Einfach mal die Füße stillhalten! Das wäre oft so hilfreich!

Unsere Füße still zu halten ist nicht unbedingt am Puls der  Zeit. Alles tanz, läuft schnell, rennt und wir wollen uns mitbewegen und ich persönlich bin mir damit oft zu schnell. Reagieren ist an der Tagesordnung.

Warum „Nichts“ zu tun oftmals besser wäre, aber verdammt schwer ist und wie man es dennoch schafft!
Ich weiß, dass ich mit meinem „blindem Aktionismus“ nicht alleine bin. Wir reagieren häufig, wo wir uns eigentlich entspannt zurücklehnen und abwarten sollten. Füße stillhalten und Kaffee/Tee trinken wäre gut, aber so einfach ist das leider nicht!
Gerade dann, wenn die beste Aktion wäre, eine Pause zu machen, tappe ich in die „ich muss was machen“ Falle. Trotz besseren Wissens läuft man so in sein Verderben. Heute also der Versuch einer Erklärung, weshalb das immer wieder passiert und welche Ideen es gibt, nicht immer in die eigene Falle zu tappen.

Situationen in denen die Füße jucken und zucken

Der Nachtisch:
Wir kennen diese Situationen alle schon aus der Kindheit: Mama hat gesagt es gibt jetzt kein Eis, sondern erst nach dem Essen und statt dass Essen abzuwarten und dann ganz automatisch ein Eis zu bekommen passiert DRAMA!  Bei einem oder einer Dreijährigen mag das nachvollziehbar bzw. akzeptierbar sein, aber ehrlich gesagt bin ich heute an vielen Stellen im Leben noch immer eine Dreijährige wenn es darum geht abzuwarten und Dinge automatisch kommen zu lassen. Nicht beim Nachtisch, aber das soll nur eine Metapher dafür sein, dass es völlig irrationale, nicht nachvollziehbare Situation gibt für Ungeduld und Aktionismus. Wenn du das auch kennst: Super! Wir sind nicht alleine!

Die Bewerbung: 
Vor einigen Tagen rief mich eine Freundin an, die sich gerade auf eine neue Stelle bewirbt und ihre Bewerbung vor 7 Tagen abgeschickt hatte. „Soll ich da mal anrufen, die haben sich noch nicht gemeldet?“ … ich verstehe die Frage, denn wann sollte man tatsächlich Nachfragen, um seine Chance nicht zu vertun, weil die Bewerbung vielleicht tatsächlich nicht eingegangen ist? Wann ist das aber dann schon das KO Kriterium, weil man direkt als „boa die nervt“ in die Bewerbungsgeschichte eingeht?!

Das Date: 
Er oder Sie meldet sich nicht gleich nach einem schönen Tag. War er schön? Ja war er! Habe ich vielleicht doch etwas falsches gesagt oder getan? Die Gespräche gehen durch alle Gehirnwindungen, jede Sekunde wird eingezoomt und in Zeitlupe abgespielt – immer und immer wieder um zu überprüfen, ob tatsächlich alles „schön“ war – oder gibt es vielleicht doch einen Grund für die „lange“ Funkstille?!

Die Angst vor Enttäuschung

Egal welches der obigen Szenarien – oder welches sonst noch so ähnlich abläuft! Das, was uns aktiviert ist Angst und Unsicherheit. Unsicherheit, ob wir darauf vertrauen können, dass jemand sein Versprechen hält. Unsicherheit ob wir überzeugen und gut genug sind und Angst oder Unsicherheit darüber ob wir liebenswert sind oder eine Situation richtig einschätzen und uns auf unser „Bauchgefühl“ verlassen können. Wir könnten enttäuscht werden. Von unseren Eltern, von anderen, von uns oder von einer Situation. Das ist ein scheiß Gefühl, denn man kann nichts tun außer abwarten und das bedeutet Kontrolle abgeben.

Im Gefühl der Angst soll man Vertrauen?

Die Füße still zu halten, würde in dieser Situation bedeuten: zu vertrauen. Auf das Leben, darauf dass schon alles gut gehen wird, auf andere Menschen usw. doch genau das fühlt sich unmöglich an, wenn wir doch etwas wirklich gerne möchten.

Der Job ist lala? Dann jucken keine Füße und auch bei einem „netten“ Date ist es leicht das Telefon nicht mit hypnotischem Blick zu fixieren, sondern sich dem Alltag weitere hin zu geben. Die Kunst ruhig zu bleiben, abzuwarten und zu agieren statt zu reagieren liegt in den Situationen die uns wichtig sind.

Füße jucken wenn es wichtig wird

Die gute Nachricht: Wenn deine Füße jucken, kannst du dir sicher sein, dass es gerade um etwas geht. Es ist nicht egal und das ist ja auch schon eine gute Info, oder?  Doch was mache ich, um ruhig zu bleiben und nicht zu handeln wo es eigentlich Ruhe und Pause braucht? 

3 Tipps die (mir) manchmal helfen und 1 Tipp wenn alles schief geht

Ich kenne mich ein wenig und ich weiß, wie ich handle, wenn ich unsicher bin oder wenn „meine Füße jucken“ , sodass ich einige Bremsen habe, die hier und da auch funktionieren. Vielleicht ja auch für dich 😉

  1. Stoppschilder basteln – das meine ich natürlich im übertragenden Sinn. Wenn es um den Kontakt zu jemandem geht (potenzieller Arbeitgeber oder Partner usw) lösche ich die Nummer aus dem Handy oder die Email aus den Kontakten, damit ich nicht schnell mal eine Nachricht schreiben oder Anrufen kann, sondern zumindest nach einem Zettel suchen musst. Das zwingt zum Anhalten.
  2. Ich rufe eine Freundin an – sie kann mir Argumente bieten die mein Hirn vergessen hat 🙂
  3. Ich mag Spiele und das Abhaken von Listen! Wenn ich mir also einen Zeitraum vorgebe in dem ich die Füße stillhalten will motiviert mich das Ankreuzen im Kalender von Tagen, an denen ich genau das geschafft habe. Ich trete also mit mir in einen Wettbewerb.

Wenn alle Stricke reißen, dann hänge dich nicht daran auf!

Natürlich hilft auch Tee trinken, Yoga, Sport, Durchatmen, anderer Fokus, und und und … und manchmal da mache ich aaaaaaaaaaaaaall dass und am Ende Tanze ich mit wild herumwirbelnden Füßen.

Fuck! Joa, war nicht der intelligenteste Move, aber sich dafür dann auch noch fertig zu machen bringt ja auch nichts. Ich habe eben manchmal keine Kontrolle über Dinge. Dann kann ich nur versuchen etwas mehr über mich zu lernen statt noch mehr in Enttäuschung zu versumpfen.

Hätte hätte Fahrradkette ist dann eben unsinnig. Ja, Ruhe wäre gut gewesen, Stille und Starre zum überlegten handeln auch, aber manchmal da gewinnt einfach das Kind in uns.
Das legt sich dann auf den Boden, weint, trommelt und flucht, um das Eis JETZT zu haben und nicht erst nach dem Rosenkohl. Manchmal da wollen wir eben nicht abwarten, weil wir einfach bedürftig sind. Das dann zu erkennen und sich selbst ein guter Freund zu sein macht dann einfach langfristig mehr Sinn, als sich vorzustellen wie sehr man jetzt sein Leben versaut hat. 

Natürlich ärger ich mich über mich, wenn ich die Füße nicht still und die Klappe nicht halten konnte. Am Ende glaube ich aber, dass unser Umfeld gar nicht so hart zu und mit uns ist.
Wenn ich für den Job passend bin, dann habe ich vielleicht etwas über die Stänge geschlagen, genervt und es schwerer gemacht als es war,  aber dann versaue ich mir dadurch noch lange nicht eine Einladung zum Gespräch. Und die richtige Person wird sich auch nicht genervt fühlen, wenn ich mal nachfrage, wann wir uns wiedersehen.

Am Ende kommt zusammen was passt und wenn nicht, hat’s nicht gepasst.

Platter Spruch? Vielleicht, aber es ist genau so eingeredet, wie „ich habe alles versaut“, denn wir werden es nie wissen und oft ist ein Ergebnis eine viel komplexere Mischung. Also lieber mit positivem statt mit selbstzerstörerischem Glauben rangehen.

Beim nächsten Mal einfach wieder üben, die Füße etwas länger etwas stiller zu halten. Ich übe noch und rede mir oft einfach auch ein, dass ich eben lieber Tanze 😉 auch wenn ich merke, dass ich mich mit dem Tempo manchmal überfahre oder ermüde.

Erleben, bemerken, justieren und Freude beim Selbstentdecken haben, dann ist das Ergebnis nicht ganz so wichtig und damit ein „Danebenhauen“ auch nicht so dramatisch.

Erlebe deine Welt.
Was sind deine Stopps und was bringt deine Füße zum vorschnellen zucken?
xoxo
<3 K.

 

Bild: Photo by Claudia van Zyl on Unsplash