Oktober 13

Was bleibt, wenn du es „richtig“ machst – Sei der Erste der vertraut

Was bleibt, wenn du es „richtig“ machst – Sei der Erste der vertraut

Katharina

Heute mehr denn je haben wir den Luxus darüber nachzudenken was gut und richtig ist und selten hat uns diese Frage so überfordert. Unsere Welt ist komplex und uns fehlt eine ganz wichtige Zutat zunehmend: VERTRAUEN. Sei du der Erste der die Zutat in den Topf wirft …

Diesen Artikel (bzw. in der Art) wollte ich schon lange schreiben, doch habe es bisher nie getan, weil ich Angst hatte vor der Komplexität.

Wir leben in einer Zeit in der „Schwarz-Weiß Auseinandersetzungen“ beliebt sind, weil sie Komplexität minimieren und nur einen klaren Denkstrang verfolgen (in die eine oder andere Richtung), dem man dann letztlich zustimmen kann – oder eben nicht.

Die Welt ist bunt und nicht schwarz-weiß- Eine Warnung vorab!

Ich versuche daher meist nur einen Gedankenstrang abzuarbeiten. Einerseits um mich zu „sortieren“ aber auch um „Zustimmung“ zu ernten, dich mit meiner Sichtweise zu inspirieren und dich ggf. sogar davon zu beeinflussen. Das ist auch der Grund, weshalb viele meiner Artikel unveröffentlicht bleiben, denn so sehr ich Klarheit liebe, so unvollkommen ist oftmals ein klares „Ja“ oder „Nein“ … sodass ich lieber nichts schreibe als das „JAIN“ zu propagieren. (und damit „unklar“ zu wirken!)

Hinterlässt man eine Vielzahl von Verzweigungen, Möglichkeiten und Perspektiven dann gibt es fast nie einen gedanklichen „Abschluss“ eines Themas. Das ist für mich beim Schreiben unbefriedigend und sicher für dich beim Lesen auch – daher bisher die Vermeidung.

Was zuvor geschah …

Vor einigen Tage schickte mir eine Freundin einen Link zu einem Podast mit dem Folgen-Titel  „What’s left, when you are right“.

Darin geht es im Grunde um die Spieltheorie des Gefangenendilemmas und wie diese in einer Gameshow genutzt wurde.

Das Gefangenendilemma

Eigentlich ist das Gefangenendilemma „rechnerisch“ gesehen total einfach zu lösen. Man entscheidet sich immer am Besten für das, was für beide das Beste ist.
Dazu muss man aber zwei Dinge sicherstellen:

  1. die Spielpartner müssen sich vertrauen
  2. man muss aus der Vogelperspektive entscheiden, sich also von der individuellen Perspektive lösen und nicht nur für sich denken.

Falls du das Gefangendilemma noch nicht kennst, hier schnell erklärt.
Übrigens macht es kaum einen Unterschied, ob die Gefangenen miteinander sprechen dürfen oder nicht glaube ich – was der Podcast auch ganz schön Zeit und viele Experimente die ich miterleben durfte zeigen ähnliche Resultate.

Fragen die ich mir seit dem Podcast stelle

In der Podcastfolge wird erklärt, wie das Spiel aufgebaut wurde, wie die Personen reagieren und wie einer es schafft diesen Spielverlauf zu beeinflussen (so dass es für alle das Beste Ergebnis bringt) – was an sich ein extrem toller Ansatz und hörenswert ist, aber mir gingen am Ende drei ganz andere Fragen im Kopf herum:

  1. Was ist eigentlich „richtig“ und „falsch“?
  2. Warum Werte wichtig sind?!
  3. Warum fällt es uns so schwer zu vertrauen?

Was ist eigentlich richtig und falsch?

Richtig und Falsch zu beurteilen ist immer eine Sache der Perspektive und der Zielsetzung. Geht es um mich oder um uns? Will ich das Maximum für Alle herausholen oder für mich?

Im Beispiel des Gefangendilemmas ist das aus der jeweils individuellen Situation betrachtet immer die Wahl zu gestehen/ die andere Person zu verpfeifen.
Aus der Gesamtsituation betrachtet immer zu Schweigen.

Deshalb funktioniert übrigens das Prinzip Mafia auch so gut, denn der „Verein“ zwingt die Beteiligten immer, die Vogelperspektive zu wählen! Da ist klar vorgegeben was „richtig“ ist! Ob man sich das abschauen sollte bleibt fraglich 😉

Die Frage bleibt also: Entscheide ich „nur für mich“ oder „für uns“.

Das lustige dabei ist – würden sich alle für die Vogelperspektive entscheiden, würde es allen besser gehen – in allem. Doch so einfach ist das leider nicht, denn manche Entscheidungen muss (oder sollte man) egoistisch und individuell treffen. Zudem sind nicht alle Entscheidungen nach dem Prinzip des Gefangenendilemmas aufgebaut, sodass es oft noch ganz andere Konstellationen gibt und damit noch schwerer zu sehen wird, was „richtig und falsch“ ist für das „Große Ganze“.

Richtig und Falsch für wen also?

Ich habe plötzlich angefangen mich zu fragen, ob ich immer weiß was richtig und falsch ist für „Alle“. Selbst, wenn ich diesen Wunsch hegen würde, mich künftig so zu verhalten, dass ich immer im Sinne des Allgemeinwohls handle.
Mir sind dabei gleich mehrere Situationen durch den Kopf geschossen: Als ich einen meiner früheren Chefs darauf hingewiesen habe, dass sein Führungsstil „Banane“ ist. War das „gut“ für das Allgemeinwohl oder wäre es besser gewesen zu kündigen und die anderen der Situation zu überlassen, in dem guten Wissen, dass sie das selbst schaffen?
Diese Vogelperspektiventscheidung hat auch immer etwas von „ich traue den anderen diesen Schritt nicht zu, daher muss ich das übernehmen“. Ist es also vielleicht „richtiger“ die anderen so lange im Leid zu lassen bis sie sich bewegen müssen? Selbst Verantwortung übernehmen? Auch immer die zu sein, die alles auf den Tisch packt ist häufig aus guter Absicht geschehen … doch war es „richtig“ oder einfach nur meine Unfähigkeit bestimmte Situationen länger zu „ertragen“? Richtig oder Falsch zu beurteilen geht selten im eigentlichen Moment, sondern häufig erst beim Blick auf das Ergebnis und selbst da können wir nicht sicher sein, ob es sich auf andere Weise nicht auch geklärt hätte?!

Richtig oder Falsch gibt es also nicht, oder doch?

Und hier kommt die Frage nach den Werten ins Spiel. Richtig oder Falsch gibt es glaube ich global gesehen nicht. Man kann nur für sich eine Art Richtschnur bauen und sich daran entlanghangeln, falls man überhaupt das Bedürfnis hat sein Leben in „richtig und falsch“ zu unterteilen (auch das kann und sollte man hinterfragen!).

Kenne deine Werte

Wenn du dich also für dich „richtig“ leben willst, dann wirst du für dich klarzurren müssen, welcher Mensch du sein willst (easy – ich weiß! Haha) und dazu gehört ein Wertesystem, über welches man sich mal ernsthaft Gedanken machen sollte.

Es gibt nämlich, wenn du dich mal eine Weile analysierst und beobachtest einfach bestimmte Dinge, die für dich einfach wichtig und richtig sind bzw. wichtiger und richtiger als andere. Werte sind ebenso wie Gut und Schlecht, Richtig und Falsch auch nicht absolut (eben nicht schwarzweiß).

Man kann zum Beispiel ein nachhaltiger Mensch sein und dennoch Flugreisen unternehmen. Dann macht man eben zu Hause alles andere „richtig“. Hat kein Auto, isst keine Tierprodukte, besitzt kein Auto oder oder oder … Als Gesellschaft haben wir hier immer gerade nur eine Lösung parat Elektroautos statt …. , Soja statt … , Jute statt Plastik und wenn man genauer hinsieht sind all die Ersatzdinge auch irgendwie wieder „falsch“. Statt also ein „gut“ und „böse“ Label zu verteilen sollte man viel eher offen sein für Komplexität, Austausch, Kommunikation und das finden von Lösungen die gänzlich neu denken, statt altes Denken substituieren. … ich Schweife ab … das ist aber heute erlaubt …

Zurück also zu den Werten:

Ich habe mich oft, lange und häufig damit beschäftigt, welche Werte ich habe und je länger ich mich damit befasse umso weniger deutlich ist mein Wertesystem. Leicht zu erkennen ist es, wenn ich an Situationen denke und wie ich in diesen gehandelt habe. Dann fällt mir auf, dass mir Offenheit/Ehrlichkeit wichtig ist. Ich sage meinem Chef also was Phase ist (aus meiner Perspektive) weil mir wichtig ist, dass ich mich im Spiegel anschauen kann am nächsten Morgen wenn ich wieder nörgle wie kacke ich Jemanden oder dessen Handeln finde. Das erlaube ich mir aber nur in vollen Zügen, wenn ich dieser Person das auch gesagt habe, denn sonst fühle ich mich verlogen. Ehrlichkeit nimmt aber beispielsweise an Wichtigkeit ab, sobald ich jemanden nicht verletzen möchte und das damit täte. Schwupps, schön verschiebt sich mein Wertegefüge.

Auch hier also wieder: Es kommt darauf an!

Dinge die uns allen wichtig sin!

Es gibt Dinge in denen sind wir alle gleich, das wollen wir alle. So zum Beispiel die Wahrung unserer Würde. Das mag man hier und da „abstempeln“ als „Leg deinen Stolz ab“ aber ej, das erste Grundgesetzt besagt genau das: Wahrt eure Würde und die des anderen und plötzlich sollen wir auf uns herumtrampeln lassen? Wie soll das gut gehen?

Warum fällt es uns so schwer zu vertrauen?

Darüber hatte ich mir noch nie mit Hilfe der Spieltheorie Gedanken gemacht, es wurde aber nach dem Hören dieser Folge so plastisch für mich: Wer auf das Gute im Anderen Vertraut geht ein extrem hohes Risiko ein, der „Depp“ zu sein – also seine Würde zu verlieren. Keiner will in seinem Leben der Depp sein. Logisch oder?

Die Gefühle von „Würde“, „Eher“, „Stolz“ ist einfach etwas, dass wir für uns bewahren wollen. Auf kleiner sowie großer Ebene, das kann unser System leider nicht unterscheiden. So ist also für unser System (unsere Psyche unseren Körper) sowohl eine öffentliche Herabwürdigung unserer Person genau so würdelos wie zu hören, dass ein Mensch, dem wir gerade unsere Gefühle gestanden haben kein Interesse an uns hat.

Wir erhalten also oftmals lieber unsere Würde und sagen nichts oder zerstören im Voraus nur um diesen hohen Wert in uns nicht zu verletzen.

Das Risiko verletzt zu werden ist oft einfach zu groß

Die eigene Würde zu verlieren, verletzt zu werden und der „Depp“ zu sein ist oftmals einfach zu riskant, um zu Vertrauen. Denn das würde bedeuten, dass ich in das Gute im anderen Glauben muss. An die Übereinstimmung von Werten und Gefühlen. Da wir aber wissen, wie wackelig wir da schon selbst je nach Situation sind … wie sollen wir dann einem anderen vertrauen (Geschweige denn einer ganzen Gruppe) ?

Einer muss den Anfang machen

Vertrauen entsteht aber nicht durch Zu-Machen und Zurückhaltung, sondern durch den Mut verletzt zu werden und dadurch, die eigene Würde eben nicht als höchsten Grundsatz zu wählen. Kann ja sein, dass die Würde am Ende bleibt. Die Bereitschaft diese als Preis für ein anderes Ergebnis in den Ring zu werfen, ist die hohe Kunst des Vertrauens.

Zum Schluss

Ich versuche jetzt nicht alle Fragen, die ich hier gestellt habe zu beantworten. Auch nicht, alle Fäden zu einem Ende zu führen und alle Themen abschließend zu beschreiben, sondern belasse es hierbei.

Ich wollte endlich mein so häufig empfundenes Gefühl von „es ist eben kompliziert“ mit dir teilen. Dabei sollte aber eins nicht ungesagt bleiben: JA, es ist kompliziert – nicht an/aus, schwarz/weiß! Das strengt an und nervt manchmal auch echt!
Denn gern würde ich alles richtig machen, wenn ich wüsste was das ist. Aber es ist nun mal wie es ist. Ich bin gleichermaßen überfordert und fasziniert von dieser Welt, dem Leben, von Menschen und von allen, die sich mir auf dieser Reise solchen Fragen und Ideen stellen.

Danke! Für’s dabeisein, zuhören, mitlesen, austauschen, deinen Input, deine Denkanstöße und überhaupt für deinen irgendwie gearteten Gleichklang mit mir, sonst hättest du dashier nicht gelesen.

Wir sind vermutlich alle viel ähnlicher und wollen sehr viel Gleicheres, als wir zugeben oder ausdrücken können. Darauf zu vertrauen, dass „alles gut geht“, die Menschen an sich „gut“ sind und die Spinner nur eine Ausnahme! Das möchte ich in meiner Welt erleben und beweisen 😉

Also lass uns weiterhin die Welt erleben in allen Farben, Formen und Perspektiven.

Deine Katha

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Wer hier schreibt?

Dieser Blog ist mein kleiner öffentlicher Raum in dem ich Ideen, Gedanken und mein Erleben teile - in der Hoffnung dass Dir die Zeilen Mut machen, wenn du Ihn brauchst, Ideen liefern, wenn du selbst keine mehr hast und um Dir zu sagen: Du bist nicht alleine! 

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