Wenn Worte oder Wörter meine Sprache wären?!

Mir ist diese Woche häufiger aufgefallen, wie sehr ich Menschen schätze, anerkenne und sogar bewundere, die sich gewählt ausdrücken können. Ich finde es fast magisch, wenn Personen mit wenigen Wörtern dazu beitragen können, dass ich mir einen ganzen Abend Gedanken machen kann … klingt für den ein oder anderen vielleicht anstrengend, aber ich finde so etwas toll.

Sprache, Wortwahl und gewählter Ausdruck sind „sexy“

Für mich gibt es kaum etwas Faszinierenderes und Erotischeres als einen Menschen, der sich ausdrücken kann. Ein Mensch mit Wortwitz, überlegter Wortwahl und doppeldeutiger, spielraumlassender Sprache hat meine vollste Aufmerksamkeit und ich werde schnell süchtig nach „Zuhören“ und „mehr davon“. Für mich die faszinierendste Form der Unterhaltung. (Im wahrsten Sinne)
Im Gegenzug bin ich selten so vor den Kopf gestoßen wie von jemandem, der den Mund auftut und lediglich auf die Wortakrobatik eines Kleinkindes zurückgreifen kann.
Das bedeutet nicht, dass ich der Meinung bin jeder sollte möglichst hochgestochen sprechen, Fremdwörter benutzen und komplizierte Satzbauten konstruieren, aber wer das alles kann, ist fähig sich unterschiedlichen Situationen verbal anzupassen und das zu hören macht mir unheimliche Freude.

Sprache ist Ausdruck der Persönlichkeit

Sprache ist ein Ausdrucksmittel unseres Gefühlslebens und unseres Seelenlebens und viele Menschen gehen damit so wahllos um, dass es mich tatsächlich häufig irritiert.
Statistisch mag es ja stimmen, dass der Großteil unserer Kommunikation nicht über das „Was“ wir sagen abläuft und dennoch finde ich sagt das „Was“ eben am meisten über die Denke, die Einstellung und das Gefühlsleben eines Menschen aussagt.
Mir fehlen häufig die passenden Wörter und Worte, gerade wenn ich eine Frage gestellt bekomme, auf die ich glaube direkt antworten zu müssen. Ich korrigiere mich auch häufig in meiner Wortwahl, was manche meiner Gesprächspartner verwirrend finden, weil es oft so scheint als habe ich mich unnötigerweise wiederholt. Wahrscheinlich nervt auch mein Nachfragen nach einigen Bedeutungen den ein oder anderen, aber für mich ist das wichtig.

Doch bevor ich jetzt in eine Ode an die Sprache verfalle hier wieder einmal ein „Wort-Gedanke“, der mich beschäftigt und zur Recherche animiert hat.

Gedanklich stolpern …

Gestern bin ich schon wieder über den Liedtitel „Wenn Worte meine Sprache wären“ gestolpert und habe mich, wie schon häufiger gefragt, wie denn nun in diesem Zusammenhang die korrekte Pluralform von „Wort“ zu gebrauchen ist.

Worte oder Wörter?

Die schönste Zusammenfassung fand ich: Worte bestehen aus Wörtern und Wörter aus Silben. Das Wort „Worte“ wird benutzt, wenn es um mehrere Wörter geht die in Ihrer Gesamtheit etwas ausdrücken z.B. Dankesworte oder Grußworte.
„Hallo sei gegrüßt“ wären also 3 Wörter, die gemeinsam meine individuellen Grußworte bilden. Also das „wie ich grüße“ ausdrücken – meine individuelle Formulierung, meine Emotionen dahinter etc.
Der Spiegel drückt es so aus: „Um es auf eine Formel zu bringen: Wörter bestehen aus Buchstaben, Worte bestehen aus Gedanken.“

Hier noch einige Artikel die sich mit dem Unterschied befassen:

Sprache-Werner
Spiegel-Zwiebelfisch
Deutsche Akademie
Literaturcafé

Was bedeutet dann „Wenn Worte meine Sprache wären?“ – Tim’s Worte

Wörter brauchen wir ja um zu sprechen, doch wenn Worte unsere Sprache wären, dann könnten wir Gedanken und Gefühle verständlich und für jeden nachvollziehbar in Wörter verpacken, die dieses Gefühl auch genauso wiedergeben. Hier wird’s schon schwerer.
Dann wäre es vielleicht nicht so kompliziert sich in emotionalen Situationen verständlich zu machen, Missverständnisse zu vermeiden und mehr Einigkeit zu kreieren.
Doch vielleicht ist im Grunde an der Stelle wo WORTE nötig wären einfach Schweigen immer noch die beste Sprache.
Mit Dank an Tim Bendzko für die Produktion dieses Gedankenstolperers. (Egal ob nun lediglich aus klang- oder inhaltlichen Gründen gewählt.)

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