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Das Leben spielt oft zwischen den Zeilen

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Liest und hörst du auch ab und an zwischen den Zeilen?

Ich versuche ja möglichst direkt zu sagen, was ich ausdrücken will, statt es dem Zufall zu überlassen oder eben den „Zwischenzeilen“.
Dennoch sende ich, wohl immer noch häufiger als mir lieb ist, Störgeräusche mit. Vor einigen Monaten beantwortet ich eine Mail an einen Interessenten, den ich wirklich für super dämlich hielt. Da ich das natürlich nicht kommunizieren konnte/wollte, schrieb ich den schönsten Text, mit den freundlichsten Worten und schickte die E-Mail ab.

Ich war stolz das so gekonnt und souverän verschleiert zu haben – bis die Antwort kam .

Ich war aufgeflogen …

Und ich konnte mir nicht erklären weshalb.
Ich las die Mail einer Freundin vor die direkt fragte: „Du hältst ihn für einen Idioten, oder?“

Ich weiß ja, dass ich ein Gesicht habe, das mein Emotionen völlig unkontrolliert abbildet, aber DAS war mir neu!
Woran merkt man das???
Wir konnte es beide nicht an spezifischen Ausdrücken festmachen aber fest stand: Ich hatte mein Gefühl in der Mail mehr als deutlich mitgeschickt – fast so als hätte ich direkt geschrieben: „Du Idiot!“.

Meist ist an diesem Gefühl was dran

Wenn dein Gesprächspartner (ja auch per Mail!) nicht gerade so dumpf wie ein Wattebausch ist, dann bekommen der Mensch so etwas mit.
Diese Zwischentöne! Das NICHT-Gesagte, den Text zwischen den Zeilen.

Der klassisch Fall von: „ja ja, alles ok“ dabei ist #nixistok!!!!

Seit der beschriebenen Geschichte versuche ich meist, bevor ich eine Mail in Rage verfasse, erst einmal Abstand zu gewinnen.
Es macht nämlich einen Unterschied, ob ich eine Mail schreibe in der „du Vollidiot“-Stimmung oder in einer neutralen (oder zumindest neutraleren) Haltung.
Also erst mal ein bisschen runterregulieren!

Aber man kann auch zu viel Reinlesen!

Das zweite Zwischen-Den-Zeilen-Lese Phänomen ist, dass das reingelesene Gefühl auch komplett selbstgemacht sein kann.
Man liest dann viel mehr rein, als das, was wirklich gesagt wurde. Meist passiert das, wenn einem die Person nicht egal ist. Das macht es auch so schwierig zu unterscheiden zwischen tatsächlichen Zwischentönen und Fehlinterpretationen. Da hört man vor lauter Bäumen die Botschaft nicht (oder so ähnlich).

Dann stellt man sich plötzlich bei jedem Satz innerlich Fragen wie:

  • Ist sie sauer? … wie kommst du darauf?
  • Wie hat er das gemeint? … vermutlich genau so wie es gesagt wurde!?
  • Hab ich was falsch gemacht? … meist ist man weniger Zentrum bei jemandem als man denkt.

Den Hammer an den Nagel hängen

Statt dann einfach zu fragen und zu klären, was eigentlich die Botschaft ist läuft alles aus dem Ruder. Ich persönlich gehe an schlechten Tagen dann einfach vom Schlimmsten oder Schmerzhafteste aus und reagiere. Frei nach Watzlawicks Hammer-Geschichte aus „Anleitung zum Unglücklichsein„:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? […]

Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“. (Watzlawick)

Das ist kein Problem, wenn man sich beispielweise vorsorglich oder unnötiger Weise für etwas entschuldigt. Auch wenn das affig ist, aber wir alle haben das vermutlich schon mal gemacht, auch wenn wir eigentlich nicht wussten für was, oder? Da hat man eben überinterpretiert und sich für seinen eigenen Gedankenquark entschuldigt. Vergeben und vergessen.

Problematisch wird es, wenn man sich glaubt verteidigen zu müssen und daher einen Streit vom Zaun bricht oder wenn man gar gleich eine Freundschaft vorsorglich „aufkündigt“. Oder ähnlich krasse Reaktionen.

Manchmal kommt beides zusammen…

… ein bisschen Wahrheit, die dann überdramatisiert wird.
So ging es mir gestern.

Ein unverfängliches Telefonat.
Mitten drin eine Information meines Gesprächspartners,  die mich kurz aufhorchen lässt und mich offenbar etwas stummer werden lässt für einige Sekunden.
Die Konversation gerät für diesen Moment ins Stocken, nimmt dann wieder Fahrt auf und wir beenden das Telefonat nach 30 Minuten mit einem „auf Bald“.

4 Stunde später erhalte ich eine Handynachricht mit dem Inhalt (gekürzt):
„Ist ok! lass gut sein. Wir müssen nicht mehr reden.“

„Falscher Empfänger“?

… war mein erster Gedanke.

Aber auf Nachfrage wurde klar – ich war gemeint.
Nach einigem Hin und Her und einem weiteren Telefonat, wurde dann deutlich, wie mein Gesprächspartner an diesen Punkt gekommen war und von all dem stimmte nur, das ich bei besagter Stelle kurz aufgehorcht hatte. Ja, ich hatte mich an dieser Stelle innerlich gefragt, ob es besser sei das Gespräch an der Stelle (vorerst) zu beenden, aber ich hatte mich dagegen entschlossen. Abgesehen davon hätte ja auch ein Abbruch des Gesprächs nicht die Konsequenz eines Kommunikationsabbruchs auf Dauer bedeutete.

Ersteres hatte mein Gegenüber also richtig wahrgenommen, alles andere war Überinterpretation und Vorauseilende Reaktion ohne Realitätsabgleich.
Zudem hatte er mein Handeln bei seiner Interpretation völlig aus der Gleichung genommen.
Manchmal hilft es aber genau hier mit dem Interpretieren aufzuhören – wenn Handeln und Reden gefühlt nicht übereinstimmen.

Dann ist es Zeit deutlich zu werden und nachzufragen!

Wege aus dem Zwischenzeilen-Labyrinth

  1. Sei bereit Dinge zu hören, die du nicht hören willst! 
    Ich glaube, die meisten Dinge die wir uns im Kopf zurechtlegen sind schlimmer als das, was andere uns jemals sagen würden.
    Aber wenn wir bereit sind das „Schlimmste“ tatsächlich zu hören, stellen wir Fragen, deren Antworten uns vielleicht unbequem sein könnten. Aber das ist besser, als sich im Gedankenkreis zu drehen der oftmals nichts mit der Realität zu tun hat.
  2. Töte dein Ego!
    Meist agieren wir vorauseilend um unser Ego zu schützen. Wir versuchen damit in eine vermeintlich verlorenen Situation noch die Kontrolle zu behalten oder unser Gesicht zu wahren. Statt uns dann eine Absage einzufahren, einen Korb oder ein Nein abzuholen geben wir es uns lieber selbst. >>> Behalte deinen Scheiß Hammer – ich brauche ihn nicht! Die Botschaft dahinter ist: „Ich brauche DICH nicht, ich will DICH gar nicht, du kannst mich also gar nicht verletzen.“ Wahr ist das oft aber gar nicht, denn geht der andere dann wirklich oder gibt dir keinen Hammer, bist du enttäuscht. Dein Ego kann sich dann nur noch damit brüsten zu sagen „Wusst‘ ich’s doch!“, aber ein Sieg ist das nicht wirklich.
  3. Hör‘ auf eine Entscheidung für den anderen treffen zu wollen.
    Ich will, dass du willst, was ich will. Also gebe ich dir was ich glaube das du willst damit du mir dann gibst was ich will, ohne dass du weißt was das ist. Verstanden? Wenn nein – gar kein Problem. Sowas KANN man nicht verstehen. Es ist ein von Hoffnung getriebenes Manipulationsspiel. Statt bei sich zu bleiben und so deutlich wie möglich (und das ist schon schwer genug) zu kommunizieren was ich will/meine/brauche etc. versuchen wir häufig zu sagen, was wir glauben, was der andere hören möchte. Wir hoffen damit die eigenen Chancen zu erhören das zu bekommen, was wir möchten. Bleib einfach bei dir und vertraue darauf, dass das passt und wenn nicht hast du alles gegeben 😉
  4. Hör‘ auf Beweise zu Suchen
    Wir sind Beweistierchen – vor allem Frauen finden an den unglaublichsten Orten Hinweise, Zeichen und Beweise. Nicht nur zwischen den Zeilen, sondern auf Fotos, in Social Media Posts, in der Art wie jemand die Haare trägt, die Kleiderwahl und und und … meist ist nichts davon wahr!
    Beispiel gefällig? Unsere Englischlehrerin erfuhr nach 5 Unterrichtsjahren von unserer Theorie, dass sie in ihrer roten Hose „gut gelaunt“ war und nie Tests schrieb. Das erfuhr sie, genau an dem Tag, an dem sie die unangekündigte Hausaufgabenüberprüfung aus ihrer Tasche zückte, obwohl sie die rote Hose trug!

Umsetzung

Am schnellsten kannst du all diese Tipps befolgen, wenn du aus deinem Kopf in den Dialog gehst und (nach)fragst!

  • Wie hast du das gemeint?
  • Wie geht’s dir?
  • Was hältst du davon?
  • Willst du …
  • meintest du…

So schön ich es auch finde sich seine Welt (gedanklich) zu erleben ist es hier weitaus spannender die Welt des anderen zu erleben. Wir können ja erst mal üben, indem wir uns etwas bei unserem grimmigen Nachbarn leihen 😉 … der dann vielleicht gar nicht grimmig ist.

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