Von Kindern das Wünschen lernen – Erinnerung Teil 2

Heute schlug ich die Zeitung auf und die Broschüre von Idee+Spiel fiel mir dabei entgegen, die ich sofort am Logo erkannte.
Zur Weihnachtszeit, war dieses Heftchen einmal das tollste gewesen, dass ich, als Kind in die Finger bekommen konnte, denn es ermöglichte mir meine Wunschliste zu machen. Ich verbrachte früher Tage und Wochen damit, eine Liste anzufertigen. Ich schrieb, malte und bastelte, damit mein Brief auch sicher vom Christkind gelesen wurde.

Ja, ich durfte mir ALLES wünschen und glaubte daran, es auch zu bekommen.

Ich schnitt aus, fragte meine Mutter wie man „CHRISTKIND“ schreibt, malte das dann ab, verdrehte dabei das „N“ ohne es zu bemerken und gab mein ganzes Herz hinein. Christkind

Ich erinnere mich vor allem an das Weihnachtsfest, zu dem ich mir einen Puppenwagen wünschte, samt Puppe. Ich wünschte mir diesen Wagen soooo sehr, dass es fast schon schmerzte.  Ich schnitt aus, klebte und rollte am Ende, die so liebevoll gestaltete Seite zusammen und verschnürte sie mit einer Schleife.

Dann ging ich in den Garten, wo ich das Konstrukt in einem Busch, neben der Terrasse, platzierte, schließlich mussten meine Wünsche ja irgendwie in den Himmel kommen ….

„Mama, wie kommt der Wunschzettel zum Christkind?“
„Das Christkind kommt geflogen und holt es aus dem Busch“
„und woher weiß das Christkind, wann ich die Liste fertig geschrieben habe?“
„das Christkind weiß alles, es hat immer ein Auge auf die Kinder dieser Welt“
„auf ALLE?“
„Ja, und zur Not fliegt der Zettel eben zum Christkind“
„gut“ … damit war ich zufrieden.

Die Wunschliste abschicken

Ich saß also mit dieser Information in der Küche und wartete darauf, dass das Christkind geflogen kam, die Liste aus dem Gebüsch nehmen würde und mir am Weihnachtsabend meinen Wagen, samt Puppe, bringen würde.

Nach ca. einer Stunde sprang ich auf, lief auf die Terrasse, um nachzuschauen, ob der Brief noch da war. Enttäuscht stellte ich fest – Ja, das war er!

„Das Christkind braucht eine Weile“ sagte meine Mutter lächelnd und um mich nicht stündlich in der Kälte zu wissen, fügte sie hinzu: „Am liebsten kommt es, wenn die Kinder schlafen.“

Also ging ich an diesem Abend früh zu Bett und nahm mir vor, gleich als aller erstes, am nächsten Morgen nachzusehen, ob das Christkind die Post geholt hatte. Tatsächlich. Am nächsten Morgen war der Brief verschwunden.

Ich lief jedoch noch einmal um den Busch herum, nur um sicher zu gehen, dass die Nachbars Katze den Zettel nicht einfach auf den Boden gezerrt hatte, aber der Wunschzettel war eindeutig weg! Abgeholt! Im Himmel! Beim Christkind! Jetzt hieß es warten!

Die Erfüllung am Weihnachtsabend

Am Weihnachtsabend setzte ich mich auf den Wohnzimmerboden, mit dem Blick zur Terrasse, neben deren Eingangstür der Weihnachtsbaum stand.
Heute war der große Tag und auch wenn ich bisher keine Zweifel hatte, meinen geliebten Puppenwagen nicht zu bekommen, wurde mir jetzt doch etwas mulmig.

Ich weiß nicht mehr, warum ich das Christkind sehen wollte (um mich zu bedanken, um mich zu beschweren für den Fall, dass meine Wünsche nicht erfüllt wurden oder einfach nur aus Neugier), aber ich hatte mir feste vorgenommen, „Ich gehe hier nicht weg, bis das Christkind die Geschenke gebracht hat.“

Ich wartete und wartete und wartete.

Meine Mutter erschien im Wohnzimmer mit einem kleinen Päckchen. „Wo kommt das her?“ fragte ich sie.
„Tante Steffi hat’s geschickt, das Christkind hat’s falsch abgegeben“
„ … sowas passiert?“,dachte ich bei mir, aber das würde mit meinem Wunsch nicht passieren, da war ich mir sicher.

Mein Blick klebte an der Scheibe und ich wagte mich nicht, meinen Platz zu verlassen, bis meine Blase so sehr drückte, dass ich aufstehen und zur Toilette gehen musste.
Ich schlenderte vom Badezimmer zurück auf meinen Ausguck und was sah ich da? Die Terrassentür stand einen Spalt offen und unter dem Baum stand er DER PUPPENWAGEN. Ich konnte nicht erkennen, ob die Puppe darin lag, aber mein Herz vollführte schon jetzt Freudentänze.

Man bekommt was man sich feste wünscht!!!

„Ich wusste es! Mama hatte es ja gesagt, dass wenn ich mir etwas ganz feste wünsche, dann bekomme ich es auch“ … sie hatte Recht behalten.
Mama kam herein und schloss die Terrassentür, streichelte mir über den Kopf und sagte:
„Ich soll dich lieb grüßen, du hast das Christkind nur knapp verpasst, es war aber unheimlich in Eile.“

Nach dem Essen war Bescherung und in dem Wagen fand ich dann auch die ersehnte Puppe! Es war das perfekte Weihnachtsfest und seither weiß ich: Wünschen funktioniert!

Wann verlieren wir diese Fähigkeit? … Heute besuchen Menschen Seminare oder/und lesen Bücher, um sich an dieses Gefühl zurück zu erinnern. WIE wünsche ich richtig? Wie wünsche ich mir mein Leben?

Kind bleiben und wünschen mit ganzem Herzen

Auch wenn ich nicht mehr an das Christkind glaube, so ist vielleicht die Idee, eine Liste mit bunten Farben, Bildern und all meiner Liebe zu gestalten, kein schlechter Anfang, auf dem Weg zur Erfüllung meiner Wünsche, oder?! Ich praktiziere das auf jeden Fall seit einigen Jahren wieder und es funktioniert – so komisch das klingen mag!

Einer Prise Hoffnung und Vertrauen, dass Dinge, die für mich unerreichbar scheinen, sich schon irgendwie ergeben werden, wenn ich meinen Teil dazu gegeben habe. Eine Schleife drum herum und dann etwas Geduld, sowie der unbändige Glaube daran, dass es irgendwie geht.

Dann ist Weihnachten – auch im Sommer ….

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