Zeitfresser – 2 Regeln für mehr Zeit

Das Thema Zeit hat mich diese Woche besonders beschäftigt. Ich hatte viele Gespräche mit Menschen, die ihre Zeit möglichst sinnvoll nutzen möchten, möglichst effizient und effektiv arbeiten wollen und die aus ihrer Zeit das Beste machen wollen. Es ging dabei um berufliches, aber auch um den privaten Bereich. Um sinnvoll und weniger sinnvoll genutzte Zeit und natürlich um jegliche Form der Zeit-Verschwendung.

Ich selbst musste mir diese Woche, relativ kurzfristig, einen neuen Zeitplan aneignen, um das Pensum, das mich die letzten Tage plötzlich überflutet hat, überhaupt bewältigen zu können.


Dabei haben sich, für mich, vor allem 2 Regeln als besonders hilfreich erwiesen:

  1. Die „90 Sekunden“ Regel
  2. Die „ich schätze meine Zeit“ Regel

Letzte Woche noch habe ich mich mit einer guten Freundin unterhalten, die mir von einem Experiment erzählte. Sie hatte irgendwo von dem Versuch einer „90-Sekunden Freundschaft“ gehört, welches besagt, dass die wichtigsten Dinge in den ersten 90 Sekunden eines Gesprächs geklärt werden. Sie wollte daraufhin kultivieren, dass man sich mehr über Ideen austauscht oder mehr Ratschläge einholt in dem man schnell mal 1,5 Minuten telefoniert und das Gespräch auch auf eben dieses Zeitfenster beschränkt.

Leider hatten wir keine Zeit (ha ha) uns weiter über diese Idee auszutauschen, bzw. wurde in der Gruppe dann das Thema gewechselt, doch ich habe mir lange über diesen Impuls Gedanken gemacht.

Gesprächsanalyse

Ich habe meine Telefonate diese Woche unter diesem Aspekt etwas genauer unter die Lupe genommen und habe dabei folgendes bemerkt:

Statt beim Gespräch direkt auf den Punkt zu kommen, kommt eine Flut unnötiger Informationen über meine Lippen.
Das Wetter, wie geht’s, was machst du gerade, was mache ich gerade ….

Bevor jetzt gleich alle rufen: ABER DAS IST WICHTIG! …

JA, der Meinung bin ich auch!
Das sind wichtige Gesprächsinhalte bei Menschen, die ich seltener höre, mit denen ich in Kontakt trete, weil ich tatsächlich DAS zum Ziel habe. Zu erfahren, wie es ihnen geht, was sie machen usw., doch ich spreche von Telefonaten mit Menschen, mit denen ich regelmäßig im Kontakt stehe, mit denen ich vielleicht schon am gleichen Tag gesprochen habe und vor allem Menschen im Arbeitsumfeld. Ich habe häufig ein spezielle Anliegen und meine Gesprächspartner, wenn sie mich anrufen sicherlich auch. Dennoch wursteln wir erst 1-5 Minuten um Banalitäten herum. Dann kommt der eigentliche Inhalt und dann wieder Banalkram. Dabei meine ich gar nicht meine Gesprächspartner, sonder mir fällt das an MIR auf! Irgendwie scheint eine innere Stimme zu sagen, wenn du jetzt nichts mehr sagst, war das Gespräch total kurz und vielleicht wirkt es dann unwichtig, gerät in Vergessenheit oder ähnliches.

Eine neue Herangehensweise – mehr 90 Sekunden Gespräche!

Gestern hatte ich dann 2 besonders knackige und lösende Gespräche … hätte ich diese gestoppt, wäre ich sicherlich auf weniger als 90 Sekunden gekommen und dabei habe ich bemerkt wie effektiv und befreiend das war.
Meine Urteile darüber, dass solch eine Kommunikation weniger wertschätzend sein könnte, wurden völlig über den Haufen geworfen und ich wage mich nun an das Experiment: Mehr 90-Sekunden Gespräche!

  • Genau überlegen, was das „Problem“ oder die „Nachricht“ ist, die ich vermitteln oder ansprechen will
  • Den Gesprächspartner aufklären/darüber Informieren, dass ich meine und seine Zeit sehr wertschätze und mich daher auf das wichtigste und dringlichste beschränken möchte – für den Moment!
  • Lösungsorientiert: Nach Lösungen und Hilfe Fragen oder Vorschläge kommunizieren statt sich über das „wie ist es dazu gekommen“ und „wie schlimm das ist“ auszutauschen.

Die „ich schätze meine Zeit“ Regel

In vielen Gesprächen diese Woche ist mir aufgefallen, dass wir uns alle häufig von anderen unsere Zeit „stehlen“ lassen, weil wir glauben anderen dadurch einen Gefallen zu tun. Zum Beispiel:

  • Kommunizieren wir nicht, wenn uns ein Gespräch zu lange dauert und wir eigentlich lieber etwas anderes machen würden!
    Das muss nicht aus Langweile sein, auch wenn das auch mal vorkommt, aber vielleicht einfach weil man keine Lust auf „Gemeckere“ hat, auch weil es der entsprechenden Person nicht hilft oder einfach weil das Gespräch kein Ende hat und daher einfach irgendwann in einen „Loop“ verfällt.
  • Wir beenden ein Gespräch nicht, obwohl wir einen Zeitplan haben, den wir um unseres eigenen Seelenfriedens Willen gerne einhalten würden, um dann am Abend tatsächlich entspannen zu können.
  • Wir verharren im Gespräch, obwohl wir eigentlich andere Prioritäten haben, aber glauben das nicht sagen zu können, weil das den Gesprächspartner verletzen könnte.

Das fatale an diesen Situationen ist, dass wir glauben etwas zu tun um eine andere Person damit zu „beglücken“.
Der Effekt ist jedoch, dass wir vielleicht diese Person kurzfristig glücklich machen, innerlich aber total aufgewühlt sind. Das Ergebnis ist entweder dass, wenn das Gespräch lange genug dauert, der Gesprächspartner diesen inneren entstandenen Frust dann doch noch zu spüren bekommt, oder dass wir irgendwann in einen Zeitverzug uns gegenüber geraten.
Die Folge: Stress, Zeitmangel, ärger auf die eigene Person >>> schlechte Laune! Und die bringt keinem etwas. Weder einem Selbst noch der Umwelt.

Zeitfressende Beziehungen

Manchmal sind aber nicht nur Gespräche, unstrukturierte Meetings, Kaugummi-ähnliche Weiterbildungen oder wirre Kommunikation Zeitfresser und wirkliche Miese-Laune-Macher, sondern auch Beziehungen zu Personen allgemein. Sei es der Partner, den man eigentlich schon lange eher als Bremse empfindet, Freundschaften die sich, wenn man ehrlich ist auseinanderentwickelt haben oder Chefs und Kollegen die in einem, schon durch Ihre Anwesenheit, ein schlechtes Gefühl hervorrufen.

Traurig aber wahr

So etwas gibt es und ich wage sogar zu behaupten: DAS IST VÖLLIG NORMAL! Leider haben viele Menschen einige hinderliche Mechanismen, die sie solche Beziehungen dennoch aufrecht erhalten lassen, auch wenn alle Signale auf NOTAUS stehen.

Wir haben begrenzte Zeit und die sollten wir für Dinge, Menschen und Tätigkeiten nutzen, die uns am Herzen liegen, uns wichtig sind und Spaß machen. Wenn man immer häufiger das Gefühl hat: „ich verschwende hier meine Zeit“ dann sollte man etwas ändern.
Denn wer zu lange über diesen Fakt hinweg sieht misst sich und seine Zeit dauerhaft weniger Wert bei!

Das schlägt sich dauerhaft auf das Selbstwertgefühl, auf den Kontostand und die Lebensqualität nieder!

(Wert)-Schätze die eigene Zeit und damit Dich!
Klar geht es nicht darum jedes Gespräch zu bemessen mit dem Gedanken: Bringt das was? Ist das effizient genug? etc. … schließlich wollen wir ja selbst auch nicht als „Nummer“ oder „das bringt mir was“ gesehen werden.
Doch wenn man sich in vielen Situationen einfach bewusst macht, was einem wichtig ist, welches Ziel etwas haben soll usw., kann die eigene Zeit für viel mehr Leben eingesetzt werden.

Davon haben alle etwas!

Wenn wir selbst zufriedener sind, dann können wir andere auch glücklicher machen.
Und wenn die eigenen ToDo’s abgehakt sind, dann ist auch Zeit zum Tatsächlichen ZUHÖREN und DA SEIN. Denn dann sitzt hüpft kein Floh im Ohr umher und ruft:
„Ja, ich weiß du solltest zuhören und ein guter Freund und Gesprächspartner sein, aber eigentlich würdest du doch lieber vorher XY erledigen“

 

Was sagst Du?