Meine Meinung ist … immer eine andere.

Meine Meinung ist immer eine andere, wandelbar, wirr! Das mag verwirrend klingen, ist es auch! Vor allem für mich und nur in zweiter Linie sicherlich auch für die Menschen, die es mit mir zu tun haben.

Ich ändere meine Meinung – oft und gern. 

„Das ist aber nicht sehr verlässlich“ oder „sympathisch“ oder „wie soll ich da auf dich bauen?“  sind nur einige Beispiele von Reaktion, auf meinen Ausspruch, dass ich mir die Freiheit nehme, mein Denken zu überdenken und frei nach dem Motto zu leben „Was juckt mich mein Geschwätz von gestern?“

Das war nicht immer so, das ich mir Meinungsänderungen erlaubt habe, denn berechenbarer, kontrollierbarer und einfacher ist es eine Richtung einzuschlagen und sich dann auch daran zu halten. Für alle Beteiligten. Es ist so schön verlässlich. Man definiert einfach eine Wahrheit und hält sich dann daran, … sonst lügt man ja! Aber so einfach ist das eben nicht mit Wahrheit und Lüge, Meinung und anderer Meinung.

An oder Aus, schwarz oder weiß …

Das Festhalten an meiner selbst gewählten Meinung hat sich als wenig lebensnah und -förderlich erwiesen über die Jahre. Statt meine Meinung zu ändern, sollte sich das Leben ändern! Lass dir gesagt sein, das ist viel schwieriger, als den eigenen Standpunkt und die Sichtweise zu etwas zu verändern. Also warum’s schwer machen?

Leben ist eben nicht schwarz – weiß sondern beides … und mehr!

Das heißt nicht, dass ich ein Fähnchen im Wind geworden bin, mir immer den einfachsten Weg suche oder gar keine wirkliche Meinung zu etwas habe, aber „es kommt nun mal darauf an“. Und heute ist eben vielleicht anders als gestern – aus vielerlei Gründen.

Manchmal ist meine Meinung nicht mehr so wichtig, in einem bestimmten Kontext, manchmal erfahre ich etwas, erhalte also eine zusätzliche Information, die meine Meinung verändern (muss), da ich diesen Aspekt vorher nicht kannte und manchmal ist mir ein Wert und das Gefühl eines Menschen wichtiger, als meine Meinung.

Es gibt also viele Gründe meine Meinung zu ändern, zu unterdrücken, nicht zu äußern oder sie gänzlich umzustoßen. Manchmal ist es einfach auch nur die Lust am Lernen, denn eine andere Meinung anzunehmen hat mich gelehrt, dass ich viel über mich und andere lerne.

Die Verwirrung die damit einher geht …

Mit meiner eigenen Verwirrung komme ich mittlerweile ganz gut klar, mit dem Urteil meines Umfelds darüber, was ich gestern gesagt habe und heute meine, tue ich mir dagegen noch etwas schwer, denn ich will gemocht, akzeptiert und respektiert werden und „Verwirrten“  wird dieses Recht oft abgesprochen. Verwirrte machen ihrer Umwelt Angst!

Dabei heißt Verwirrung doch, die Bereitschaft zu zeigen etwas zu entwirren und für andere offen zu sein, denn ist mein Weg in Zement gegossen, ist kein Platz für Neues. Kein Platz für Andersartigkeit und auch kein Raum für Alternativen. Welch‘ verschenktes Potenzial.

Wer die Angst vor Verwirrung loslässt, schafft Raum für Hingabe, Liebe und Verbindung und das ist mir wichtiger als (m)eine Meinung.

Hierzu ein Ted-Talk einer 15 Jährigen, die gut zum Ausdruck bringt, dass wir keine zweidimensionalen Charaktere eines Comics sind, die An oder Aus, Gut oder Schlecht, So oder so sind, sondern eben ALL DAS ZUGLEICH … und wir versuchen alle, ob Mann oder Frau, etwas herauszufinden … über uns, über andere, über das Leben …

Sei mutig Deine Meinung zu ändern, sei mutig Antworten zu suchen, dich zu finden, das Leben herauszufinden … und auch wenn ich keine 15 mehr bin (wie die junge Dame in dem Video), versuche auch ich noch immer „to figure it out” … das ist nun mal die Reise auf der wir uns befinden.

TED TALK von Tavi Gevinson

Die Welt liebt dich … verwirrt, oder?

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