Nett ist was für Verlierer? Was Nett-Sein wirklich bringt!

Warum wir Menschen, die nett sind für schwach halten, was das in der Konsequenz bedeutet und wie ich das ändern möchte und warum.

Die Sprache der Gewinner

„Ich spreche Sarkasumus und Zynisch fließend“ hat mir letztens jemand entgegengeschmettert. Als sei das etwas, womit man sich brüsten sollte wie die 10te Fremdsprache. „Pahhh“, dachte ich mir! „Du hast deine Meisterin getroffen“ wollte ich antworten und dachte dann aber: „Was tun wir hier? Dann doch lieber Dialekt und zwar ein fieser, oder?“

Du musst ein Schwein sein in dieser Welt – Studien belegen das!  

Songzeilen, Buchtitel, Ausrufe (Böse Mädchen kommen überall hin) suggerieren uns wir müssen rücksichtslos, zynisch (häufig gleichbedeutend mit realistisch) und eigentlich ganz große Arschlöcher sein, um im Leben was zu reißen, vor allem finanziell.
Belegt wurde das, in 2018, auch noch mit einer Studie (https://www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-pspp0000220.pdf) die angeblich besagt, dass nette Menschen Geldprobleme haben.
Liest man die Studie etwas genauer stimmt das natürlich so nicht ganz, also sei an dieser Stelle gesagt: Statistik ist tricky und die Presse liebt schlechte News!

Für die Leser der Headlines von „Nett macht arm“ ist es aber leichter, so ihr schlechtes Verhalten zu legitimieren also Win-Win für alle!

Es gibt natürlich auch gegenteilige Studien … das sagt ja schon alles. Für mich stellt sich also eher die Frage:

„Wie will ich sein und wie will ich diese Welt gestalten?“!

Um Intelligenz, Überlegenheit und Macht zum Ausdruck zu bringen ist Zynismus, Ironie, Boshaftigkeit und Sarkasmus ein oft gewählter Rhetorik Stil. Es stellt einen Gesprächspartner oft schnell an die Wand und erschafft somit einen „Herrscher“.

Ich weiß wovon ich rede, denn je unsicherer ich werde, desto garstiger bin ich. Es verleiht mir das Gefühl von Kontrolle und Macht. Aber ist das wirklich so? Am Schlimmsten mit Menschen, die genau so ticken. Das macht erst Spaß wie ein guter Boxkampf und dann wird’s nur anstrengend und langweilig.

Meine Meister machen es anders sie „kämpfen“ mit Liebe

Wenn ich mir anschauen, zu wem ich aufblicke, dann sind das die Menschen, die ich nie lästern höre, die immer etwas Gutes über etwas oder jemanden zu sagen haben und die es nicht für nötig halten jemanden verbal bloßzustellen. Das ist außergewöhnlich und selten.

Vor einiger Zeit habe ich das Buch „a complaint free world“ gelesen und dann am eigenen Leib erfahren, wie schwierig es ist sich nicht zu beschweren, nicht zynisch zu sein, nicht sarkastisch aber positiv. Sich und anderen gegenüber – der Welt, dem Leben gegenüber. Ich habe, trotz vieler Anläufe, nicht EINEN einzigen Tag geschafft und dann das Experiment aufgegeben.

Es ist einfach zu leicht „böse“ zu sein und verbindet zudem auch viel besser.

Erst kürzlich traf ich meine Nachbarin im Treppenhaus während ich mein Experiment durchziehen wollte – sie versuchte mich zuerst darauf hinzuweisen, wie dreckig das Haus, vor allem das Treppenhaus ist.

Dem mit einem „ist mir nicht aufgefallen“ zu entgegnen, war einfach und ehrlich, denn ich mag unser Haus und finde es sehr ordentlich. Doch sie lies nicht locker und erst als sie ein Thema gefunden hatte, bei der ich ihrem Gemecker beipflichtete lächelte Sie, wünschte einen guten Tag und zog von dannen – Rapport hergestellt – puuuuh!

Motzen schafft Verbindung

Ich frage mich oft, weshalb wir eigentlich so ticken, dass wir uns viel schneller über Gemecker miteinander verbinden (im Leiden sozusagen) als in geteilten Freuden. Letzteres passiert auch – gar keine Frage, ist aber wesentlich schwieriger herzustellen. So leichte Smalltalk-Themen, wie das Wetter und die Arbeit, sind eben meist im Minus verbindend, nicht aber im Plus.

Stell dir mal vor jemand findet Regen schön?

Es gibt einfach Themen, da erwarten wir eine gemeinsame Meinung und damit Verbindung. Man hetzt gemeinsam über die Bildzeitung, Regen ist ihhh, Kälte ist scheiße, aber zu heiß auch und Arbeit macht keinen Spaß. Das ist sind die Smalltalkregeln. Wehe man verstößt dagegen – dann ist man anders und damit doof!

Es ist leichter „miesig“ zu sein

Sich diesem Urteil „doof“ anzunehmen, auf Verbindung zu verzichten und ggf. das Gespräch ins Stocken zu bringen ist unangenehm. Vor allem, wenn man sein Gegenüber nicht gut kennt aber interessiert ist an der Verbindung. Etwas Nettes zu sagen, vielleicht sogar ein Kompliment, macht es erstmal auch nicht besser, sondern noch stockiger, ja schier unerträglich.

Durchhalten lohnt sich, denn die Welt wird Schöner!

Seien wir mal ehrlich – in jedem Zyniker steckt auch ein Romantiker. Doch der ist sehr verletzlich und könnte schnell zu Tode getrampelt werden, also wird der nur zu ganz besonderen Gelegenheiten ausgepackt, mit ganz bestimmten Menschen und der Rest bekommt was er offenbar verdient: Kalte Schultern und Schnauzen.

Das hört jetzt auf!

Was hab‘ ich denn davon einen auf mies zu machen? Habe ich tatsächlich mehr Kontrolle oder fühle ich mich besser, wenn ich motzig, kaltschnäuzig und bissig bin? Ne. Im besten Fall, reiße ich jemanden mit, dem es dann ebenso geht, falls er oder sie vorher nicht schon auf meiner Welle schwamm. Na Glückwunsch! (Vorsicht Ironie!)

Vorbilder und was jetzt?

Ich habe mir diesbezüglich endlich mal die Frage gestellt wer ich eigentlich sein will, was ich an anderen bewundere und wie ich eigentlich durch die Welt gehen will und Ellen DeGeneres ist hier für mich ein hervorragendes Beispiel und Vorbild unserer Zeit. Sie ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie man nett UND erfolgreich sein kann 😊 Mit ihrem Spruch zum Ende jeder Sendung „Seid nett zueinander“ fasst sie es ziemlich gut zusammen und ich finde das jedes Mal mitreißend, befriedigend und herzerwärmend.

Die Menschen, die mir am nächsten stehen sind alle wesentlich viel netter als ich 😉 weshalb sie mich vielleicht auch mögen haha (verdammt – wieder abgerutscht, auf meine eigenen Kosten) …  und ihnen bin ich es „schuldig“ liebevoller zu sein (und mir auch!)

Ab heute bin ich nett

Also bin ich ab jetzt nett (oder versuche es zumindest) und hoffe dabei nicht Fischfutter zu werden, weil ich bisher keine bessere „Verteidigung“ kenne – aber „Miteinander“ sollte ja auch kein Kampf sein, vielleicht gilt es da auch was zu überdenken … in diesem Sinne:
SEID NETT ZUEINANDER!

Die Welt liebt dich!
Lass den Romantiker raus und verzaubere Menschen mit Güte und Nettigkeit, das ist nicht weich, öko, esoterisch oder dumm, sondern extrem sexy, diszipliniert und Hardcore! So wird’s jetzt gemacht.