Februar 16, 2020

Wahrheit und Pflicht!

Ehrlichkeit und Wahrheit???

… was heißt das überhaupt? Was ist der Unterschied zwischen ehrlich sein und die Wahrheit sagen? Sage ich nicht die Wahrheit, wenn ich ehrlich bin? Oder kann ich ehrlich sein und dabei lügen? Und ist das nicht alles eine reine Meinungsfrage, also Ansichtssache?

Wahrheit

Die Wahrheit ist ein fragiles Konstrukt und daher vielleicht auch so oft diskutiert. Ist „nicht zu lügen“ schon die Wahrheit sagen?
Gibt es „die“ Wahrheit eigentlich? Ist das nicht immer eine Betrachtungsweise, eine Perspektive?
Kann eine Meinung, also beispielsweise meine Meinung, eine Wahrheit sein?

Lügen

Ich habe mich diese Woche einige Male dabei erwischt, wie ich einfach nichts gesagt habe, weil ich Konflikte vermeiden wollte und das fühlte sich definitiv unwahr und wie lügen an, dabei hatte ich nicht ein Wort gesprochen. Wahrheit uns lügen ist als vielleicht auch mehr ein Gefühl, als was ich sage? Lügen sind nicht nur falsche Aussagen, falsche Fakten sondern auch Halbwahrheiten oder begrenzte Blickwinkel – dazu aber später mehr.

Die Wahrheit

Ich glaube (meine Meinung!), dass es die Wahrheit nicht gibt! Wahrheit ist eine Glaubensfrage.
Es gibt richtig und falsch, das ist faktisch. Es ist richtig, nach häufigen Erkenntnissen, dass die Erde rund ist. Falsch ist, dass sie eine Scheibe ist, das wurde bewiesen.

Richtig und falsch

Bei richtig und falsch wird aber immer eine Perspektive mitgeliefert, also ein Rahmen in dem ich eine Wahrheit beurteile als wahr oder unwahr sprich: richtig oder falsch. Zum Beispiel: Recht und Unrecht im Blickwinkel des Gesetzes, sonst wäre Rechtsprechung nicht möglich (auch hier nicht so einfach, denn wir bleiben dabei ja Menschen und spannen immer noch einen persönlichen Rahmen auf!)

1+1=2 , 3 wäre mathematisch gesehen falsch, aber die Aussage stimmt, wenn man sie metaphorisch für die Zeugung eines Kindes verwendet! Der Kontext macht’s!

Aber das sind für mich immer Rahmenbetrachtungen und Bildausschnitte auf die wir uns einigen, um uns an das „große Ganze“ heranzutasten.

Wozu brauchen wir Wahrheit überhaupt?

Stell dir mal vor wir würden alle (immer) lügen! Wir brauchen Wahrheit um uns zu orientieren. Lügen wäre Chaos und bringt auch immer Chaos, wenn wir es tun, oder? Wenn ich nicht ehrlich bin zu mir und anderen geht das immer mit Stress, Verwirrung und Problemen einher und dennoch entscheiden wir uns oft dafür.

Warum lügen wir?

Zähle deine Lügen! Wie oft lügst du am Tag und wozu?
Was willst du vermeiden? Was versprichst du dir davon? Bemerkst du es überhaupt? Wie oft benutzt du Floskeln, die eigentlich gelogen sind? „Sehr geehrte Damen und Herren“ als Start einer Mail die man eigentlich gerne mit „Du Vollidiot – kein bisschen ehre ich dich“ beginnen will?! Oder die Antwort „gut“ auf die Frage: „Wie geht’s?“, wenn du eigentlich losheulen willst?

Wahrheit ist (oft) anstrengend – denn sie besteht aus unterschiedlichen Meinungen

Wir leben mit Lügen, weil ständig am großen Bild der Wahrheit zu arbeiten sehr sehr anstrengend ist. Die Wahrheit verlangt, dass wir die Perspektive wechseln, uns in andere hineinversetzen und dann aus unterschiedlichsten Blickwinkeln Entscheidungen treffen, die dann für alle Fälle gelten solle … puuuuh.

Mir fällt das besonders bei politischen Themen auf. Wenn man aus den Debatten mal die Emotionen herausnimmt und das eigene Wertesystem und die eigene Ideologie, dann kann man so manch gesondertes Argument, welches aus dem Kontext gerissen und in einen kleinen, verständlichen Rahmen gepresst wird, durchaus verstehen. Ist es damit aber wahr? Tja … Wer bin ich das zu beurteilen?

Wahr oder wirksam?

Das große Ganze in kleine Stücke zu zerteilen macht es leichter zu entscheiden was richtig und falsch, wahr oder unwahr ist.
Es ist vielleicht global gesehen nicht wahr, aber es ist wirksam? Und gelogen ist es auch nicht wirklich – nur eine limitierte Wahrheit!

Limitierte Wahrheiten und Lügen wirken schneller!

Hier wird es spannend. Wollen wir die ganze Wahrheit oder Wirkung? Ich glaube diese Frage ist der Schlüssel dazu, weshalb häufig „gelogen“ wird. Lügen und reduzierte Wahrheiten können besser lenken (manipulieren) und auf diese Art bekommt man leichter, was man möchte, als wenn man sein Gegenüber befähigt selbst entscheiden zu können und dürfen.

Wer darf die Wahrheit wissen? Wahrheit ist Pflicht!

Frei leben geht mit Pflichten einher! Nicht jeder will die Wahrheit kennen, nicht jeder möchte sich damit auseinandersetzen. Viele Menschen sind mit zu vielen Perspektiven maßlos überfordert  – aber wer entscheidet, wem wir die Wahrheit zutrauen und zumuten und wem nicht? Müsste man nicht alle dazu zwingen sich bei großen Themen mindestens zwei Standpunkte anzuschauen? Jeder sollte sich also mit unterschiedlichen Perspektiven auseinandersetzen müssen!  Das würde uns zwar erst mehr Kraft kosten aber dauerhaft viel Leid verhindern.

Diskussion kultivieren – nicht „Fake News“

Unser Wunsch nach Leichtigkeit und einfachen Entscheidungen in der heute so komplexen Welt ist so groß geworden, dass wir lieber eine stabile Lüge hören, als eine wackelige Wahrheit. Und Wahrheit ist nun mal immer wackelig und wandelbar.
Wir brauchen daher mehr Mut zu einer wackeligen Wahrheit.
Mut dazu,  die eigene Meinung revidieren zu können, ohne dafür an den Pranger gestellt zu werden.
Wir lieben Standhaftigkeit, finden es tugendhaft, wenn jemand verlässlich ist und Klar (Meinungsstarr?), denn dass ich berechenbar, da weiß ich worauf man sich einlässt. Das gibt Sicherheit.
Eine Meinung immer wieder zu hinterfragen und ggf. zu ändern ist verwirrend. Für einen selbst und für andere. Aber das ist der Preis für „die Wahrheit“ wenn wir sie wollen.

Was also tun?

Nicht müde werden zu sagen: „ich habe mich geirrt“, „ich hatte bestimmte Informationen nicht“ und „das ist ein neuer Blickwinkel, den ich vorher nicht hatte“.
Veränderung kultivieren. Unsicherheit kultivieren. Nicht Schwarz-Weiß, ja oder nein und Eindimensionalität, nur weil das leichter ist.
Lasst uns gemeinsam kompliziert sein, um die Welt einfacher zu machen. Lass uns Verwirrung ok finden und lasst uns wild diskutieren, für neue Lösungen, Ideen und Sichtweisen – wer weiß wohin wir dann kommen.
Erlebe die Welt aus allen Blickwinkeln…. ok aus einigen 😉 
Deine Katha
PS: Zu jedem Artikel gibt es eine Geschichte – wenn du die Geschichte dahinter kennen willst, melde dich für den Newsletter an. Dann erfährst du einmal pro Woche, was mich und mein Umfeld umgetrieben hat, was aktuell passiert ist, was mich gedanklich bewegt hat etc., da geht es also noch ein wenig persönlicher zu – so unter uns 😉

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