Allerwelts

Traumareaktion Unabhängigkeit

Bist du extrem Unabhängig? Dann solltest du diesen Text Lesen!
Gestern habe ich einen schön-schaurig-traurigen Text auf Englisch gefunden, den ich unbedingt mit dir teilen möchte.
Weil ich weiß, dass es vielen da draußen so geht.
Als gute Erinnerung daran, dass Du STARK und UNABHÄNIG sein kannst und dich dennoch für andere öffnen und VERTRAUEN!
Für alle die untenstehendes betrifft eine echte Herausforderung!

Dies. Trifft. Stark.

Die Unfähigkeit, Unterstützung von anderen zu erhalten, ist eine Traumareaktion.
Deine „Ich brauche niemanden, ich mache einfach alles selbst“-Konditionierung ist eine Überlebenstaktik. Und du brauchst sie, um dein Herz vor Missbrauch, Vernachlässigung, Verrat und Enttäuschung durch diejenigen zu schützen, die nicht für dich da sein konnten oder wollten.

Enttäuscht von …

  • dem Elternteil, der abwesend war und dich freiwillig im Stich gelassen hat, oder dem Elternteil, der nie zu Hause war, weil er drei Jobs hatte, um dich zu ernähren und zu beherbergen.
  • den Liebhabern, die dir sexuelle Intimität anboten, aber nie einen sicheren Hafen boten, der dein Herz ehrte.
  • den Freundschaften und der Familie, die IMMER mehr nahmen, als sie jemals gaben.
  • all den Situationen, in denen dir jemand sagte: „Wir stecken da zusammen drin“ oder „Ich halte dich“, und dich dann im Stich ließ, um die Scherben aufzusammeln, als es ernst wurde, und du mit deinem Teil und auch mit ihrem Teil allein ließ.
  • Von all den Lügen und all dem Verrat.
Du hast im Laufe der Zeit gelernt, dass du den Menschen nicht wirklich vertrauen kannst. Oder dass man Menschen vertrauen kann, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt.
Extreme-Unabhängigkeit IST. EIN. VERTRAUENSPROBLEM.

Du hast gelernt:

Wenn ich mich nicht in eine Situation begebe, in der ich mich auf jemanden verlasse, muss ich nicht enttäuscht sein, wenn er nicht für mich auftaucht, oder wenn er den Ball fallen lässt … denn er wird IMMER den Ball fallen lassen, irgendwann, richtig?
Vielleicht wurde dir diese Schutzstrategie sogar absichtlich von Generationen von verletzten Vorfahren beigebracht, die vor dir kamen.
Extreme Unabhängigkeit ist ein Präventivschlag gegen Herzschmerz.

Also, vertraust du niemandem.

Und du traust dir selbst nicht, Menschen auszuwählen.
Vertrauen heißt hoffen, Vertrauen heißt verletzlich sein.
„Nie wieder“, schwörst du dir.
Aber egal, wie du es verkleidest und stolz zur Schau stellst, um den Anschein zu erwecken, dass dieses Maß an Unabhängigkeit das ist, was du immer sein wolltest. In Wahrheit ist es dein verwundetes, vernarbtes, gebrochenes Herz hinter einer schützenden Ziegelmauer.
Undurchdringlich. Nichts kommt rein. Kein Schmerz dringt ein. Aber es kommt auch keine Liebe rein.
Festungen und Rüstungen sind für diejenigen, die sich im Kampf befinden oder glauben, dass der Kampf bevorsteht.

Das ist eine Trauma-Reaktion.
Die gute Nachricht ist, dass ein Trauma, das erkannt wird, ein Trauma ist, das geheilt werden kann.

Du bist es wert,

  • Unterstützung zu bekommen.
  • wahre Partnerschaft zu haben.
  • dass Ihr Herz gehalten wird.
  • angebetet zu werden.
  • wertgeschätzt zu werden.
  • dass jemand sagt: „Du ruhst. Ich schaffe das.“ Und dieses Versprechen tatsächlich einhält.
  • zu empfangen.
Du bist der Liebe würdig.

Du bist würdig.

Du musst es dir nicht verdienen.
Du musst es nicht beweisen.
Du musst nicht darum feilschen.
Du musst nicht darum betteln.
Du bist würdig.
Einfach, weil Du existierst
ORIGINAL VON: Jamila White, @inspiredjamila
​Read More
Allerwelts, Die Welt liebt Dich

Haare wachsen – warum diese Tatsache wichtiger ist als du glaubst!

Gerade während der Pandemie ist diese Tatsache offensichtlich geworden.
Selbst diejenigen, die sich sonst beschweren, dass ihr Kopfschmuck sich zu viel Zeit lässt, können es bestätigen.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Frisöre eine Weile schließen mussten, waren alle (bis auf die kahlköpfigen) mit der Tatsache konfrontiert: Haare wachsen. 

Warum ist das jetzt eine gute und wichtige Nachricht?

Weil es mich, und vielleicht ab heute auch dich, daran erinnert: „Leben geht weiter!“
Es ist für mich zu einer hilfreichen Metapher geworden, die ich vor einigen Tagen gehört habe:

HAIR GROWS – EMOTIONS CHANGE! (Matthew Hussey)
Haare wachsen – Emotionen verändern sich!

Eine schöne Metapher finde ich!

Fast jeder von uns hatte schon mal einen scheußlichen Haarschnitt, oder?
Und selbst wenn du keine Haare hast,  kennst auch du sicher das Gefühl mit einem momentanen Zustand total unzufrieden zu sein.

Zick-Zack Haare ab

Alleine mit den Geschichten die es zu schlechten Haarschnitten gibt – und wie es dazu kam – könnte man Bücher füllen.
So aussehen wollen wie jemand, es selbst machen wollen, Geld sparen, Trunkenheit, Mutproben, Dummheit – die Auswahl der Gründe für schlechte Frisur-Entscheidungen sind vielfältig und oft sehr lustig – in der Retrospektive!

Erstmal ist es schmerzhaft

Wenn schon nicht im wahrsten Sinne, dann doch aber psychisch oder seelisch – dabei sind es nur Haare.
Wir hängen an unserer Erscheinung. Unser neuer Auftritt ist uns vielleicht peinlich. Wir fühlen uns hässlich, nicht liebenswert usw.
Und JA! Wir alles wissen: „Ich bin nicht meine Haare“ und trotzdem ist es erst mal ein scheußliches Gefühl, wenn wir wissen, dass wir DAS jetzt für eine Weile mit uns herumtragen müssen.

Genau so ist es mit Emotionen!

Die wachsen zwar nicht wie Haare, aber sie verändern sich genau so unweigerlich!
Du kannst nicht ziehen oder drücken – einmal da gilt es zu akzeptieren was ist und das beste daraus zu machen.
Der nächste Schritte ist dem ganzen Zeit zu geben. Du wirst dich daran gewöhnen oder es wird sich verändern.

Auch eine schöne Frisur geht vorbei!

und genau das tun schöne Emotionen auch. Genau so wenig wie wir schlechte Gefühle wegdrücken können, lassen sich gute ewig festhalten.

Fakt ist: Haare wachsen (wenn auch nicht immer und da wo man will) – und Emotionen ändern sich (wenn auch nicht immer so schnell oder langsam wie man das möchte.

Mir hilft diese Erinnerung gelassener zu sein – an Bad-Hair Days und an schlechten emotionalen Tagen.

Die Welt liebt dich – das ändert sich nicht 🙂 Egal ob du scheiß Haare oder beschissene Laune hast. 

​Read More
Allerwelts

Tagge dein Leben – wie (Lebens-) Etiketten uns helfen

Wie Lebenslabel uns helfen oder auch nicht!

Lebensetiketten, dass sind die Hinweisschilder, Bezeichnungen, Namen, Titel die wir im Leben so verteilen oder erhalten.

Du bist …
Ich bin …
Wir sind ….

Wann hilft’s?

Etiketten dienen der Sortierung. Sie bezeichnen einen Zustand, definieren Spielregeln, gemeinsame Annahmen und vieles mehr. Es hilft beispielsweise zu wissen, dass jemand VegetarierIn ist, wenn man für diese Person ein Essen zubereiten möchte. Es hilft auch zu wissen, ob jemand Allergiker ist oder Asthmatiker. Das sind also Labels und Etiketten die wir vergeben und verteilen und erhalten, weil es vieles einfacher macht.

Hier würden vermutlich auch die meisten Menschen nicht von einem Label sprechen. „Das ist doch ein Fakt“ … ja, vielleicht! Heißt ja aber nicht, dass ein Etikett immer eine Zuschreibung ist die kein Fakt ist! Auf dem Einmachglas mit der Erdbeermarmelade steht ja auch nicht Kirsche drauf.

Die meisten Labels die wir verteilen, kommen uns also normal, logisch und sinnvoll vor. Sie geben uns hilfreiche Informationen darüber, was wir zu erwarten haben oder welche Erwartungen an uns gestellt werden.

Wir vergeben und erhalten sie, weil wir gerne wissen wo wir uns bewegen und mit wem. Das entspannt und schafft Sicherheit im inneren Navigationssystem. Was kann ich (offen) sagen? Wie „ehrlich“ kann ich sein? Wem kann ich vertrauen und bis wohin? Wie stehen wir zueinander und all das wird häufig in einem Wort beschrieben. Erdbeermarmelade eben!

Soweit so gut.

Wann stört die Betitelung?

Wie schon geschrieben, wir brauchen Etiketten und Beschreibungen. Wir können uns auch nicht davon frei machen. Das ist etwas ganz Natürliches und Nützliches. Mit jedem Tag an dem wir leben beschriften wir fleißig. Gesammelte Informationen setzen wir dann in Schlagworten, Überbegriffen und Tags zusammen die es uns erleichtern uns durch’s Leben zu manövrieren.

Doch es macht Sinn hier und da ein Label zu hinterfragen oder umzubenennen, denn diese Schubladen (wie man das etikettieren auch nennen könnte) kann auch ganz schön störend sein. In unterschiedlicher Weise für unterschiedliche Menschen.

Eine Etikettierung kann von mir gemacht sein und dich stören. Dein Etikett für mich (oder andere) kann mich stören oder mich stört meine eigene Etikettierung.

Gegenseitige Störetiketten

Ich habe einige Freunde, die ich aus der Schulzeit kenne und vielleicht kennst du das ja auch. Da gibt man sich die seltsamsten Namen, Lieblingsessen, das Getränkt dass man erbrochen hat oder sonstiges. Es ist meist süß gemeint aber ich verstehe dass man dieses Label nicht wirklich sein Lebtag mit sich herumtragen möchte. Manchmal vergisst man sowas und das stört jemanden. Ich persönlich finde es beispielweise lustig weil ich daran erkenne aus welcher „Epoche“ meines Lebens die Person mich kennt und welche Erwartungen damit an mich gestellt werden oder nicht. Große Diskussionen tun sich häufig bei der Benennung der Hautfarbe oder der Herkunft auf … Labels die ich versuche zu vermeiden denn die sind (oft unnötiger) Zündstoff, wenn es darum eigentlich gar nicht geht.

Ich störe mich

Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Ich betitle mich als etwas, was ich gar nicht mehr bin oder nie war. Häufig sind das Labels aus der Kindheit. „Du bist faul“ oder sowas. Da ist man dann häufig eine ganze Weile beschäftigt denen, die einem das Etikett verpasst haben das Gegenteil zu beweisen oder man glaubt es selbst und hat das Gefühl ständig dagegen vorgehen zu müssen. Das stört und stresst.

Option zwei ist, wenn man selbst einem Etikett entsprechen will dem man nicht gewachsen ist oder dem man gar nicht gewachsen sein kann. Ein Perfektionist beispielsweise ist per Definition nie zufrieden! Ein echt störendes Label also wenn man seine Ruhe mit sich haben will.

Weitere Störungen durch Labels

Der Drang Dinge, Situationen, Menschen und Beziehungen benennen zu wollen stört einen Entwicklungsprozess. Gerade im Zusammenspiel mit anderen ist es mit einem Label schwer Dinge entstehen zu lassen. Ab wann nennt man eine Partnerschaft eine Partnerschaft und muss man das überhaupt benennen. Wann ist Liebe – Liebe und bedeutet das immer das gleiche? Was ich ggf. nett meine oder liebevoll, schlägt andere in die Flucht oder zwingt andere gefühlt zu Taten oder Handlungen die sonst gar nicht getätigt worden wären.

Viele Ehepaare berichten, dass sich gefühlt tatsächlich bei Ihnen in der Beziehung etwas mit der Heirat (oder der Unterschrift auf dem Dokument) etwas verändert hat. Liegt das am „neuen“ Label der Beziehung? Die jetzt plötzlich „Ehe“ heißt? Bei einigen bewirkt das eine Verbesserung der Beziehung bei anderen eine Verschlechterung … dabei ist dazwischen nicht wirklich viel passiert außer die Bezeichnung der Beziehung zueinander, oder?

Ich finde das faszinieren und bemerke dass mir das ganz oft so geht dass sich meine Einstellung zu Dingen ändert, wenn ich sie plötzlich anders nennen – im Negativen und Positiven.

Welches Label also?

Welches Etikett soll man also verteilen, für sich, für andere, für das Leben? Sollte man ganz darauf verzichten?

Ich glaube wir können, aus oben genannten Gründen nicht ganz darauf verzichten, aber ich habe in den letzten Wochen festgestellt, dass ich Etiketten häufiger versuche wegzulassen.
Zumindest so lange bis ich klarer bin in meinen Emotionen oder Gedanken. Heißt also: Erst die Gedanken und Emotionen kommen lassen und beobachten ohne Ordnung, ohne Sortiererei. Ohne gleich einen Stempel aufdrücken zu können um der Situation eine echte Chance zu lassen zu wachsen. Menschen eine Chance zu lassen zu wachsen. Mir eine Chance zu geben mich zu Entwickeln.

Der Hashtag und Tagging Wahn heutzutage macht es auch nicht gerade leichter 😉 

#labels #etiketten #einfachmalseinlassen

Erlebe die Welt – häufiger „nackt“ und ohne Beschriftung.

Wo etikettierst du dich, dein Leben, deine Beziehungen um Kopf und Kragen?

​Read More
Allerwelts

Das Leben spielt oft zwischen den Zeilen

Liest und hörst du auch ab und an zwischen den Zeilen?

Ich versuche ja möglichst direkt zu sagen, was ich ausdrücken will, statt es dem Zufall zu überlassen oder eben den „Zwischenzeilen“.
Dennoch sende ich, wohl immer noch häufiger als mir lieb ist, Störgeräusche mit. Vor einigen Monaten beantwortet ich eine Mail an einen Interessenten, den ich wirklich für super dämlich hielt. Da ich das natürlich nicht kommunizieren konnte/wollte, schrieb ich den schönsten Text, mit den freundlichsten Worten und schickte die E-Mail ab.

Ich war stolz das so gekonnt und souverän verschleiert zu haben – bis die Antwort kam .

Ich war aufgeflogen …

Und ich konnte mir nicht erklären weshalb.
Ich las die Mail einer Freundin vor die direkt fragte: „Du hältst ihn für einen Idioten, oder?“

Ich weiß ja, dass ich ein Gesicht habe, das mein Emotionen völlig unkontrolliert abbildet, aber DAS war mir neu!
Woran merkt man das???
Wir konnte es beide nicht an spezifischen Ausdrücken festmachen aber fest stand: Ich hatte mein Gefühl in der Mail mehr als deutlich mitgeschickt – fast so als hätte ich direkt geschrieben: „Du Idiot!“.

Meist ist an diesem Gefühl was dran

Wenn dein Gesprächspartner (ja auch per Mail!) nicht gerade so dumpf wie ein Wattebausch ist, dann bekommen der Mensch so etwas mit.
Diese Zwischentöne! Das NICHT-Gesagte, den Text zwischen den Zeilen.

Der klassisch Fall von: „ja ja, alles ok“ dabei ist #nixistok!!!!

Seit der beschriebenen Geschichte versuche ich meist, bevor ich eine Mail in Rage verfasse, erst einmal Abstand zu gewinnen.
Es macht nämlich einen Unterschied, ob ich eine Mail schreibe in der „du Vollidiot“-Stimmung oder in einer neutralen (oder zumindest neutraleren) Haltung.
Also erst mal ein bisschen runterregulieren!

Aber man kann auch zu viel Reinlesen!

Das zweite Zwischen-Den-Zeilen-Lese Phänomen ist, dass das reingelesene Gefühl auch komplett selbstgemacht sein kann.
Man liest dann viel mehr rein, als das, was wirklich gesagt wurde. Meist passiert das, wenn einem die Person nicht egal ist. Das macht es auch so schwierig zu unterscheiden zwischen tatsächlichen Zwischentönen und Fehlinterpretationen. Da hört man vor lauter Bäumen die Botschaft nicht (oder so ähnlich).

Dann stellt man sich plötzlich bei jedem Satz innerlich Fragen wie:

  • Ist sie sauer? … wie kommst du darauf?
  • Wie hat er das gemeint? … vermutlich genau so wie es gesagt wurde!?
  • Hab ich was falsch gemacht? … meist ist man weniger Zentrum bei jemandem als man denkt.

Den Hammer an den Nagel hängen

Statt dann einfach zu fragen und zu klären, was eigentlich die Botschaft ist läuft alles aus dem Ruder. Ich persönlich gehe an schlechten Tagen dann einfach vom Schlimmsten oder Schmerzhafteste aus und reagiere. Frei nach Watzlawicks Hammer-Geschichte aus „Anleitung zum Unglücklichsein„:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? […]

Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“. (Watzlawick)

Das ist kein Problem, wenn man sich beispielweise vorsorglich oder unnötiger Weise für etwas entschuldigt. Auch wenn das affig ist, aber wir alle haben das vermutlich schon mal gemacht, auch wenn wir eigentlich nicht wussten für was, oder? Da hat man eben überinterpretiert und sich für seinen eigenen Gedankenquark entschuldigt. Vergeben und vergessen.

Problematisch wird es, wenn man sich glaubt verteidigen zu müssen und daher einen Streit vom Zaun bricht oder wenn man gar gleich eine Freundschaft vorsorglich „aufkündigt“. Oder ähnlich krasse Reaktionen.

Manchmal kommt beides zusammen…

… ein bisschen Wahrheit, die dann überdramatisiert wird.
So ging es mir gestern.

Ein unverfängliches Telefonat.
Mitten drin eine Information meines Gesprächspartners,  die mich kurz aufhorchen lässt und mich offenbar etwas stummer werden lässt für einige Sekunden.
Die Konversation gerät für diesen Moment ins Stocken, nimmt dann wieder Fahrt auf und wir beenden das Telefonat nach 30 Minuten mit einem „auf Bald“.

4 Stunde später erhalte ich eine Handynachricht mit dem Inhalt (gekürzt):
„Ist ok! lass gut sein. Wir müssen nicht mehr reden.“

„Falscher Empfänger“?

… war mein erster Gedanke.

Aber auf Nachfrage wurde klar – ich war gemeint.
Nach einigem Hin und Her und einem weiteren Telefonat, wurde dann deutlich, wie mein Gesprächspartner an diesen Punkt gekommen war und von all dem stimmte nur, das ich bei besagter Stelle kurz aufgehorcht hatte. Ja, ich hatte mich an dieser Stelle innerlich gefragt, ob es besser sei das Gespräch an der Stelle (vorerst) zu beenden, aber ich hatte mich dagegen entschlossen. Abgesehen davon hätte ja auch ein Abbruch des Gesprächs nicht die Konsequenz eines Kommunikationsabbruchs auf Dauer bedeutete.

Ersteres hatte mein Gegenüber also richtig wahrgenommen, alles andere war Überinterpretation und Vorauseilende Reaktion ohne Realitätsabgleich.
Zudem hatte er mein Handeln bei seiner Interpretation völlig aus der Gleichung genommen.
Manchmal hilft es aber genau hier mit dem Interpretieren aufzuhören – wenn Handeln und Reden gefühlt nicht übereinstimmen.

Dann ist es Zeit deutlich zu werden und nachzufragen!

Wege aus dem Zwischenzeilen-Labyrinth

  1. Sei bereit Dinge zu hören, die du nicht hören willst! 
    Ich glaube, die meisten Dinge die wir uns im Kopf zurechtlegen sind schlimmer als das, was andere uns jemals sagen würden.
    Aber wenn wir bereit sind das „Schlimmste“ tatsächlich zu hören, stellen wir Fragen, deren Antworten uns vielleicht unbequem sein könnten. Aber das ist besser, als sich im Gedankenkreis zu drehen der oftmals nichts mit der Realität zu tun hat.
  2. Töte dein Ego!
    Meist agieren wir vorauseilend um unser Ego zu schützen. Wir versuchen damit in eine vermeintlich verlorenen Situation noch die Kontrolle zu behalten oder unser Gesicht zu wahren. Statt uns dann eine Absage einzufahren, einen Korb oder ein Nein abzuholen geben wir es uns lieber selbst. >>> Behalte deinen Scheiß Hammer – ich brauche ihn nicht! Die Botschaft dahinter ist: „Ich brauche DICH nicht, ich will DICH gar nicht, du kannst mich also gar nicht verletzen.“ Wahr ist das oft aber gar nicht, denn geht der andere dann wirklich oder gibt dir keinen Hammer, bist du enttäuscht. Dein Ego kann sich dann nur noch damit brüsten zu sagen „Wusst‘ ich’s doch!“, aber ein Sieg ist das nicht wirklich.
  3. Hör‘ auf eine Entscheidung für den anderen treffen zu wollen.
    Ich will, dass du willst, was ich will. Also gebe ich dir was ich glaube das du willst damit du mir dann gibst was ich will, ohne dass du weißt was das ist. Verstanden? Wenn nein – gar kein Problem. Sowas KANN man nicht verstehen. Es ist ein von Hoffnung getriebenes Manipulationsspiel. Statt bei sich zu bleiben und so deutlich wie möglich (und das ist schon schwer genug) zu kommunizieren was ich will/meine/brauche etc. versuchen wir häufig zu sagen, was wir glauben, was der andere hören möchte. Wir hoffen damit die eigenen Chancen zu erhören das zu bekommen, was wir möchten. Bleib einfach bei dir und vertraue darauf, dass das passt und wenn nicht hast du alles gegeben 😉
  4. Hör‘ auf Beweise zu Suchen
    Wir sind Beweistierchen – vor allem Frauen finden an den unglaublichsten Orten Hinweise, Zeichen und Beweise. Nicht nur zwischen den Zeilen, sondern auf Fotos, in Social Media Posts, in der Art wie jemand die Haare trägt, die Kleiderwahl und und und … meist ist nichts davon wahr!
    Beispiel gefällig? Unsere Englischlehrerin erfuhr nach 5 Unterrichtsjahren von unserer Theorie, dass sie in ihrer roten Hose „gut gelaunt“ war und nie Tests schrieb. Das erfuhr sie, genau an dem Tag, an dem sie die unangekündigte Hausaufgabenüberprüfung aus ihrer Tasche zückte, obwohl sie die rote Hose trug!

Umsetzung

Am schnellsten kannst du all diese Tipps befolgen, wenn du aus deinem Kopf in den Dialog gehst und (nach)fragst!

  • Wie hast du das gemeint?
  • Wie geht’s dir?
  • Was hältst du davon?
  • Willst du …
  • meintest du…

So schön ich es auch finde sich seine Welt (gedanklich) zu erleben ist es hier weitaus spannender die Welt des anderen zu erleben. Wir können ja erst mal üben, indem wir uns etwas bei unserem grimmigen Nachbarn leihen 😉 … der dann vielleicht gar nicht grimmig ist.

​Read More
Allerwelts, Die Woche erlebt

Der innere Psycho in der Lebensarena.

Was ist dein innere Psycho und was macht der in der Lebensarena?
Darum geht es heute.

 

 

Diese Woche hatte ich einen Durchbruch 😊

Was ist ein Durchbruch?

Ein Durchbruch ist, nichts Schlimmes oder Ekliges.
Falls du nicht weißt, was ich mit „Durchbruch“ meine… das ist eine grundlegende Veränderung eines Bausteins meiner Persönlichkeit (Mini- Mini – und für andere vielleicht weder sichtbar noch als „neu“ wahrnehmbar, aber für mich ein ganzes UNIVERSUM!)

Ich bin jetzt ein Psycho!

Was ist passiert? fragst du dich vielleicht.
Ich bin zum „Psycho“ geworden. Nein, ich habe weder die Axt rausgeholt noch sonstig schädliches Verhalten für meine Umwelt an den Tag gelegt …. glaube ich zumindest 😂 Warum bin ich dann ein „Psycho“? Weil sich das so für mich anfühlt, weil ich von meinem „Normalzustand“ abgewichen bin.

Du kennst mich,

daher mag dir das vielleicht nicht auffallen. Du weißt, dass ich mich, das Leben und eigentlich alles, ständig hinterfrage, verwirrt bin und dann wieder klar. Mal hü mal hott, mal schwarz, weiß und gaaaaaaaaaaaaaanz viel grau.

Du kennst meine Facetten. Du hast dich von Nachricht zu Nachricht (Beitrag zu Beitrag) gehangelt und irgendwie habe ich vermutlich ein „Bild“ für dich ergeben. Zeit und gemeinsame Geschichte haben das erreicht.  
In der „richtigen“ Welt mit „fremden Menschen“ bin ich SPIEGEL-WOMAN! 🦸

Spiegel-Woman oder das Reagier-Tierchen

Ich glaub(t)e ich bin gut darin Menschen schnell zu erfassen und dann zu wissen, wie ich am besten bin, um „reinzupassen“.
Jemand redet schnell? Bring it on!
Jemand denkt schnell – ich ziehe mit.
Ich bin schnell in und mit Sprache – was es leicht macht zu reagieren.
Das führt aber oft dazu, dass ich gar nicht da bin. Und ich merke es nicht mal.

Das ist kein bewusster Trick, sondern einfach eine hilfreiche Überlebensstrategie. Auf meinen Reisen habe ich das für mich entdeckt, geschult und ausgebaut und es hat mir viele Türen geöffnet und ist für mich immer Schritt 1 zu einer Verbindung.

Na gut. Na und?

Das klappt natürlich nicht dauerhaft und hier liegt das Problem.
Sollte es tatsächlich eine tiefere Verbindung werden, muss ich mich (all die anderen Michs!) irgendwann einbringen: Meine Verpeiltheit, meine Introvertiertheit, meine Verletzlichkeit, meine Weichheit und all den Kram, der mir eigentlich peinlich ist. Meine Schatten, meine Schwachstellen und all die Teile, die ich nicht kontrollieren kann. FUCK! Da steige ich gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz oft aus – aus zwei Gründen:

  1. Oft weiß ich nicht, wie zur Hölle ich das machen soll und
  2.  ist mir das zu anstrengend und wenn ICH schon von MIR angestrengt bin … wie soll das ein anderer Mensch ertragen – und wozu?

Also verharre ich in Spiegelwoman – und endweder mir wird es dann zu anstrengend das Spiel zu spielen oder mein Gegenüber merkt, dass ich nicht ganz „echt“ bin und ist weg.

Wie teile ich nun aber nach einem verbalen Schlagabtausch jemandem plötzlich mit, dass ich das nicht immer so möchte?
Dass ich zynisch kann, aber eigentlich doof finde?
Dass ich schnell super finde, aber es mich tierisch anstrengt?
Dass ich manchmal sage: Es ist mir egal – obwohl ich eigentlich tief verletzt bin?

Erst fühlen dann sprechen.

Ich kann schnell denken und reden, aber ich kann überhaupt nicht schnell fühlen.
Das heißt, ich schneide oft gar nicht mit, dass es mir zu schnell, zu zynisch und keines Falls egal ist. Weil ich nicht hin spüre, weil ich glaube, dass „sich Zeit lassen“ >> „psycho“ ist!

Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Gestern führe ich ein Telefonat. Mein Gesprächspartner ist schnell. Zu schnell! Und oberflächlich, sodass ich schnell das Interesse verliere an einer längeren Unterhaltung.
Stempel drauf, Gespräch zu Ende bringen und ab die Post nach „Nimmerwiederhören“. Doch statt meine Spiegelfrau jetzt zu zücken, um dem anderen noch ein gutes Gefühl einzuverleiben und mich dann aus dem Staub zu machen, hole ich meinen „Psycho“ raus.
Und der sagt: „Du bist mir zu schnell gerade.“
Oh Gott, das hört sich dumm an!“ höre ich mich denken.
Ich hab‘ natürlich verstanden, was mein Gesprächspartner sagt und das Tempo ist mir nicht zu schnell, um ihm zu inhaltlich zu folgen.
Es ist mir emotional zu schnell!
Er macht mich kirre!
Und er sagt, was ich in meinen Albträumen erwartet hätte: „ich hab schon mitbekommen dass du nicht mitkommst und mich nicht verstehst!“

…. DASS ICH NICHT MITKOMME?????? 🤬 schreit mein Hirn. LAUT! So viel schlaues Zeug hast du jetzt nicht gesagt, dass ich das nicht verstehen könnte DU WURST!

Sodass ich spätestens jetzt wieder auf Autopiloten schalten will, um zu beweisen, wie gut ich verstehe und wie schnell ich bin.

Was aber folgt ist mein neuer Dreiklang …

  1. Stimmt! Er hat recht
    Mein Trick ist: Dem anderen innerlich erst mal Recht geben, um nicht auf Autopilot zu schalten. Also denke ich: Was wäre, wenn er Recht hätte? Wenn ich tatsächlich nicht verstehe was er sagt, weil ich dazu zu doof bin oder zu langsam?
  2. Scheiß egal!
    Endlich habe ich Zeit zu bemerken, dass das nicht wichtig ist.
    Denn es geht ja nicht ums „besser“, „kontrollieren“ oder „Recht haben“, es geht um … ja um was eigentlich? Was will ich? Was fühle ich- was passiert hier!
  3. Mitteilen was ist
    So kann ich äußern, dass ich gerade am Herd stehe, mein Essen zubereite und mich eigentlich gerade „runtergefahren“ hatte und daher vom Tempo des Redners echt wuselig bin. Ich sage auch, dass ich bemerke, dass ich abschalte und kurz davor bin das Telefonat aus Unlust und Nicht-gehört sein- abzubrechen.

Psycho-Phase 2

Denke ich, denn wer möchte sich bitte sowas mit einem Fremden geben? Es geht um nix und ich mach so nen Wind 🙈

Mimimi – ich fühl mich nicht gehört (wie ich sowas hasse!) Sowas kann man bei Freuden oder beim Partner machen aber hier?

Arena – Zeit Baby!

Wie ich dir ja schon von Brené Browns (daring greatly – Verletzlichkeit macht stark Buch) erzählt hatte: Es geht darum in meiner Arena zu stehen.
Nicht darum, eine gute Show abzuziehen, sondern ehrlich zu „kämpfen„.
meinen Kampf (und ich meine das nicht kämpferisch oder zerstörerisch – ich könnte es auch Spielwiese nennen und darauf die richtigen Blumen pflücken, aber das Leben ist eben dreckiger als Blümchen)

Es geht darum, sich die Mitkämpfer zu suchen die passen und das Arena Dasein lebenswert machen. Nicht (nur) die „leichten“ Gegner die leicht zu knacken sind oder Fans – die alles gut finden. Es geht darum Herausforderungen anzunehmen an denen ich wachsen kann – über mich hinaus – dank eines anderen.
Daher ist es egal ob jemand denkt ich bin Psycho.

Ich kämpfe mit mir

nicht mit meinem Gegenüber und ich kann auch nur mit, für und gegen mich gewinnen und dazu muss ich jemandem aber die Chance geben, mich bei meinem Kampf zu unterstützen – nur so kann ein andere auch feststellen, ob sich die Begegnung für ihn lohnt, für seine Arena.

Der Durchbruch war in der Arena zu stehen, mit einem Fremden und das Visier zu öffnen, wie normal nur mit Freunden, die ich sanft und über die Zeit an meinen inneren Psycho gewöhnt habe. (Mittlerweile habe ich das Bild eines Inneren Ninja im Kopf – dazu der passende Soundtrack hier :))

Jetzt probiere ich mal wie er sich im Gegensatz zu Spiegel-Woman in der Arena schlägt. Im Idealfall habe ich dann schon ein solides Kriegerteam zum Welt-Erleben.

Ich erwarte dich in der Welterleber-Arena!

Welchen Schatten schickst du ins Rennen? Erzähl mir davon 🙂

Bis bald. Deine Katha

PS: Um es mit Brené zu sagen:

I want to be in the arena. I want to be brave with my life. And when we make the choice to dare greatly, we sign up to get our asses kicked. […] If you aren’t in the arena also getting your ass kicked, I am not interested in your feedback.

Brené Brown – Daring Greatly

Frei übersetzt: Ich möchte in der Arena sein. Ich möchte mutig sein mit/in meinem Leben. Und wenn wir die Entscheidung treffen, uns zu trauen/ uns zuzuMUTen, dann schreiben wir uns dafür ein, in den Arsch getreten zu bekommen. Wenn du nicht in der Arena bist und dir ebenfalls in den Arsch treten lässt, bin ich an deinem Feedback nicht interessiert.

 

​Read More
Kompass
Allerwelts, Buchempfehlung

Welche Vereinbarungen hast du? Warum das wichtig ist zu wissen!

Wir alle treffen Vereinbarungen. Mit uns und anderen. Werte spielen dabei eine große Rolle.
Werte sind unser Kompass. Sie helfen uns bei Entscheidungen und liefern die Antwort auf das „wie“ unserer Ziele.
Sie formen unser Leben und genau deshalb solltest du deine Werte kennen.

Seit Wochen ist das (wieder mal) ein Thema das mich umtreibt.
Weil ich gerade in einem Wertekonflikt hänge oder teilhabe an einem Wertekonflikt. Da gibt es diese eine Seit in mir die sagt:
„Das macht man nicht!“ und der andere Teil sagt:
„Das akzeptiert man so aber auch nicht“/ „so lebt man nicht!“

Leider geil

Das ist so ein bisschen wie der Sketch („Scheiße aber geil“ ) der die Zerrissenheit beschreibt zwischen: Ich möchte die Umwelt schützen und gleichzeitig ist es aber „leider geil“ (weiß auch Deichkind) für wenig Geld um die Welt fliegen zu können.

Genau! Was denn nun?

Ruf da das innere Stimmchen. Umwelt oder Fliegen? Denn beides gleichzeitig scheint unmöglich (oder als sei es ein fauler Kompromiss) und manchmal stimmt das auch.

Heute also: Was Werte sind, wobei sie helfen (sollen) und was das mit Verpflichtung und Vereinbarungen zu tun hat.

Was sind Werte?

Werte sind unser Kompass, unser Lebensvertrag, die Vereinbarung mit dem Leben. Werte beschreiben WIE du etwas machst (oder machen willst!). Sie schaffen Ergebnisse – auch die Schlechten – das war mir nicht bewusst.

Werte bedürfen keiner Begründung oder Rechtfertigung.
Werte sind ganz schlicht Aussagen darüber, was uns in unserem Leben sinnvoll erscheint. Werte sind frei gewählt.

Holger Kuntze aus dem Buch: Lieben heißt wollen

Unterschied: Werte vs. Ziele

Ein „guter“ Mensch zu sein ist kein Wert! „Welche Qualitäten hat ein guter Mensch?“ Wie lebt dieser Mensch sein „Mensch sein“? Wären die Werte.
Ein „guter Mensch“ zu sein wäre das dazugehörige Ziel.

Ich dachte immer Werte seien (nur) gut, richtig und wichtig.
Dass Werte wichtig sind, steht für mich außer Frage.
Nur das richtig und „gut“ musste ich nach der Lektüre von „Lieben heißt wollen“ überdenken.

Werte widersprechen sich manchmal

Ein anderes Problem bei Werte ist, dass einige davon nicht zusammenspielen. Wenn sie kollidieren gibt es Chaos. Falls du dann nicht genau hinschaust, fängst du an dir und/oder andern in die Tasche zu lügen.

Bei widersprechenden Werten müssen wir eine innere Hierarchie ansetzen und die ist manchmal schmerzhaft zu erkennen, daher schauen wir da manchmal nicht so genau hin!

Beispiel: „gesund Leben“

Wenn du diesen Wert hast, dich dann aber mit Süßigkeiten vollstopfst oder Wein oder Zigaretten oder Drogen, dann ist dann Wert „genüsslich Leben“ offenbar höher im Kurs, als das „gesunde“ Leben.
Manchmal hilft es sich zu betrachten was man tut um zu erkennen welche (echte) Wertehierarchie man hat. Denn wir hätten oft gerne andere Prioritäten weil wir glauben das wäre „besser“, aber darum geht es gar nicht. Es geht darum zu erkennen was IST- nicht was man gerne hätte.
Statt aber ehrlich zu sein mit uns und Lösungen zu finden bestrafen wir uns innerlich und verpflichten uns der „Besserung“ (Mehr zur Pflicht weiter unten!)

Das Gute an Werten

Ich mag meine Werte und ich liebe Menschen mit „guten“ (also meinen ähnlich! haha), stabilen Werten.
Das macht verlässlich, schafft Vertrauen und damit ist gut zu kalkulieren. Erwartungen werden vielleicht realistischer gesetzt und es braucht weniger Kommunikation und ausgesprochene Vereinbarungen – glaubt man!

Das aber ist genau oftmals der Pferdefuß, wenn man überlappende Werte hat und sich auf das Wertesystem verlässt, ohne die damit einhergehenden Vereinbarungen oder Verpflichtungen klar zu haben, zu überdenken oder anzusprechen.

Das schlechte an Werten

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber das „schlechte“ an meinen Werten ist, dass sie starr sind. Ich schlage mich auf eine Seite oder wähle eine Option, weil einer meiner Werte ist, dass ich klar sein will und direkt und nicht „wichiwaschi“ … Dabei BIN ich oftmals einfach gar nicht A oder B, sondern dazwischen oder gar C, aber um das herauszufinden brauche ich Zeit und Wischiwaschi-Sein.

Flexibilität beginnt im Austausch

Ich will zum Beispiel „Beziehung mit Verlässlichkeit“ und „völlige Freiheit der Wahl“ – gleichzeitig. Das geht nicht zusammen. Zumindest nicht lange und häufig auch ganz schön einseitig. Das weiß ich selbst. Doch je nach Partner (ob Beziehung oder Freundschaft) lassen sich unterschiedlichste Formen finden, diese Werte zu leben.

Werte sind immer im Austausch mit anderen zu sehen, denn wenn ich kein „Außen“ habe, das beurteilt was (z.B.) ein „guter Mensch“ ist, dann brauche ich auch kein „wie“ das einen guten Menschen aus mir macht!
Das Paradoxe daran ist jedoch, dass wir ANNAHMEN darüber treffen, was das Außen erwarten, dem wir mit unserem WIE entsprechen wollen!

Vereinbarung und Verpflichtung

Hier kommt eine weitere wichtige Komponente zur Werte-Thematik hinzu. Vereinbarungen und Verpflichtungen. Für mich war das lange identisch, weshalb mir vielleicht auch schwer gefallen ist überhaupt Vereinbarungen einzugehen. Ich dachte ich komme aus der Nummer nicht mehr raus und ich wollte nicht als „sie hält ihr Wort nicht“ oder „unzuverlässig“ wahrgenommen werden.

Ergebnis: Ich bin als nicht zuverlässig wahrgenommen worden, weil ich immer NEIN gesagt habe oder „unter Vorbehalt“ zusagte.

Der Unterschied

In einem Gespräch vor einigen Tage fühlte mir eine Freundin auf den Zahn als sie sagte – „aber es ist doch ein Unterschied ob du etwas vereinbarst oder dich verpflichtest, oder?“
Nach einiger Überlegung war mein Ergebnis tatsächlich eine Unterscheidung:
Verpflichtungen sind (für mich) unumstößlich.
Vereinbarungen sind verhandelte Werte auf Zeit.

Verdeutlichung

Lass mich dir ein Beispiel geben, welches mir hilft den Unterschied zu fühlen: Das Würfeln einer „6“.
Eine Vereinbarung auf Zeit bedeutet, dass ich beim Spielen von Mensch Ärger dich nicht, bei einer 6 das Häuschen verlasse und noch einmal würfeln darf.
Beim Backgammon bringt mir diese Vereinbarung aber nichts. Eine Verpflichtung ist für mich das Versprechen an mich, dass ich mich beim Würfeln einer 6 immer gleich verhalte.
Also immer aus dem Haus gehe und noch einmal würfle.
Das wäre ganz schön belämmert – denn damit könnte ich kein Backgammon spielen.

Warum ich dir das so abstrakt darstelle?

Weil wir manchmal genau so belämmert handeln, wenn es um unsere Werte geht.

Statt uns die Umstände anzuschauen und etwas miteinander zu vereinbaren, für eine gewisse Zeit, gehen wir davon aus, dass wir verpflichtet sind eine Sache immer so zu machen.

Vielleicht weil wir uns nicht trauen, unsere Werte in Frage zu stellen oder weil wir keine Optionen sehen oder weil es einfacher ist STARR zu sein, statt komplizierte, individuelle Lösungen zu erdenken, die vielleicht gesellschaftlich nicht (so) anerkannt sind.

Was also tun?

Hier meine 4 Tipps

Checke deine Werte

Sei ehrlich in deren Vorhandensein und deren Priorität.
Ein „guter Mensch“ sein ist ein schöner, lobenswerter Wert, aber vielleicht ehrlich gar keiner den du hast. Vielleicht bist du auch nicht besonders mitfühlend oder geduldig. Das ist ok … mit dem NICHT Besitz von einem Wert kommt ein andere Wert stattdessen. So bist du vielleicht hilfreicher, wenn es um Lösungen geht weil du nicht geduldig bist oder du bist ehrlicher weil du weniger mitfühlend bist?

Entdecke Verpflichtungen und Vereinbarungen

Erkenne wo du für dich Verpflichtungen definiert hast, die es vielleicht gar nicht gibt. Die dich „unfrei“ machen und die dazu führen können. dass du irgendwann massiv enttäuscht werden kannst. Die meisten Verpflichtungen sind nämlich eine Einbahnstraße. Nur weil wir uns zu etwas verpflichtet haben, heißt dass noch lange nicht dass unsere Mitspieler das tut oder weiß, dass wir es tun!
Du gehst also die ganze Zeit von Spielregeln aus, die nie (oder an anderer Stelle mit anderen Menschen) vereinbart wurden und wunderst dich, dass du die ganze Zeit verlierst.

Auch eine Verpflichtung lässt sich verhandeln

Du fühlst dass du etwas tun musst? Ok! Aber das bedeutet noch lange nicht dass du dafür alles opfern musst. Du hast dich dem Umweltschutz verschrieben? Klar ist es einfacher, dann (generell) auf Langstreckenreisen zu verzichten, aber warum nicht LAUFEN? Oder RADFAHREN nach Thailand? Bleib einfach offen für kreative Lösungen und dafür, dass Verpflichtungen nicht immer „Selbstaufgabe“ bedeuten.

Vereinbarungen aushandeln, neu verhandeln – auf Zeit.

Verhandle neu, an Stellen an denen es schon lange zwackt. Gerade in Zeiten der Pandemie führe ich viele Gespräche mit Paaren (oder Teilen davon) die sich einfach „zu nah“ sind im Lockdown.
Weil man aber mal vereinbart hat „wir wohnen zusammen“, geht das eben so weiter. Dabei wäre es vielleicht schon hilfreich sich eine Weile „mehr Raum“ zu geben um dann wieder Nähe zulassen zu können.
Warum also nicht verhandeln erst mal einige Monate getrennt zu wohnen? Ohne damit gleich die Beziehung in Frage zu stellen!
Das eine hat mit dem anderen oft nichts zu tun, wird aber verwoben weil wir eine Vorstellung (Verpflichtung) davon haben wie man „sowas“ macht. Immer!

Kompass auf Abwege

Am Ende ist das Leben eine Reise. Deine Werte bilden den Kompass. Doch wenn du schon mal auf Reisen warst weißt du, dass man manchmal, trotz Kompass und Karte auf die Idee kommt, vom Weg abzuweichen.

Manchmal entstehen so die schönsten Urlaubsgeschichten.
Manchmal die Schrecklichsten.

Das wissen wir vorher nie. Das ist Welterleben 🙂

​Read More
Tage zählen
Allerwelts

Einwandfrei – 21 Tage leicht und lieb

Vor ziemlich genau 4 Jahren habe ich das Buch „Einwandfrei – a complaint free world“ gelesen. Darin geht es um den Versuch, sich 21 Tage nicht zu beschweren. Nicht meckern, das Positive in allem sehen bzw. nur das Positive auszusprechen. Denn darüber haben wir Kontrolle. Ein Murks-Gedanke schleicht sich schon mal ein! Das ist okay. (Solange du den für dich behältst).

Heute starte ich wieder und hier einige Tipps und Erkenntnisse schon jetzt. Zum besseren EINWANDFREI sein. Falls du mitmachen möchtet!

Wie war es damals:

Ich habe mir die Sonder-Edition des Buches mit dem Gummibändchen bestellt. Das Gummibändchen legt man sich am linken Arm an und sobald man meckert wechselt das lila Band den Arm. So dass ich sehen kann und einen gefühlten Anker habe, dass ich gerade gemosert habe.
Ziel ist es also das Gummi über 21 Tage an einem Handgelenkt zu halten.

Ich kann mich erinnern, dass ich damals den ersten Tag damit überstand, indem ich das Haus nicht verließ. Ich redete nicht, weil mir auffiel, dass ich häufig schon ins Beschweren abrutsche, sobald ich auf eine andere Person treffe. Es ist einfach leichter sich gemeinsam über das schlechte Wetter aufzuregen, statt sich zu erzählen, welche tollen Dinge heute schon passiert sind … sad but true.

Tag 2 traf ich auf meinen Nachbarn, der sichtlich irritiert war von meinen neuen Antworten auf SEIN Gemoser. Ich fand das Wetter „besser als…“ oder „gar nicht so schlecht … “ Ich wollte ihm nicht vor den Kopf stoßen, aber eben auch meiner Herausforderung treu bleiben.
So fanden wir irgendwie keinen gemeinsamen Nenner und ich musste unseren Plausch schneller als sonst auflösen.

Dennoch kam ich während des Selbstversucht die ganze Zeit nie über Tag 4 (oder so) hinaus, bis ich aufgab. Denn sobald das Gummiband den Arm wechselt wird die Uhr wieder auf Null gesetzt und man beginnt von vorne!

Es ist wieder Zeit

Ich habe immer mal wieder an das Buch und die Idee der 21 Tage gedacht, und jetzt ist es wieder Zeit, dass ich mich der Herausforderung stelle.
Gerade in der Pandemie ist es so leicht geworden, sich zu beschweren!
Wo wir doch alle mehr Leichtigkeit und Optimismus gebrauchen könnten. Also geh‘ ich mit gutem Beispiel voran! Vielleicht schließt du dich ja an für eine EINWANDFREIE WELT (a complaint free world).

Erkenntnisse zur „Complaint Free Challenge“ 

Einige Erkenntnisse aus meinem früheren Experiment, sowie Gedanken vom ersten (heutige) Tag habe ich jetzt schon, die ich mit dir teilen möchte:

Vorbereitung: Motz dich aus

  1. Aktiv Positiv hilft gegen passiv aggressiv
  2. Meinung oder Beschwerde – Kenne den Unterschied!
  3. Weniger Reden hilft
  4. Unterstützung und Gemeinschaft hilft
  5. Zählen hilft

Aktiv Positiv statt passiv aggressiv

Es ist leichter sich zu beschweren (was ein Wortspiel whohoooo) und dadurch Zuspruch zu erhalten oder Zuwendung.
Wir bemitleiden jemanden schneller, der einen stressigen Tag hatte und vielleicht lassen wir dieser Person auch ein Bad ein, kochen für sie/ihn oder kümmern uns sonstig irgenwie. Eine Beschwerde führt also (vielleicht) zu Führsorge ohne dass man aktiv darum bitten muss.
Es ist also leichter zu meckern statt offen zu sagen: „Ich brauche heute mal eine Umarmung“ oder „könntest du mir was kochen?“

Die EINWANDFREI-Challenge macht deutlich, dass man sich seiner Bedürfnisse bewusst werden muss. Denn indirekt um Mitgefühlt zu bitten ist ohne Einwände und Mimimi echt schwierig!
Jetzt muss direkt geäußert was man will und braucht, statt durch die Brust ins Auge zu agieren, um ans Ziel zu kommen.
Was brauchst du wirklich – was ist das Ziel weswegen du tust was du tust? Sage was du brauchst und willst!

Meinung oder Beschwerde?

Was ist eigentlich eine Beschwerde?
Wir haben in der Familie das Hinweiswort „Zitrone“ eingeführt.
Das sagen wir, wenn jemand sich beschwert und es nicht bemerkt. Irgendwie fällt es aber oft, wenn es eigentlich nur eine geäußerte Meinung ist. Andererseits fällt es z.B. nicht, wenn Schimpfwörter fallen.
Ich stelle fest, ich bin wenig geübt darin überhaupt zu bemerken wann ich mich beschwere, weil ich gar nicht weiß was ich als Beschwerde definiere. Was ist der Unterschied zu konstruktiver Kritik beispielsweise? Darf man die nun auch nicht platzieren?
Ich persönlich möchte nicht Fluchen oder Kraftausdrücke benutzten – im Spaß ist das aber auch was anderes – aber das ist Schritt 2 – erst mal weglassen. Auch Hetzereien, Kommentare oder Meinungen zu Klamotten, Statur, Makeup oder Intellekt vor allem während des Konsums von Nachrichtensendungen sind TABU 🙂

Weniger Reden

Wer weniger redet beschwert sich automatisch weniger. Wie der Spruch mit dem kleinen Pinguin (siehe hier) … so halte ich es mit dem Beschweren. Wenn ich mich nur beschweren kann, einfach mal die „F*****“ halten.

Gemeinsam/Gemeinschaft

Alleine schaffe ich das nicht. Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ich bemerke es ist leichter anderen von meinem Vorhaben zu erzähle. So wissen sie nämlich, weshalb ich nicht in ein Gespräch einsteige. Das hat zwei gute Effekte: Ich fühle mich nicht komisch. Ich kann einfach sagen: „Ich kann dazu leider nichts sagen, du weißt schon – die Challenge ;)“.
Zum zweiten ist das eine gute Art jemand ggf. auf sein Gemecker aufmerksam zu machen ohne Zeigefingermäßig daher zu kommen?! Es wird also leichter ein Gespräch über ganz andere Dinge zu führen und wer weiß wohin uns das bringt?

Zählen hilft

21…22…23…. wenn das nicht reicht einfach bis 30 weiterzählen. Wie damals beim Führerschein beim Stoppschild. Die 3 Sekunden sollten das Minimum zum Innehalten sein. Die als STOP zählen und helfen können ein schnelles Geschnatter von Negativbotschaften zu unterdrücken.

Gehe auf Start …

Ich habe mir vorgenommen immer wieder zu starten – bis die 21 Tage voll sind. Diesmal versuche ich nicht nach dem 10ten Mal Tag 2 das Vorgaben als „unlösbar“ hinter mir zu lassen. Auch wenn ich es immer „nur“ 2 Tage schaffe dann ist nur jede dritte Tag „vermotzt“. Mal sehen welchen Unterschied das am Ende macht, ich glaube: EINEN GROSSEN.
Schaden tut es jedenfalls nicht. Vielleicht macht es ja LEICHT sicht nicht zu BESCHWEREN und ich werde endlich „lieb“ 😉
Bist du dabei?

Und du so?

Was sind deine Herausforderungen beim „nicht-Meckern?“
Weshalb beschwerst du dich? Was lässt dich meckern, denn manchmal lohnt es sich vielleicht ja auch sich zu beschweren. Ist das dann aber nicht konstruktive Kritik? Wo liegt der Unterschied?

Ich freue mich von dir zu hören und mit dir gemeinsam die Welt ein Stück EINWANDFREI (er) zu machen. Klingt fast so, als würden wir am WELTFRIEDEN arbeiten, oder? 😉

Deine Katha

​Read More
Verbindungsschaukel
Allerwelts

Sei verbindlich – oder doch besser nicht?

Generation Unverbindlich! Ich glaube so einfach ist das nicht. Wir sind nur in der Position (gut oder schlecht) unsere Verbindungen wählen zu dürfen. Leider darf unser Gegenüber das aber auch! Das ist das Problem.

Wenn du nicht lesen möchtest – hör dir den Artikel einfach an:

In den letzten Wochen ist mir das Thema „Verbindlichkeit“ oder „Commitment“ häufiger untergekommen. Mal wollte ich Verbindlichkeit wo keine war, mal hat sie jemand mir abverlangt.

Dabei sind für mich immer folgende Fragen aufgepoppt. Diese habe ich für mich versucht zu beantworten, um Klarheit in das Thema zu bringen:

  1. Was ist Verbindlichkeit?
  2. Warum vermeiden wir Verbindlichkeit?
  3. Was hat Verbindlichkeit mit Verbindung zu tun?
  4. Wie hängt Verbindlichkeit mit Erwartungshaltung zusammen?

Verbindlichkeit! Was ist das eigentlich?

Nachdem ich alleine dieses Jahr unzählige Male mit dem Begriff in Kontakt gekommen bin, habe ich mal „rumgefragt“.
Was bedeutet das eigentlich für wen?
Dabei ist aufgefallen, dass alle dem Begriff sowohl positive als auch negative (wenn man das so nennen will) Eigenschaften zuordneten.

Hier die Top 3 auf beiden Seiten
eher positiveher negativ
VerlässlichkeitVerpflichtung
Planbarkeitunspontan/ starr / unkreativ
VerbindungEgoismus (wenn man fordert) / einschnüren

Das Problem, welches dabei recht schnell deutlich wird ist, dass wir beide Seiten brauchen und wollen. Ich zumindest 🙂

Wir wollen Verlässlichkeit von anderen, also die Sicherheit, sich auf eine Aussage zu verlassen. Gleichzeitig wollen wir aber nicht in die Pflicht genommen werden.
Wir planen gerne, aber das soll bitte nicht zu starr sein, um uns nicht die Luft abzudrücken.
Wir brauchen und wollen Verbindung, aber dabei ist auch ein gesunder Egoismus nötig! Was also jetzt Verbindlichkeit oder nicht?

Was heißt Verbindlichkeit für mich/dich?

Von was reden wir oder rede ich, wenn ich von Verbindlichkeit spreche? Ich nutze dieses Wort selten, denn für mich fühlt sich das sehr kaufmännisch an. Ich denke dabei an die Verbindlichkeiten gegenüber einer Bank beispielsweise. Damit bekommt es die Bedeutung von:

„Der Schuldner ist verpflichtet, etwas zu tun, zu dulden oder zu unterlassen. Es handelt sich um eine Leistungspflicht. Eine Forderung“

Hier noch die unterschiedlichen Definitionen zu Verbindlichkeit, falls es dich interessiert: https://wiki.yoga-vidya.de/Verbindlichkeit und https://de.wikipedia.org/wiki/Verbindlichkeit

Verbindlichkeit vermeiden

Wenn jemand Verbindlichkeit gedanklich mit einer Forderung gleichsetzt, ist das wenig verbindend. Fordern hat für mich wenig mit wollen, können oder dürfen zu tun und schnürt mir daher alles ab.
Ich verstehe also durchaus, weshalb sich Menschen mit Verbindlichkeiten schwer tun, sie vermeiden oder gar Angst davor haben, wenn es DAS bedeutet. Oder, wenn Verbindlichkeit mit Begriffen wie Sturheit, Unfreiheit, Unselbständigkeit und unspontan verbunden wird.

Was hat Verbindlichkeit mit Verbindung zu tun?

Um Verbindung aufzubauen brauchen wir Vertrauen. Das braucht eben ein gewisses Maß an „Verbindlichkeit“ im positivsten Sinne.
Es braucht Zeit, es braucht Verlässlichkeit, es braucht Zugeständnisse – da kann man eben nicht immer machen was man will.
Um es anders zu sagen: Da braucht es ein bisschen Verzicht auf Individualität, Spontaneität und Ego.

Das Problem mit der Verbindlichkeit ist

  • das Messen mit zweierlei Maß
  • die unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Prioritäten
  • fehlende Kommunikation rund um „was bedeutete das für mich und was erwarte ich!“

Hier liegt für mich der Hund begraben!
Das Problem ist nicht die Verbindlichkeit selbst! Wir alle sind zu irgendeiner Zeit mit irgendeiner Person gewillt verbindlich zu sein, sonst würden wir uns nie mit anderen Verabreden, keine Freundschaften haben und und und.
Doch wie oft das passiert, wie fest oder nah diese Beziehungen sind und wie viele es sind, hängt mit unserer Art zusammen mit Verbindlichkeit umzugehen.

Das messen mit zweierlei Maß

Klar will ich Verbindlichkeit! Von anderen!
Diesen Eindruck habe ich häufiger von mir und einigen Weggefährten.
Ich muss gestehen, da ich selbst mit diesem Begriff, wie schon gesagt, eher schlechte Assoziationen habe, fordere ich Verbindlichkeit selten ein. (Vielleicht nenne ich es nur anders ;))
Vielleicht ist das aber auch ein Schutz.
Ein Schutz, um autonom bleiben zu dürfen (was ich erwarte muss ich auch leisten, also erwarte ich keine Verbindlichkeit….).
Oder aber ein Schutzmechanismus, um nicht verletzt zu werden, wenn jemand meine Verbindlichkeitserwartungen nicht erfüllt.
Das habe ich abschließend noch nicht geklärt, aber eins ist mir bewusst:
Bei einigen Begegnungen ist mir Verbindlichkeit suuuuuuuper wichtig – bei anderen gar nicht. Was denn nun?

Erwartungshaltungen und Prioritäten

Was deutlich geworden ist, seit ich mich mit dem Thema beschäftige, war die Erfahrung, dass Verbindlichkeit unterschiedliche definiert und empfunden wird. Je nachdem welche Erwartungshalten man an eine Person oder Beziehung hat und welche Priorität/Rolle man bereit ist, dieser Person im eigenen Leben zu geben.

Mit der Wichtigkeit der Rolle (hohe Priorität) steigt die Bereitschaft für Verbindlichkeit. Doof nur, wenn die Prioritäten unterschiedlich sind, bei den beteiligten Personen. Dann sind nämlich die Erwartungen auch verschieden.

Lass mich dir ein Beispiel geben:
Stell dir vor, du triffst einen Bekannten nach langer Zeit im Supermarkt wieder. Ihr unterhaltet euch kurz uns stellt fest ihr solltet mal wieder einen Kaffee trinken und euch austauschen. Ihr checkt die Aktualität eurer Kontaktdaten und jeder geht seiner Wege.
Jeder von uns kennt diese Situation. Wie geht sie meist aus? Trefft ihr euch wenige Tage später zu besagtem Kaffee?
Vielleicht, vielleicht auch nicht, aber auch wenn nicht sitzt du nicht da, wartest, fluchst und bis enttäuscht, oder?
Eine nette Begegnung ohne Priorität und ohne Erwartungen.

Ganz anders sieht es aus, wenn es sich dabei um eine Person handelt, mit der du dich treffen willst, weil es für dein berufliches Vorankommen von Bedeutung wäre. Oder wenn du ein romantisches Interesse an dieser Person hast.

Dann gewinnt diese Person an Bedeutung. Weil sie dir wichtiger geworden ist, glaubst du, das müsste auf der Gegenseite ebenso sein.

Deine Erwartung ist also, dass dieses Treffen möglichst bald stattfindet und die andere Person dich ebenso zur Priorität macht. Also den gleichen Aufwand betreibt, wie du!

Fehlende Kommunikation – lieber Kopfschmerz als Kopf ab!

Oftmals spüren Menschen was sie voneinander erwarten – zumindest unterschwellig. Nicht darüber zu sprechen welche Erwartung man an den anderen hat macht es leicht und schwierig zugleich.
Leicht, weil man sich nicht (er)klären muss und weil man nicht verletzte werden kann.
Schwierig, weil die Situation unklar bleibt und irgendwie konstant verletzt. Lieber Kopfschmerz als Kopf ab!

Was also tun um Verbindung aufzubauen?

Wie schon gesagt, ich glaube nicht Verbindlichkeit ist, was wir wollen sondern Verbindung. Dazu braucht es Vertrauen, Verlässlichkeit, Absprachen, überlappende Prioritäten und gemeinsame Zeit.
Aber vor allem auch Klarheit, Verständnis für das Gegenüber und eine Prise gesunden Egoismus.

Fragen die du dir in Bezug auf Verbindung / Verbindlichkeit stellen solltest

Um mich und die Rolle einer Person in meinem Leben zu klären gibt es einige Fragen, die ich mir — unabhängig von meinem Gegenüber — stelle. Das ermöglicht mir, meine Erwartungen zu erkennen und falls nötig auch zu kommunizieren.

  • Welche Rolle spielt diese Person in meinem Leben oder soll sie ggf. spielen?
  • Wenn ich einen Termin mit dieser Person festlege und meine beste Freundin/mein Partner (eine für mein Leben wichtige Person) anruft und mich braucht, was tue ich?
  • Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?

Wenn ich für mich beschließe, dass ich eine Person um mich haben will, dann bin ich bereit einen höheren „Preis“ zu zahlen (mehr Einsatz zu zeigen), als bei anderen.

Das ist unproblematisch, wenn beide Seiten ähnlich empfinden. Das ist bei langjährigen Freundschaften häufig ein gutes, eingeschliffenes System. Man kennt sich, man weiß was man vom anderen erwartet und erwarten kann. Ein ausgewogener „Markt“ – um beim Preisgedanken zu bleiben. Juhuu!

Bei „neuen“ oder „losen“ Bekanntschaften gibt es häufig erst mal ein Prioritäten-Gefälle. Einer der beiden hat vielleicht etwas mehr Interesse oder mehr Zeit oder mehr der benötigten Ressourcen, um an der Beziehung zu arbeiten.
Falls ich das bin, bedeutet das für mich: Ich schiebe Termine, die ich sonst nicht schieben würde, ich reise ans andere Ende der Welt oder bin bereit mich verletzlich zu zeigen/ zu öffnen, in der Hoffnung, dass sich das Prioritätengefälle ausgleicht.

Hoffen ist nicht erwarten!

Oftmals merke ich erst, dass meine Hoffnung eine Erwartung ist, wenn ich wütend/ traurig werde, den anderen beschuldige oder der Person Vorwürfe mache. Doch Vorwürfe helfen selten und schon gar nicht, um andere davon zu überzeugen, mir eine gewünschte Stellung in ihrem Leben einzuräumen.

Check und Sprich:

Wenn man bemerkt, dass die Erwartungshaltung nicht erfüllt wurde hilft ein erneuter Check:

„Was will ich und was bin ich bereit dafür zu tun? Unabhängig vom anderen!“

Das schützt vor Enttäuschung und eröffnet Möglichkeiten.
Patzig zu werden, wenn eine Person nicht liefert, was man erwartet, schafft häufig nur Distanz. Was oft genau das Gegenteil von dem ist, was man eigentlich will.

Spätestens jetzt sollten Erwartungen kommuniziert werden und Klarheit geschaffen werden, was der andere bereit ist zu investieren. Dann liegt es wieder an dir zu entscheiden ob dir das reicht oder nicht.

Verbindlichkeit ist nicht gleich Verbindlichkeit

Wir haben alle mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Vereinbarungen über Verbindlichkeiten. Manche ausgesprochen, andere nicht. Wenn es anfängt zu kriseln, dann häufig deshalb, weil Erwartungen rund um Verbindlichkeiten nicht eingehalten wurden – in Freundschaften und Beziehungen allgemein.

Eigentlich wird es genau hier spannend. Doch wir haben in unserem Leben begrenzte Kapazitäten an Zeit und Energie um uns mit anderen auseinanderzusetzen.
Daher beginnen wir mit einigen, uns an dieser Stelle auseinanderzusetzen und unsere Erwartungen auszutauschen, um Verbindung herzustellen – ganz verbindlich!
Bei anderen ist es uns einfach nicht wichtig genug, um dafür die nötigen Kapazitäten zu binden.
Das ist nicht egoistisch sondern normal.
Fühlt sich eben nur scheiße an, wenn wir dabei „aussortiert“ werden.

Lass dir gesagt sein – das hat mir dir als Mensch nichts zu tun oder mit deinem Wert, sondern einfach damit, dass du gerade nicht der Spielpartner für das Welterleben deines Gegenübers bist. Nicht mehr und nicht weniger.

Erlebe die Welt – in Verbindung mit den Menschen die mit dir verbindlich sein wollen. In welcher Form auch immer. Werde dir bewusst welche Rolle du wem in deinem Leben zugestehen willst und sei dabei nicht nur ehrlich zu dir sondern kommuniziere das auch an dein Gegenüber. Dann kannst du viel entdecken – in dir und anderen.

Viel Spaß dabei…

Deine Katha

​Read More
Allerwelts

Die Welt deiner Emotionen erleben

Du kannst die Welt holistischer erleben, wenn du die Welt deiner Emotionen erlebst und ergründest. Übe also Emotionen zu fühlen, zu benennen und auszuhalten.

Was fühlst du?

Diese Frage scheint „Wie fühlst du dich?“ sehr ähnlich zu sein. Vermutlich ist es am Ende auch die gleiche Antwort. Aber ich finde, die Frage ermöglicht etwas genauer hinzuspüren und verlangt bessere Wörter, um auszudrücken was gerade „abgeht“.

Wie oft stellst du dir diese Frage?

Wie oft stellst du dir diese Frage und beantwortest sie ehrlich?
Mit fällt es leicht mir diese Frage zu beantworten, wenn ich aus dem Bett steige und mich gut fühle. Ich kann die Frage auch gut beantworten, wenn mein Tag produktiv und ich zufrieden mit mir bin.

Positive Gefühle beschreiben sich leichter

Yin und Yang – Schwarz Weiß … wir alle wissen oder sollten wissen, dass es die Gegensätze braucht. Blabla, jaja … die Realität ist doch aber die, dass wir lieber gute Gefühle haben und teilen. Wir posten schöne Bilder, lustige Sprüche und erwecken lieber den Eindruck oder überzeugen uns selbst davon, dass wir glücklich sind (was auch immer das ist) – ständig und überall.

Wir dürfen nur gut gelaunt sein

Schließlich sind wir privilegiert und damit dankbar, meditierend und yogierend… Wo soll da schlechte Laune, Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit und all das Platz haben? Uns geht es doch eh viel „zu gut“?!

Sei gut drauf und du bist beliebt

Wir mögen gut gelaunte Menschen. Mit problematischen Gefühlen weiß auch kaum jemand umzugehen. Gut Laune braucht keine Lösung. Das darf sein und der Umgang damit ist relativ leicht. Mitmachen, anstecken lassen oder ignorieren – alles geht. Mit Trauer beispielsweise ist das anders.

Trauer-Feiern?

Wir feiern unsere Trauer nicht. Wir zelebrieren keine Wut oder machen laden Freunde ein, wenn wir depressiv sind für ein Sit-In der Negativität. Wäre ja auch kacke! Schließlich kreieren wir ja damit eine Abwärtsspirale, denn Shit in führt zu Shit out und negatives Denken zieht Negatives an! Also schnell wieder auf Kurs. Ein paar Affirmationen aufgesagt und damit muss es das gewesen sein. Aber warum eigentlich nicht Trauer feiern?

Das Leben feiern

Das Leben zu erleben und zu feiern bedeutet präsent zu sein. Dinge zu fühlen, zu erleben, zu benennen und Platz dafür zu haben, ihnen Raum geben – halten – aushalten. Alles davon.

Spürst du dein Leben noch?

Wir sind so gut darin geworden, möglichst nur noch „gute“ Gefühle zulassen, dass wir schon gar nicht mehr hinterfragen wie, wo und was wir fühlen. Die Antwort „gut“ in allen Schattierungen scheint vorprogrammiert, also wozu noch lernen zu differenzieren?

Uns fehlen die Wörter

Einigen fehlt daher die Sprache für Emotionen komplett. Sie bemerken es aber erst, wenn DAS nicht mehr weggeht. Die Worte fehlen dann auch, um jemanden um Hilfe zu bitten und zu beschreiben was gerade los ist. Und so bleiben wir oft alleine mit dem „fühlen“ bzw. betäuben dessen, wofür uns der Ausdruck fehlt.

Manchmal ist es einfach nur „viel“

Manchmal ist es gar nicht grundsätzlich schlecht, wenn wir uns „komisch“ fühlen und das nicht beschreiben können. Es kann eine Mischung aus allem sein und damit einfach nur „viel“- zu viel.

Was fühlst du und wo … eine Übungsanleitung

Ich hatte heute Tränen in den Augen, als ich dieses Video sah in dem Simon Sinek den Zuschauern einen Blick gewährt darauf, dass er keine Worte hat für das, was gerade in ihm vorgeht. Dieses Video möchte ich hier mit dir teilen. Absolut sehenswert:

https://www.youtube.com/watch?v=zMER8OoDZ-o

Lerne mit deinem Gefühl zu „sitzen“

Ich mag dieses Bild im Englischen „to sit with something“. Einfach mit etwas Zeit zu verbringen. Etwas auf sich wirken lassen. Mit etwas „sein“. Genau das ist wunderbar für das Erleben von Emotionen.

Es geht nicht um das Auflösen, das Loswerden oder das Optimieren. Vielmehr geht es darum, dass du beginnst dich selbst zu fühlen. Dich selbst besser kennenzulernen und damit lebendiger zu leben. Voller. Gefühl-Voller.

Lass uns alle ein bisschen Trainieren.

Wie machst du das? Was hast du in deinem Sit-In erfahren?
Ich freue mich von dir zu lesen.

Deine Katha

Wenn du mehr zu meiner Ideen von Emotionen und dem Hinspüren lesen magst: Hier (Prost) und Hier (Gefühlsmanagement)

​Read More
Achilles
Allerwelts

Wie du wahre Freunde an der Achillesferse erkennst

Wahre Freunde sind rar – so sagt man- und sie geben sich oft erst dann wirklich zu erkennen, wenn man in einer Krise steckt.
Was für mich wahre Freunde ausmacht und wann man selbst ein wahrer Freund ist lässt sich anhand der Achillesferse erkennen.

Der Mythos von Achilles

Vielleicht kennst du ja die Geschichte von Achilles aus der griechischen Mythologie, wenn nicht – unwichtig! Mit geht es hier nur um seine Ferse!

Kurz erklärt:

Achilles wurde als Kind von seiner Mutter in Styx eingetaucht, um unverwundbar zu sein – nur an der Ferse, an der sie ihn hielt, gab es keine Schutz. Am Ende: ZACK – erwischte es ihn genau da.
Tod und Ende der Geschichte!
(Falls du es genauer wissen/lesen willst: hier und hier und hier und hier.)

Deine Achillesferse

Der spannende Teil daran ist, dass wir aufgrund dieser Geschichte unsere „wunden Punkte“ oft als Achillesferse bezeichnen. Wie bei Achilles auch, sind das keine offensichtliche Schmerzpunkte, sondern oft Themen oder Umstände, die wir beschützen, weil wir uns unserer Schutzlosigkeit an der Stelle bewusst sind.

Wir wählen also meist sehr genau, wen wir in unser Geheimnis über diese Verletzlichkeit einweihen, denn wir möchten den Schmerz vermeiden.
Mit dem Teilen dieses „wunden Punktes“ zeigen wir Vertrauen und Verletzlichkeit. Schlimm, wenn genau das dann ausgenutzt wird.

Ein unfairer Kampf

Es gibt Menschen, die kennen deine Achillesferse. Sobald ein Streit im Raum steht oder sie das Gefühl haben, sich verteidigen zu müssen, greifen sie genau nach dieser Stelle bei dir. Sie nutzen Informationen, die du vertrauensvoll in ihre Obhut gegeben hast, um dich mit deiner Waffe zu schlagen.

Das ist schmerzhaft, unfair und mies!

Ja, vielleicht! Auf den ersten Blick. Aber vielleicht muss man sich dann auch selbst fragen, wie man überhaupt mit einem Menschen an die Stelle gelangt ist, an der man sich verletzten muss/will.
Ein Angriff kommt ja meist nicht aus dem Nichts.
Dennoch bleibt die Frage, ob man so jemanden dauerhaft in seiner Nähe haben möchte, oder?

wahre Freunde

Dann gibt es noch die anderen. Die, die diese Stellen kennen und egal wie oft sie einen Pfeil genau auf diese Stelle abfeuern können, sie tun es nicht! DAS sind Freunde! Die, bei denen du keine Schutz brauchst, denn sie sind der Schutz! Eigentlich ganz einfach, aber häufig erst zu erkennen, wenn der Pfeil schon sitzt.

Bist du ein wahrer Freund?

Doch all das passiert oft auch gar nicht so bewusst, wie das jetzt scheinen mag. Ehrlich gesagt frage ich mich oft „Bist du immer ein wahrer Freund oder ein Achillesfersengrabscher?“
Ich muss gestehen, dass ich schon mehr als einmal nach einer Achillesferse gegriffen habe. Unschön, aber in dem Moment ist es eine große Herausforderung es nicht zu tun – meist weil ich das Gefühl habe ich müsse mich verteidigen.
Ich vermeide es heute tunlichst, aus Prinzip, auch wenn ich dabei auf einen „Sieg“ verzichte und ggf. selbst Prügel einstecke. Nicht, weil ich ein wahrer Freund für jeden sein will, aber weil das ein unfairer, unnützer Kampf ist, der eigentlich mehr einer mit mir ist, den ich nur am anderen austrage.

Wofür kämpfen wir?

Es ist leicht jemanden zu „besiegen“, der schon am Boden ist und einem noch die passende Waffe für den Todesstoß reicht.
Doch was bringt so eine „Eroberung“?
Warum und wofür kämpfen wir überhaupt? Um gesehen zu werden? Um jemanden zu überzeugen? Um jemanden zu belehren? Weil wir selbst verletzt sind? Warum haben wir manchmal das Gefühl die eigene Unzulänglichkeit oder das eigene Leid fühle sich besser an, wenn andere auch leiden?

wehren um zu bewahren

Wir wehren uns häufig, um etwas zu bewahren. Unsere Würde, den Status Quo oder etwas was uns Angst macht oder überfordert. Manchmal währen wir uns um Platz zu haben. Raum für Gedanken, zum Sortieren, zum Sacken lassen, zum Annehmen – und oftmals ist es einfach schneller dabei in den Angriff zu gehen statt reflektiert und besonnen um Raum zu bitten. Also währen wir ab.

Nicht kämpfen heißt nicht gleich Erstarren oder gar verlieren!

All das bedeutet nicht, dass man jetzt alles hinnehmen sollte, sich nicht auch mal streiten oder kämpfen kann, für sich und andere. Aber sobald man bemerkt, dass man nach der Achillesferse greift, geht es oft nicht mehr um die Sache, sondern um reine Verletzung!

Falls du das bei jemandem machst, überdenke ehrlich für dich, welche Rolle diese Person für dich spielt und ob diese Beziehung gesund ist. Falls jemand das mit dir tut … gleiches Gedankenspiel!

Freunde sind (d)eine Rüstung

Wahre Freunde bieten Schutz. Sie kabbeln sich mit dir, wälzen sich im Schlamm und trainieren die Verteidigung deiner Achillesferse mit dir. Aber sie schießen den Pfeil niemals ab, denn sie wissen am Ende würden sie dadurch den eigentlichen Kampf verlieren.

​Read More