Reisen war bei uns seit jeher ein Teil Familienkultur. Da meine Eltern aus Polen stammen und meine Großeltern noch dort lebten, gehörte es ganz einfach dazu, mindestens 1-2 Mal im Jahr, das Auto zu packen, die Kinder, später auch noch den Hund, und 1200km auf 4 Rädern zurückzulegen.
Das waren Zeiten. Ich kann mich noch an Fahrten ohne Klimaanlage erinnern. Wir klemmten Handtücher in die Fensterschreiben, um die Sonne davon abzuhalten das Auto auf ein Unerträgliches aufzuheizen. Jedes Jahr tüftelten wir bessere Konstruktionen aus, wie der Sitzbereich im Auto komfortabler gestaltet werden konnte und wie es möglichst lange angenehm kühl blieb, aber das Wichtigste war ohnehin der Entertainmentsektor.
Kassetten, Bücher, Magnetspiele, Kartenspiele, Walkman und später dann das absolute Highlight – der Game Boy! Meiner Eltern kennen heute noch sämtliche Lieder von Kinderhörspiel- und Musikkassetten und danken dem Erfinder von Walkman und Kopfhörer, die ihnen stundenweise eine Hinhörpause gönnten.
12-14 Stunden, 2 Grenzübergänge, zahlreiche Staus und schlechte Landstraßen später war er da – Der Urlaub.
Da wir also alle Autoerprobt waren, gab es für uns „keine Entfernung“ mehr, wie mein Vater immer so schön sagte. Italien, Griechenland, usw. sowie hier und da einige Wochenende in relativ näherer Umgebung wurden so auch zu Zeiten ohne Billigflieger in Angriff genommen und ich lernte schnell: Die Welt ist groß und sehenswert!