Sag einfach „JA“ …

Wenn du diesen Blog schon eine Weile verfolgst, dann hast du vielleicht schon gelesen, was ich vom „Ja-Sagen“ halte (hier), falls nicht, hier eine kurze Zusammenfassung: Ja-Sagen kann (und wird) dein Leben verändern! 

„Ja“ sagen hat dabei jedoch absolut nichts mit dem zu tun, was landläufig als „Ja-Sager“ beschimpft wird.  Es geht nicht darum den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und es einfach allen recht zu machen, sondern darum, mit einem „ja“ dem eigenen Leben mehr ….. zu bieten! Mehr Lebendigkeit, mehr Licht, mehr Freude, mehr Lernen … mehr Spiel- und Entdeckungsraum!

Welches „ja“ lässt dich mehr erleben?

Mehr „Ja“ sollte man also zu Dingen, Menschen und Situationen die unbequem sind, Zeit kosten und daher vielleicht auf den ersten Blick „aufwendig“ sind, aber dann dazu beitragen, dass das eigene Leben etwas bunter, schöner, erzählenswerter und erlebnisreicher wird. Das sind die „JAs“ von denen ich spreche.

Year of Yes

Ich war also Feuer und Flamme als mir das Buch  Year of Yes von Shonda Rhimes (deutscher Titel: Das „JA“ Experiment) in die Hände fiel. Super!

Der Name „Shonda Rhimes“ war mir erst einmal fremd, was sich schnell änderte, als ich erfuhr, dass ich das Buch der Erfinderin von Grey’s Anatomy in den Händen hielt. Selbst als Nicht-Besitzerin eines Fernsehers und als „sich-keine-Namen-merken-Könnerin“ war mir diese Serie jedoch durchaus ein Begriff. Wie diese Frau jedoch noch mehr „Ja“ nötig hatte war mir erst mal ein Rätsel.

Wir alle haben JAs vor denen uns graut – auch Superhelden haben Schiss.

In meinem Ja-Experiment hatte ich schon festgestellt, dass Ja-Sagen unglaubliche Kraft haben kann und mein Leben verzaubern kann. Gerade wenn ich JA sage zu etwas, wovor mir eigentlich „graut“. Welches Ja macht mir Angst? Genau diese JAs erzeugen Lebendigkeit. Genau diese JAs hat jeder. Ist man auch noch so berühmt, reich, risikofreudig und superheldenmäßig unterwegs. Auch Superhelden fürchten einige JAs.

Leider hatte ich mein Experiment in den letzten Monaten wieder schleifen lassen, sodass mir das Buch von Shonda gerade recht kam, um mein Ja-Jahr wieder zu starten. Aber das war für mich nicht das, was mich an dem Buch so begeistert hat, auf dies Ja-Sag Idee war ich auch schon gekommen und hatte erlebt, was es machen, verändern und verbessern kann.

Hier also meine neu- und wiedergewonnenen JA’s – dank Shonda:

  1. Ja zum Nein
  2. Ja zu echten Menschen
  3. Ja zu Komplimenten
  4. Ja zu mir

Ja zum Nein

Klingt erst einmal komisch, aber dann logisch. Wenn ich etwas durchdenke, einem JA die Möglichkeit gebe und dann ganz klar jede Pore in meinem Körper und Geist NEIN sagt, dann sollte das ja als OK für das Nein verstanden werden.
Hä, wie jetzt? …. also nochmal – es ist leichter als es scheint.

Wenn mich morgen jemand fragen würde, ob ich Bungee springen gehen will, dann wäre die „Regel“, die ich mir selbst auferlegt habe „Ja“ zu sagen. Mein ganzer Körper aber schreit „Nein“.
Ok, ich habe Schiss vor Höhen dieser Art. Ein Kran ist nicht gerade mein natürlicher Lebensraum und ich glaube das hat einen Grund! Aber es ist das Jahr der JAs und zwar der Superheldenhafen JAs, also müsste ich das durchziehen, oder?  Ja sagen zu einer ollen Vernissage kann schließlich jeder – stimmt!

Ich könnte also auch JA sagen, es könnte das Gefühl meines Lebens werden und ich könnte dankbar sein, dass ich endlich einen derartigen Adrenalinschub erfahren durfte. Vermutlich würde es so laufen, ich würde mir auf die Schulter klopfen, dass ich das gemacht habe. Superheldenhaft!

Viele Bücher empfehlen einem ja auch „aus seiner Komfortzone“ zu gehen, denn da fängt schließlich das wirkliche Leben an … naja oder es endet eben dort!

Ich wäge also ab! Ist meine Angst begründet? Habe ich etwas davon diese Angst zu überwinden? Was bringt mir das „JA“? Worst Case – best Case … Ja sagen sollte schließlich nicht bedeuteten das DENKEN aufzugeben !!!

Ich kann Adrenalin auch anders in meine Leben bringen, ich muss mich nicht für ein JA in Lebensgefahr begeben um etwas nur um des „Ja“sagen Willens zu tun.
Ich möchte das einfach nicht. Ja zu diesem Nein! Das ist mir für ein Spiel mit mir selbst einfach zu gefährlich, denn querschnittsgelähmt in einem Rollstuhl zu sitzen wäre sicher nicht die Erinnerung die ich gerne an ein „Ja“-Jahr hätte. NOPE! Aber auch hier erlaube ich mir eine Meinungsänderung! Wer weiß schon was morgen bringt!

Ja zu echten Menschen

Wir sagen viel zu häufig „Ja“ zu den falschen Menschen. Also ich für meinen Teil tue das. Ich kreiere mir Menschen in meinem Kopf so, wie ich sie gerne hätte und sage dann „JA“ zu meiner Kreation. Mit der Realität hat das oft gar nichts zu tun, aber ich traue mich nicht, mein Bild zu ändern, zu fragen und tatsächlich den echten Menschen kennen zu lernen. Gerade wenn ich glaube das ein Mensch besonders toll und wunderbar ist.

Häufig endet so etwas in einer Enttäuschung und was bleibt ist ein erschüttertes Ich, das sich fragt: „Wie konnte das passieren? Wie konnte ich das nicht sehen?“
Ehrlich? Ich hab’s gemacht! Erfunden, ausgeschmückt, fantasiert, erdacht – ich hab mich belogen und ich wollte es so!

Dabei ist es gar nicht schwer die „echten“ Menschen kennen zu lernen, wenn man Ja zu ihnen sagt. Das bedeutet mehr Zeit, mehr Mut zum Nachfragen und ggf. ein schnelles Herausfinden, dass man sich von seiner magischen inneren Geschichte lösen muss. Das ist traurig, denn diese selbsterzählte Geschichte über eine andere Person ist oft so schön! Romantisch, herzergreifend und leicht. Es könnte so schön sein, wenn es wahr wäre.  … so die Hoffnung, wenn ich langsam merke es könnte lediglich „Erfindung“ sein … doch die Hoffnung stirbt am Ende doch! Also JA zum Nachfragen, zum wirklichen Kennenlernen, zum offen sein für die Wahrheit und für die Geschichten des Gegenübers. Ja – zu meinem echten Gegenüber.

Ja zu Komplimenten

Dieses Ja hatte ich in anderen Zusammenhängen auch schon erfahren, aber nie auf meine ToDo Liste gesetzt. Ein Kompliment einfach anzunehmen. Sich dafür zu bedanken und ENDE. Verrückt! 😉

Kein Erklären, kein Abstreiten, kein „ach das war doch nichts“ … nur „Danke“ und nichts weiter.
Jemand könnte dann doch tatsächlich denken ich sei stolz auf das, was ich tue. Jemand könnte meinen, dass ich mich gut finde! OH MEIN GOTT !!!! Ja, das wäre fatal! Try me !!!
Hier lasse ich künftig meine Superheldenhaftigkeit zum Einsatz kommen – das ist ganz und gar nicht leicht!

Ja zu mir

Passend zum Komplimente-Ja ist das letzte Ja. Auch das ist kein „neues“ Ja, aber ein wichtiges, das ich mir nicht oft genug ins Gedächtnis zurückrufen kann.

Sich gut finden, selbstbewusst sein – aus tiefstem Herzen, sich selbst ein guter (oder gar der beste Freund)  zu sein … all das scheint in unserer Gesellschaft irgendwie ein schlechtes Image zu haben.
Auch Shonda berichtet davon in ihrem Buch. Wir werden dazu erzogen bescheiden und demütig zu sein. Sicherlich bis zu einem gewissen Punkt auch fabelhafte Tugenden. Wir perfektionieren diese Fähigkeiten aber bis zu dem Punkt, an dem wir uns verlieren.
Unser Wohl wird hinter allen angestellt, das Ausbeuten der eigenen Person wird zu einem anerkannten Charakterzug, dem es nachzueifern gilt und dann wundern wir uns über Burnouts und Depressionen?

Nachdem wir so gut darin geworden sind uns „weniger wert“ zu machen, anderen stets den Vortritt zu gewähren und all sowas, verschreiben wir uns dann Seminare, Kurse und/oder Therapien, die uns dabei helfen sollen, genau all das wieder in uns zu finden.

Selbstwert, Selbstliebe und Respekt für uns selbst! Es wäre lustig, wenn es nicht traurig wäre! Also bevor es zu spät ist heißt es nun „JA zu mir“ ohne Scham – ohne dabei trampelig oder unachtsam zu sein und andere zu überfahren, denn das ist die wahre Kür. Porzellan-Elefant kann jeder!

Projektstart – Gelegenheiten suchen und finden

Nun also los. Es wird spannend und lebendig! Wenn nicht schon das „ja“ alleine dieses Experiment wertvoll macht, dann auch der Fakt dass ich mich, um überhaupt Ja sagen zu können in Situationen begeben muss, in denen mir überhaupt eine Entscheidung „mache ich“ oder „mache ich nicht“ abverlangt wird.

Manchmal braucht es dazu ein „wo will ich hin?“ oder „welches „JA“ könnte mich weiterbringen um mich dann in eine solche Situation zu begeben. Manchmal ist schon „einfach irgendwo hingehen“ ein „JA“. Falls du mitmachst, könnte es sein, dass es dir da geht wie mir, dass „da sein“ oft schon das Maximum an „Ja“ für einen Tag ist.

Und weil es schließlich kein „Ja-Kampf“ sein soll, ist es dann auch gut das anzuerkennen, sich selbst ein Kompliment auszusprechen und Ja zum „mehr geht gerade nicht“ zu sagen 🙂

Erlebe die Welt – in deinem Tempo, mit deinen JAs, denn die Welt liebt dich … wenn du sie lässt.

Was sagst Du?