Oktober 11

Sei verbindlich – oder doch besser nicht?

Sei verbindlich – oder doch besser nicht?

Generation Unverbindlich! Ich glaube so einfach ist das nicht. Wir sind nur in der Position (gut oder schlecht) unsere Verbindungen wählen zu dürfen. Leider darf unser Gegenüber das aber auch! Das ist das Problem.

Wenn du nicht lesen möchtest – hör dir den Artikel einfach an:

In den letzten Wochen ist mir das Thema „Verbindlichkeit“ oder „Commitment“ häufiger untergekommen. Mal wollte ich Verbindlichkeit wo keine war, mal hat sie jemand mir abverlangt.

Dabei sind für mich immer folgende Fragen aufgepoppt. Diese habe ich für mich versucht zu beantworten, um Klarheit in das Thema zu bringen:

  1. Was ist Verbindlichkeit?
  2. Warum vermeiden wir Verbindlichkeit?
  3. Was hat Verbindlichkeit mit Verbindung zu tun?
  4. Wie hängt Verbindlichkeit mit Erwartungshaltung zusammen?

Verbindlichkeit! Was ist das eigentlich?

Nachdem ich alleine dieses Jahr unzählige Male mit dem Begriff in Kontakt gekommen bin, habe ich mal „rumgefragt“.
Was bedeutet das eigentlich für wen?

Dabei ist aufgefallen, dass alle dem Begriff sowohl positive als auch negative (wenn man das so nennen will) Eigenschaften zuordneten.
Hier die Top 3 auf beiden Seiten

eher positiveher negativ
VerlässlichkeitVerpflichtung
Planbarkeitunspontan/ starr / unkreativ
VerbindungEgoismus (wenn man fordert) / einschnüren

Das Problem, welches dabei recht schnell deutlich wird ist, dass wir beide Seiten brauchen und wollen. Ich zumindest 🙂

Wir wollen Verlässlichkeit von anderen, also die Sicherheit, sich auf eine Aussage zu verlassen. Gleichzeitig wollen wir aber nicht in die Pflicht genommen werden.
Wir planen gerne, aber das soll bitte nicht zu starr sein, um uns nicht die Luft abzudrücken.
Wir brauchen und wollen Verbindung, aber dabei ist auch ein gesunder Egoismus nötig! Was also jetzt Verbindlichkeit oder nicht?

Was heißt Verbindlichkeit für mich/dich?

Von was reden wir oder rede ich, wenn ich von Verbindlichkeit spreche? Ich nutze dieses Wort selten, denn für mich fühlt sich das sehr kaufmännisch an. Ich denke dabei an die Verbindlichkeiten gegenüber einer Bank beispielsweise. Damit bekommt es die Bedeutung von:

„Der Schuldner ist verpflichtet, etwas zu tun, zu dulden oder zu unterlassen. Es handelt sich um eine Leistungspflicht. Eine Forderung“

Hier noch die unterschiedlichen Definitionen zu Verbindlichkeit, falls es dich interessiert: https://wiki.yoga-vidya.de/Verbindlichkeit und https://de.wikipedia.org/wiki/Verbindlichkeit

Verbindlichkeit vermeiden

Wenn jemand Verbindlichkeit gedanklich mit einer Forderung gleichsetzt, ist das wenig verbindend. Fordern hat für mich wenig mit wollen, können oder dürfen zu tun und schnürt mir daher alles ab.
Ich verstehe also durchaus, weshalb sich Menschen mit Verbindlichkeiten schwer tun, sie vermeiden oder gar Angst davor haben, wenn es DAS bedeutet. Oder, wenn Verbindlichkeit mit Begriffen wie Sturheit, Unfreiheit, Unselbständigkeit und unspontan verbunden wird.

Was hat Verbindlichkeit mit Verbindung zu tun?

Um Verbindung aufzubauen brauchen wir Vertrauen. Das braucht eben ein gewisses Maß an „Verbindlichkeit“ im positivsten Sinne.
Es braucht Zeit, es braucht Verlässlichkeit, es braucht Zugeständnisse – da kann man eben nicht immer machen was man will.
Um es anders zu sagen: Da braucht es ein bisschen Verzicht auf Individualität, Spontaneität und Ego.

Das Problem mit der Verbindlichkeit ist

  • das Messen mit zweierlei Maß
  • die unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Prioritäten
  • fehlende Kommunikation rund um „was bedeutete das für mich und was erwarte ich!“

Hier liegt für mich der Hund begraben!
Das Problem ist nicht die Verbindlichkeit selbst! Wir alle sind zu irgendeiner Zeit mit irgendeiner Person gewillt verbindlich zu sein, sonst würden wir uns nie mit anderen Verabreden, keine Freundschaften haben und und und.
Doch wie oft das passiert, wie fest oder nah diese Beziehungen sind und wie viele es sind, hängt mit unserer Art zusammen mit Verbindlichkeit umzugehen.

Das messen mit zweierlei Maß

Klar will ich Verbindlichkeit! Von anderen!
Diesen Eindruck habe ich häufiger von mir und einigen Weggefährten.
Ich muss gestehen, da ich selbst mit diesem Begriff, wie schon gesagt, eher schlechte Assoziationen habe, fordere ich Verbindlichkeit selten ein. (Vielleicht nenne ich es nur anders ;))
Vielleicht ist das aber auch ein Schutz.
Ein Schutz, um autonom bleiben zu dürfen (was ich erwarte muss ich auch leisten, also erwarte ich keine Verbindlichkeit….).
Oder aber ein Schutzmechanismus, um nicht verletzt zu werden, wenn jemand meine Verbindlichkeitserwartungen nicht erfüllt.
Das habe ich abschließend noch nicht geklärt, aber eins ist mir bewusst:
Bei einigen Begegnungen ist mir Verbindlichkeit suuuuuuuper wichtig – bei anderen gar nicht. Was denn nun?

Erwartungshaltungen und Prioritäten

Was deutlich geworden ist, seit ich mich mit dem Thema beschäftige, war die Erfahrung, dass Verbindlichkeit unterschiedliche definiert und empfunden wird. Je nachdem welche Erwartungshalten man an eine Person oder Beziehung hat und welche Priorität/Rolle man bereit ist, dieser Person im eigenen Leben zu geben.

Mit der Wichtigkeit der Rolle (hohe Priorität) steigt die Bereitschaft für Verbindlichkeit. Doof nur, wenn die Prioritäten unterschiedlich sind, bei den beteiligten Personen. Dann sind nämlich die Erwartungen auch verschieden.

Lass mich dir ein Beispiel geben:
Stell dir vor, du triffst einen Bekannten nach langer Zeit im Supermarkt wieder. Ihr unterhaltet euch kurz uns stellt fest ihr solltet mal wieder einen Kaffee trinken und euch austauschen. Ihr checkt die Aktualität eurer Kontaktdaten und jeder geht seiner Wege.
Jeder von uns kennt diese Situation. Wie geht sie meist aus? Trefft ihr euch wenige Tage später zu besagtem Kaffee?
Vielleicht, vielleicht auch nicht, aber auch wenn nicht sitzt du nicht da, wartest, fluchst und bis enttäuscht, oder?
Eine nette Begegnung ohne Priorität und ohne Erwartungen.

Ganz anders sieht es aus, wenn es sich dabei um eine Person handelt, mit der du dich treffen willst, weil es für dein berufliches Vorankommen von Bedeutung wäre. Oder wenn du ein romantisches Interesse an dieser Person hast.

Dann gewinnt diese Person an Bedeutung. Weil sie dir wichtiger geworden ist, glaubst du, das müsste auf der Gegenseite ebenso sein.

Deine Erwartung ist also, dass dieses Treffen möglichst bald stattfindet und die andere Person dich ebenso zur Priorität macht. Also den gleichen Aufwand betreibt, wie du!

Fehlende Kommunikation – lieber Kopfschmerz als Kopf ab!

Oftmals spüren Menschen was sie voneinander erwarten – zumindest unterschwellig. Nicht darüber zu sprechen welche Erwartung man an den anderen hat macht es leicht und schwierig zugleich.
Leicht, weil man sich nicht (er)klären muss und weil man nicht verletzte werden kann.
Schwierig, weil die Situation unklar bleibt und irgendwie konstant verletzt. Lieber Kopfschmerz als Kopf ab!

Was also tun um Verbindung aufzubauen?

Wie schon gesagt, ich glaube nicht Verbindlichkeit ist, was wir wollen sondern Verbindung. Dazu braucht es Vertrauen, Verlässlichkeit, Absprachen, überlappende Prioritäten und gemeinsame Zeit.
Aber vor allem auch Klarheit, Verständnis für das Gegenüber und eine Prise gesunden Egoismus.

Fragen die du dir in Bezug auf Verbindung / Verbindlichkeit stellen solltest

Um mich und die Rolle einer Person in meinem Leben zu klären gibt es einige Fragen, die ich mir — unabhängig von meinem Gegenüber — stelle. Das ermöglicht mir, meine Erwartungen zu erkennen und falls nötig auch zu kommunizieren.

  • Welche Rolle spielt diese Person in meinem Leben oder soll sie ggf. spielen?
  • Wenn ich einen Termin mit dieser Person festlege und meine beste Freundin/mein Partner (eine für mein Leben wichtige Person) anruft und mich braucht, was tue ich?
  • Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?

Wenn ich für mich beschließe, dass ich eine Person um mich haben will, dann bin ich bereit einen höheren „Preis“ zu zahlen (mehr Einsatz zu zeigen), als bei anderen.

Das ist unproblematisch, wenn beide Seiten ähnlich empfinden. Das ist bei langjährigen Freundschaften häufig ein gutes, eingeschliffenes System. Man kennt sich, man weiß was man vom anderen erwartet und erwarten kann. Ein ausgewogener „Markt“ – um beim Preisgedanken zu bleiben. Juhuu!

Bei „neuen“ oder „losen“ Bekanntschaften gibt es häufig erst mal ein Prioritäten-Gefälle. Einer der beiden hat vielleicht etwas mehr Interesse oder mehr Zeit oder mehr der benötigten Ressourcen, um an der Beziehung zu arbeiten.
Falls ich das bin, bedeutet das für mich: Ich schiebe Termine, die ich sonst nicht schieben würde, ich reise ans andere Ende der Welt oder bin bereit mich verletzlich zu zeigen/ zu öffnen, in der Hoffnung, dass sich das Prioritätengefälle ausgleicht.

Hoffen ist nicht erwarten!

Oftmals merke ich erst, dass meine Hoffnung eine Erwartung ist, wenn ich wütend/ traurig werde, den anderen beschuldige oder der Person Vorwürfe mache. Doch Vorwürfe helfen selten und schon gar nicht, um andere davon zu überzeugen, mir eine gewünschte Stellung in ihrem Leben einzuräumen.

Check und Sprich:

Wenn man bemerkt, dass die Erwartungshaltung nicht erfüllt wurde hilft ein erneuter Check:

„Was will ich und was bin ich bereit dafür zu tun? Unabhängig vom anderen!“

Das schützt vor Enttäuschung und eröffnet Möglichkeiten.
Patzig zu werden, wenn eine Person nicht liefert, was man erwartet, schafft häufig nur Distanz. Was oft genau das Gegenteil von dem ist, was man eigentlich will.

Spätestens jetzt sollten Erwartungen kommuniziert werden und Klarheit geschaffen werden, was der andere bereit ist zu investieren. Dann liegt es wieder an dir zu entscheiden ob dir das reicht oder nicht.

Verbindlichkeit ist nicht gleich Verbindlichkeit

Wir haben alle mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Vereinbarungen über Verbindlichkeiten. Manche ausgesprochen, andere nicht. Wenn es anfängt zu kriseln, dann häufig deshalb, weil Erwartungen rund um Verbindlichkeiten nicht eingehalten wurden – in Freundschaften und Beziehungen allgemein.

Eigentlich wird es genau hier spannend. Doch wir haben in unserem Leben begrenzte Kapazitäten an Zeit und Energie um uns mit anderen auseinanderzusetzen.
Daher beginnen wir mit einigen, uns an dieser Stelle auseinanderzusetzen und unsere Erwartungen auszutauschen, um Verbindung herzustellen – ganz verbindlich!
Bei anderen ist es uns einfach nicht wichtig genug, um dafür die nötigen Kapazitäten zu binden.
Das ist nicht egoistisch sondern normal.
Fühlt sich eben nur scheiße an, wenn wir dabei „aussortiert“ werden.

Lass dir gesagt sein – das hat mir dir als Mensch nichts zu tun oder mit deinem Wert, sondern einfach damit, dass du gerade nicht der Spielpartner für das Welterleben deines Gegenübers bist. Nicht mehr und nicht weniger.

Erlebe die Welt – in Verbindung mit den Menschen die mit dir verbindlich sein wollen. In welcher Form auch immer. Werde dir bewusst welche Rolle du wem in deinem Leben zugestehen willst und sei dabei nicht nur ehrlich zu dir sondern kommuniziere das auch an dein Gegenüber. Dann kannst du viel entdecken – in dir und anderen.

Viel Spaß dabei…

Deine Katha

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Dieser Blog ist mein kleiner öffentlicher Raum in dem ich Ideen, Gedanken und mein Erleben teile - in der Hoffnung dass Dir die Zeilen Mut machen, wenn du Ihn brauchst, Ideen liefern, wenn du selbst keine mehr hast und um Dir zu sagen: Du bist nicht alleine! 

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