Ist das dein (verdammter) Ernst? Diese Frage stelle ich mir bei einigen Menschen gelegentlich und meine damit ihr Verhalten mir gegenüber. Innerlich falle ich fast vom Glauben ab, dass jemand so etwas tun, denken, sagen oder sich so verhalten kann und dann? …. dann gehe ich manchmal einfach zur Tagesordnung über und wunder mich nicht weiter. (außer irgendwann über mich!)

Natürlich passiert so etwas nicht täglich (oder gar häufig), aber es gibt Menschen in meinem Leben, die trotz völligem Fehlverhalten keinerlei Konsequenzen meinerseits fürchten müssen – das überdenke ich gerade.

Vor einigen Tagen ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen – anderen behandeln mich so, wie ich es zulasse. Wenn ich also das Gefühl habe, dass jemand meine Grenzen überschreitet, mich nicht ausreichend wertschätzt, nicht in mein Wertesystem passt oder mich sogar mies behandelt, dann frage ich mich ab heute: „Wann und Wie lasse ich das zu?“

Kein Fall von Prinzessinalarm

Ich bin nicht aus Zucker, ich vertrage klare Worte. Auch sonst würde ich mich eher als verträglich beschreiben. Man muss also keine Kunststücke vollbringen, damit ich mich „gut“ behandelt fühle. Es geht auch nicht um einen verbalen Ausrutscher, der jedem mal wie ein ungewollter Furz entweichen kann. Egal wie wichtig ich jemandem bin oder wie wichtig ich mich nehme, es gibt Sondersituationen und die sind auch als eben solche zu bewerten. Problematisch wir es, wenn sich diese häufen und eine vorher bestehende Grenze langsam verwischt, sich ein neuer Standard im Umgang miteinander einschleicht, der sich schlecht anfühlt.

Welchen Standard habe ich für mich?

Mit Standard meine ich ein für mich geltendes „inneres Gesetz“, Verhalten, welches ich als gut, angebracht und ok definiere und bis wohin ich etwas akzeptiere und/oder verzeihe. Dabei gibt es zwei Blickwinkel für diese Spielregeln:

  1. Wie will ich andere behandeln? und
  2. Wie will ich von anderen behandelt werden?

Jeder Mensch hat einen eigenen inneren Kompass dafür. Werden diese imaginären Grenzen überschritten – von uns oder anderen-  verändert sich etwas im Miteinander. Manchmal langsam und sehr subtil, sodass es schwierig wird diese Veränderung zu Erkennen und richtig zu bewerten.

Jeder will gut behandelt werden

Grundsätzlich glaube ich, dass jeder gut behandelt werden möchte (jeglichen Fetisch hier mal bei Seite gelassen!) und dennoch ist es dir vielleicht auch schon passiert, dass du in einer destruktiven Freundschaft oder Beziehung hängen geblieben bist, ohne wirklich etwas dagegen zu unternehmen.
Statt sich seiner Grenzen und Standards bewusst zu sein und diese dann auch konsequent umzusetzen, reden wir uns solche Situationen oder das Verhalten der beteiligten Person lieber schön, gerade wenn wir diese gerne mögen.

Wie du DIR – so ich dir!

Was erlaubst du dir und was erlaubst du anderen bei dir und mit dir? Diese Frage habe ich anderen viel häufiger gestellt als mir selbst. Es war also an der Zeit das für mich zu prüfen. Andere behandeln mich, wie ich es tue bzw. wie ich es zulasse. Zu wissen wie man gerne behandelt und behandelt werden möchte ist eins, doch dazu ist auch noch konsequentes Handeln und Umsetzen nötig. Dran hapert es dann schon mal.

Was also tun, wenn jemand – immer wieder – über eine gedachte Grenzen hinweg geht?
Bleiben? Freundschaft aufrecht erhalten? Liebevoller sein und hoffen dass das wirkt? Oder doch eher mit Aggressivität versuchen? Ansprechen oder Schweigen? Sich öffnen oder verschließen?

Die Antwort ist wie immer: Es kommt darauf an, aber das wichtigste ist zu erkennen, dass die Frage ist „WAS TUE ICH?“ und nicht was das Gegenüber tut.  Es ist nämlich nicht zu erwarten, dass das Gegenüber etwas ändert, wenn ich es nicht tue, warum auch?!

Warum tue ich oft nichts?

Mir ist aufgefallen, dass es Menschen gibt, bei denen ich einfach nichts tue. Ich ärgere mich kurz, schlucke meine Ärger dann aber hinunter und weiter geht’s. Ich habe mich die letzten Tage gefragt, warum ich das mache. Im Berufsalltag habe ich mir das abgewöhnt, es gibt klare Regeln, diese werden geklärt und wenn da etwas verrutscht, ist es Zeit getrennte Wege zu gehen, aber im Alltag fällt mir das wesentlich schwerer.

Wie erkenne ich, dass mein „Standard“ nicht gewahrt wird? Sei dein eigener bester Freund!

„Ich glaube mein Schwein pfeift, das geht gar nicht“ oder „Willst du mich verarschen? Ist das dein Ernst?“ oder „Das macht man nicht“! Solche inneren Ausrufe sind ziemlich gute Indikatoren dafür, dass hier etwas nicht ganz rund läuft und dass es Beachtung und Klärung braucht.

Zusätzlich hilft ein Perspektivwechsel. Was würde meine beste Freundin/mein bester Freund sagen? Was würde diese Person für mich akzeptieren. Unsere Freunde sind oft gnädiger mit uns aber strenger mit anderen als wir selbst, wenn es um uns geht. Es kann also hilfreich sein uns aus den Augen guter Freunde zu betrachten um mehr Wertschätzung für uns selbst aufzubringen.

Seelenhygiene ist wichtig

Manchmal wollen wir eine Freundschaft oder eine Verbindung zu einem Menschen so sehr halten, dass wir unpassendes oder gar schlechtes Verhalten hinnehmen. Doch warum eigentlich?

Die Angst davor alleine zu sein ist oft einfach größer als der Schmerz der Verbindung. Wir sind nun mal soziale Wesen und suchen Zugehörigkeit, Freunde und eine Familie. Diesem Gefühl gehen wir meist nach, statt zu hinterfragen zu welchem „Preis“ und zu welchen „Bedingungen“.

Ich habe für mich festgestellt dass Beziehungen und Freundschaften selten wirklich hinterfragt werden. Beziehungen noch eher, da sie schließlich auch unausweichlicher sind. Doch gerade bei Freundschaften ist Seelenhygiene ebenso wichtig oder sogar wichtiger.

Die Menschen, mit denen wir uns umgeben, prägen uns, formen uns und nehmen Einfluss auf unser Leben. Im Guten wie im Schlechten. Deswegen sollte man sie weise prüfen und wählen. Ich glaube tatsächlich, dass man sich nur dann wirklich verändern kann, wenn man bereit ist sein Umfeld zu ändern. Das kann ein Zurücklassen des Umfelds bedeuten oder Gemeinsames Wachstum.

Wohin will ich? Wie will ich sein? Wer ist dafür Vorbild? Diese Fragen bilden besser Auswahlkriterien für die Menschen, mit denen ich mich umgeben sollte und mit denen ich meine Zeit verbringen will, als das Argument „das war schon immer so“. Doch das bedeutet Arbeit. Mich hinterfragen, andere hinterfragen, Gewohnheiten ggf. ändern und manchmal echte Arbeit und Schmerz.

Zeit für Veränderung

Wenn man merkt, dass man feststeckt, sollte man diesen Prozess aber unbedingt für sich anstoßen und etwas ändern. Leben und Beziehung ist Veränderung und manchmal bedeutet das eben auch Trennung. Das ist nicht schlimm, sondern normal, aber eben unangenehm. Es fällt schwer und zwar häufig deswegen weil wir schon so viel investiert haben: Zeit, Geduld, Gefühle ….

Sunk Costs – wirtschaftlicher Denken lernen

Das mag sich doof anhören, aber Lebenszeit ist eine Ressource. Vermutlich die wichtigste, die wir haben und wir verschleudern sie manchmal einfach an die falschen Begleiter. Hier etwas wirtschaftlicher zu denken kann durchaus hilfreich sein.

Ich gehöre definitiv zu den Menschen, denen es schwer fällt „sunk costs“ als solche zu betrachten. Sunk Costs sind sogenannte „versunkene Kosten“, Investitionen die man getätigt hat, die jedoch unwiederbringlich WEG sind, egal welchen nächsten Schritt ich mache.

Der Denkfehler, den ich und viele Menschen damit machen ist, sich innerlich zu sagen: „Das kann nicht umsonst gewesen sein“. Wir berechnen also diese „schon geleisteten Kosten“ in unsere künftigen Entscheidungen mit ein, obwohl es besser wäre das weitere Vorgehen nur aus dem HEUTE und JETZT zu betrachten um eine Entscheidung zu treffen.

Vorauszahlungen in Frage stellen

Die Hoffnung stirbt jedoch zuletzt. Schon investierte Zeit und Zuneigung als „versunkene Kosten“ abzuhaken fällt offenbar nicht nur mir schwer. Das ist menschlich (hab ich mir sagen lassen) und manchmal auch gar nicht so doof, denn man wirft ja Freundschaften und Beziehungen auch nicht einfach so weg. Irgendwann sollte man aber damit aufhören, aus den falschen Gründen an etwas festzuhalten, nur um nichts zu verlieren. Diesen Zeitpunkt zu finden ist jedoch das Kunststück.

Doch nicht nur schon verfallene Investitionen halten uns davon ab uns von anderen abzunabeln. Auch lange in die Zukunft geplante und investierte Kosten bewirken ähnliches. Verbindungen die ein SunkCost und Vorauszahlungskonto haben scheinen fast unauflöslich. Gemeinsame Freundeskreise, gebuchte Urlaube, jährliche Rituale, „solange Oma noch lebt“ Aussagen, Kredite, Immobilien, Kinder oder oder oder … sind Zukunftsveranstaltungen für die wir häufig lange im Voraus Tickets lösen und die es in der Gegenwart schwer machen, loszulassen, denn WAS DANN?

Am Ende stirbt man alleine

Am Ende ist nur wichtig, wie zufrieden jeder für sich gelebt hat. Das mag egoistisch klingen, ist es aber gar nicht,  denn wenn wir auf unsere Seelenhygiene und unsere Werte und Standards achten – jeder für sich- dann gehen wir, auf lange Sicht, besser mit uns und mit anderen um.
Das mag punktuell weh tun und unangenehm sein, aber verhindert ein Leben basierend auf Sunk Costs in der andauernden Hoffnung: Es wird bestimmt bald besser! Bis dieses „bald“ nicht mehr kommt.

Klartext:

Manche Menschen lässt man besser gehen, um seiner selbst Willen und um deren! Das schafft Platz und setzt neue Kräfte frei. Weniger Stress und so! Wähle deine Standards also weise und handle danach – das könnten die Welt verändern.Das geht nicht immer und nicht immer gleich, aber es lohnt sich das zu praktizieren.

Fürchte nicht eine Tür zu schließen denn, wie Markt Foster so schon singt:

„Egal was kommt, es wird gut, sowieso, Immer geht ne neue Tür auf, irgendwo. Auch wenn’s grad nicht so läuft, wie gewohnt. Egal, es wird gut, sowieso.

Man kann eben nicht alles festhalten und erwarten, dass etwas Neues, Gutes und Besseres passiert. Warum? Weil Leben Platz und Zeit braucht – die du schlimmstenfalls mit toxischen Zeitgenossen vergeudest. Die verändern sich auch viel eher wenn andere sich beginnen von ihnen abzuwenden. Dazu liest du vielleich auch warum zu viel dich behindern kann und wie das mit dem Lolassen geht vielleicht auch gleich.

Erlebe die Welt und zwar in ihren schönsten Ausführungen mit den tollsten Menschen, denn es ist Dein Leben!

Ps.: Tür, Tor, Fenster, Schlupfloch … sei kreativ und wachsam! Eine neue Lebens-Öffnung kommt kann auch mal als Nadelöhr daher. Sei offen, hab Spaß.

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